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Urlaubssaison 2019 Reiseveranstalter setzen massiv auf Griechenland – doch der Absturz droht

Nach dem Touristenboom der vergangenen Saison haben die großen Reiseveranstalter massenhaft Kapazitäten in Griechenland eingekauft. Mit hohem Risiko, wie sich jetzt zeigt.
19.11.2018 - 09:00 Uhr Kommentieren
Der Ansturm der Griechenlandtouristen dürfte sich im kommenden Jahr deutlich abschwächen. Quelle: Peter Rigaud/laif
Touristen in Athen

Der Ansturm der Griechenlandtouristen dürfte sich im kommenden Jahr deutlich abschwächen.

(Foto: Peter Rigaud/laif)

Düsseldorf Die soeben beendete Sommersaison 2018 lässt Deutschlands Touristikmanager über Griechenlands Wiederaufstieg jubeln. Hellas habe sich „zum zweitgrößten Sommer-Zielgebiet nach Spanien entwickelt“, freute sich Alltours-Chef Willi Verhuven vor wenigen Tagen. Dort habe ein zweistelliges Gästeplus das Wachstum des eigenen Reisekonzerns kräftig befördert – und das zum fünften Mal in Folge.

Dietmar Gunz, Inhaber des Münchener Wettbewerbers FTI, spricht von einem „Erfolgsjahr für Griechenland“. „Besucherzuwächse im zweistelligen Prozentbereich bestätigen unseren Kurs des vergangenen Jahres“, ergänzte dessen Vertriebschef Ralph Schiller. Hellas gehöre zu den „beliebtesten Reisezielen des kommenden Sommers“, zeigt sich auch René Herzog, Europachef der Rewe-Reisetochter DER Touristik, überzeugt. Mit einer guten Erreichbarkeit, hohen Hotelstandards, einer hervorragenden touristischen Infrastruktur und kulturellen Schätzen stehe Griechenland „als Preis-Leistungs-Sieger 2019 vor einem Rekordjahr“.

Der Höhenflug könnte indes schon bald enden wie der Absturz des griechischen Helden Ikarus, der sich, so berichtet die Sage, im Übermut der Sonne allzu sehr näherte. Aktuell nämlich erscheint der Aufschwung von Griechenlands Reisesektor ähnlich stabil wie das Wachsgefieder des antiken Fliegers.

„Noch sind wir im Buchungszyklus für die kommende Sommersaison sehr früh“, sagt Philipp Weiser von der Kölner Datenauswertungsfirma Trevo Trend. „Abgesehen davon aber liegen die Griechenland-Anfragen im Internet und in den Reisebüros derzeit 15 Prozent unter Vorjahr.“

Schon die Urlauberzurückhaltung im September, die das bisherige Jahresplus von 25 auf 20 Prozent reduzierte, gibt Anlass zur Sorge. Eine Überraschung aber ist sie nicht. Den jüngsten Aufschwung nämlich verdankte das östlichste Land der EU den politischen Unruhen in gleich mehreren Mittelmeer-Nachbarländern – Krisen, die aus Sicht deutscher Urlauber zunehmend verblassen.

Terroranschläge in Ägypten, Tunesien und in der Türkei lenkten die Urlauberströme in den letzten Jahren massiv nach Griechenland um. Derzeit aber scheint sich in den Ländern die Lage zu beruhigen.
Insbesondere der gescheiterte Militärputsch gegen Ankaras Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und die Verhaftungswelle danach machten die Strände Griechenlands als Ersatzziel attraktiv. Während die Türkei zwischen 2015 und 2017 zwei Millionen deutsche Urlauber verlor, schoss im selben Zeitraum die Zahl deutscher Gäste in Griechenland um 0,9 Millionen nach oben.

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Doch der Trend nähert sich, so jedenfalls signalisieren es erste Zahlen des zurückliegenden Sommers, zunehmend dem Ende. Zwar wuchs die Zahl deutscher Griechenland-Urlauber in den ersten neun Monaten 2018 weiter um 20 Prozent, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) berichtet. In den zuletzt krisengeschüttelten Nachbarländern entwickelt sich der Zuwachs jedoch deutlich rasanter.

Allen voran in der Türkei, wo der DRV 60 Prozent mehr Urlaubsbuchungen gegenüber dem Vorjahr zählte, als nur noch 3,7 Millionen Bundesbürger ins Land gekommen waren. Auch Tunesien lockte in der ersten Jahreshälfte 2018 demnach 80 Prozent mehr deutsche Urlauber als im Vorjahreszeitraum. In Ägypten, so lauten die regierungsamtlichen Zahlen, stieg die Zahl der Buchungen um 49 Prozent. Für 2018 erwartet das Land am Nil 1,3 Millionen Bundesbürger zu Gast, 2019 sollen es 1,5 Millionen werden.

Einen Großteil der Zuwächse verdanken die Länder Spanien. Die Iberische Halbinsel hatte seit 2011 vom „Arabischen Frühling“ und von den politischen Wirren im östlichen Mittelmeer profitiert, in der vergangenen Saison jedoch zahlreiche Urlauber wieder verloren. Stark gestiegene Preise, überfüllte Stände und Proteste genervter Einheimischer gelten als Grund.

