PwC-Zentrale

Die klassische Beraterlaufbahn verliert an Bedeutung.

(Foto: PWC)

Unternehmensberatung Consulting-Riesen investieren kräftig in die Digitaltechnik

Die großen Unternehmensberatungen setzen voll auf die Digitalisierung. Künstliche Intelligenz soll helfen, ihren Datenschatz zu heben.
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DüsseldorfDie Welt der Unternehmensberater gilt als wenig peppig. Dunkle Anzüge, schwarze Aktentaschen, Powerpoint-Präsentationen voller Charts und Balkendiagramme – so sind sie bei ihren Kunden meist zu sehen. Doch neuerdings geben sich die Consultants flippig.

Im 34. Stockwerk des Büroturms von PwC in Frankfurt sitzen Menschen auf bunten Hockern, die Etage ist voll mit moderner Technologie für Virtual Reality, Eye Tracking oder 3D-Druck. Den schwarzen Anzug haben die PwC-Berater gegen Jeans und Hoodies getauscht. Hier entwickeln sie mit Kunden neue Produkte, bauen moderne Store-Konzepte für Händler auf oder programmieren Apps.

Greifbare Beratung – so könnte man den Trend nennen. Die großen Berater setzen auf Orte, in denen Kunden die neuen technischen Möglichkeiten erleben können. Präsentationsordner, die viele Meter im Regal belegen, haben als Verkaufsmodell ausgedient.

Die Digitalisierung der Wirtschaft ist gleich in zweifacher Hinsicht das Megathema in der Beraterbranche. Zum einen boomt das Geschäft, weil Kunden Hilfe bei der digitalen Transformation brauchen. Zum anderen wirbeln die neuen Möglichkeiten die Abläufe der Beratungsunternehmen selbst auf: Es geht um neue Geschäftsmodelle, um eine engere Zusammenarbeit mit Kunden und natürlich um Daten, Daten, Daten – auch oder gerade in dieser Branche.

Vor allem die großen Beratungsunternehmen investieren kräftig in ihre Digital-Ableger. So entwickelt etwa die Boston-Consulting-Group-Tochter Digital Ventures digitale Geschäftsmodelle für Kunden und gründet selbst Start-ups. Mit Volkswagen haben die BCG-Experten etwa die Gebrauchtwagenplattform „Heycar“ geschaffen.

Arbeitsweise und Belegschaft der Berater wird heterogener

McKinsey hat unter dem Begriff „Solutions“ 85 webbasierte Anwendungen gebündelt. Kunden können rund um die Uhr auf das gesammelte Wissen des Weltmarktführers im Consulting zurückgreifen – etwa mit einer Software zum schonenderen Einsatz von Energie und Wasser oder einer Datenbank, die den „Gesundheitszustand“ einer Firma misst. Solche Anwendungen bietet McKinsey meist in Kombination mit einem klassischen Beratungsprojekt an.

Die führenden Strategieberater schreiten mit solchen Modellen voran. „Viele andere Beratungshäuser wissen allerdings noch nicht so recht, wie sie mit der Herausforderung Digitalisierung umgehen sollen“, beobachtet Dietmar Fink, Direktor der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung. Der Branchenexperte prognostiziert: „Für sie wird es schwierig, wenn der Markt nicht mehr so boomt wie derzeit.“

Denn in der Branche wird für den Erfolg ganz entscheidend sein, wer die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz auszunutzen weiß. Berater sitzen auf einer Unmenge von Daten aus ihren Projekten, täglich kommt neues Know-how in Zahlenform hinzu.

Von der Datenanalyse per Roboter versprechen sich die Consultants einiges – allerdings sind dafür hohe Investitionen nötig. Kein Experte geht aber davon aus, dass künstliche Intelligenz das Beratungsgeschäft komplett übernehmen wird. „Der Roboter kann eine hervorragende Datenanalyse machen und kluge Empfehlungen geben“, sagt Fink. „Aber er scheitert an der Umsetzung. Wenn Menschen dazu bewegt werden sollen, etwas anders zu tun, wenn ganze Organisationen verändert werden, dann braucht es menschliches Fingerspitzengefühl.“

Erkennbar aber ist, dass sich die interne Arbeitsweise der Berater ändert: Der kulturelle Mix in der Belegschaft wird größer, IT-Nerds und Naturwissenschaftler sind gefragter als klassische BWLer. Und sie müssen nicht mehr unbedingt die klassische Beraterkarriere machen, es geht auch ohne den obligatorischen Aufstieg auf die Partnerebene. „Das Up-or-out-Prinzip wird aufgeweicht“, beobachtet Fink. Sprich: Wer nicht irgendwann aufsteigt, bleibt trotzdem.

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