5,7 Prozent weniger Deutsche kamen im ersten Halbjahr 2018 ins Land, für den Monat Juli lag Zahl deutscher Urlauber sogar bei einem Minus von 14 Prozent. Weil aber erste Reiseveranstalter wie Alltours die Spanien-Preise für die kommende Saison um 1,2 Prozent senken, könnte dort der Exodus 2019 gestoppt werden – und das zulasten Griechenlands.

Für das Land an der Ägäis wäre dies ein Rückschlag. 18 Milliarden Euro Wertschöpfung, rechnet der Verband der griechischen Tourismusindustrie (SETE) vor, bringt das Urlaubsgeschäft jährlich – und damit fast zehn Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts. Zählt man die indirekt vom Tourismus abhängigen Wirtschaftsbetriebe des Landes hinzu, steht Hellas’ Reiseindustrie sogar für ein Viertel der Wirtschaftskraft.

Alltours baut Hotelkapazitäten aus

Deutschland kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Mit 14 Prozent stellen die Bundesbürger in Griechenland nicht nur die größte Touristengruppe vor Briten und Franzosen. Deutsche bringen auch mehr Umsatz. Während der durchschnittliche Urlauber nur eine Woche im Land verbringt, bleiben sie üblicherweise zehn Tage.

Gleichzeitig aber steigt auch die Abhängigkeit deutscher Reiseveranstalter vom griechischen Urlaubsmarkt. So kalkuliert Alltours-Chef Verhuven mit einem Wachstum im Griechenland-Geschäft von zehn Prozent.

Um die dadurch erwarteten 340.000 Gäste unterbringen zu können, hat sein Düsseldorfer Reisekonzern massenhaft zusätzliche Kapazitäten eingekauft. Statt 651 Hotels wie im Vorjahr bietet Alltours in Griechenland nun 731 Häuser per Katalog. Zudem kaufte Verhuven auf Kreta sein drittes eigenes Ressort. Auf Kos investiert er derzeit in den Neubau zweier Designhotels.

Wettbewerber FTI hat darüber hinaus die Zahl der Flüge nach Griechenland für die kommende Saison aufgestockt. Ab April soll die Insel Korfu von sieben deutschen Airports aus angeflogen werden. Zudem nimmt der Veranstalter Kefalonia, ein Ferieneiland südlich von Korfu, neu ins Programm.

Gleiches gilt für DER Touristik. Dort kündigte Europachef Herzog jetzt „deutlich ausgebaute Flugkapazitäten von fast allen deutschen Flughäfen“ nach Griechenland an, insbesondere für die Destinationen Heraklion (Kreta), Rhodos, Kos und Korfu. Auch die Insel Samos, die zuletzt unter dem Ansturm von Flüchtlingen gelitten hatte, kommt neu ins Programm.

Ob sich die hohen Investitionen auszahlen, ist aus Sicht von einheimischen Touristikmanagern unsicher. „Die Flugslots sind da“, gibt Ionna Dretta gegenüber dem Handelsblatt zu bedenken, „damit aber noch längst nicht die Touristen.“ Ob es 2019 mit dem Anstieg der Urlauberzahlen weitergehe, der vergangenes Jahr den Tourismusumsatz um ein Fünftel erhöhte, sei längst noch nicht abzusehen.

Dretta ist Direktorin von Marketing Greece, einer 2013 gegründeten Vermarktungsgesellschaft unter dem Verbandsdach des SETE. „Wir werden im Wettbewerb mit anderen Warmwasserzielen nur dann bestehen“, glaubt sie, „wenn wir neben Sonne und Strand weitere Zusatzangebote entwickeln.“ Entsprechend reisen ihre Mitarbeiter schon jetzt durch Griechenlands Regionen, um mit den lokalen Urlaubsanbietern Gastronomie-, Freizeit- und Kulturpakete zu schnüren.

Kampagnen im Internet sollen im Ausland dafür werben, bevorzugt auf den Infoseiten „Wanderlustgreece.com“ und „Discovergreece.com“. Für umfangreiche TV-Werbung aber fehlt den Griechen das Geld.

Branche sucht neue Ziele in Hellas

Zudem setzt Griechenlands Tourismusindustrie auf bislang verborgene Ziele, nachdem Inseln wie Santorin oder Mykonos die Überfüllung droht. So gab es in der vergangenen Saison den größten Zuwachs auf Karpathos, einer Insel zwischen Rhodos und Kreta. Dort sprang die Zahl der Ankünfte um mehr als 200 Prozent nach oben. Auch die ionischen Inseln Zakynthos und Kefalonia zählen zu den Neuentdeckungen.

Ob dies für eine Fortsetzung des Höhenflugs reicht, bleibt fraglich. Eher hat es den Anschein, als ob Hellas für das kommende Jahr den Fehler Spaniens kopiert. Um 2,5 Prozent wird das Land etwa im Alltours-Katalog teurer, während sich der Reiseveranstalter ansonsten mit einem Plus von 1,5 Prozent begnügt. Reisemarktführer Tui dreht die Preisschraube sogar noch kräftiger nach oben. Bei den Hannoveranern verteuern sich Griechenland-Trips zwischen drei und fünf Prozent.

Vassilis Minadakis, Geschäftsführer von Griechenlands größter Hotelkette Grecotel, verweist derweil auf die erstarkte Konkurrenz im Ausland. Auf einem Kongress des Fachblatts FVW erklärte er wenig optimistisch, der Herbergsbetreiber rechne in Griechenland allenfalls mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau.

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