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US-Bürovermieter Börsengang offiziell abgesagt: Drei Dinge, die WeWork nun tun muss

Der Bürovermieter muss sich restrukturieren und schnell neue Finanzmittel sichern. Mit dem Börsengang soll es dann im kommenden Jahr klappen, hofft das neue Management.
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Turbulente Zeiten für den US-Bürovermieter. Quelle: AFP
WeWork in New York

Turbulente Zeiten für den US-Bürovermieter.

(Foto: AFP)

New York Der US-Bürovermieter WeWork hat eine Woche nach der Trennung von Gründer und CEO Adam Neumann seinen Antrag auf Börsenzulassung bei der US-Börsenaufsicht SEC zurückgezogen. Die Entscheidung folgt auf turbulente Wochen für das Unternehmen, das sich kürzlich in „The We Comapany“ umbenannte.

„Wir haben uns dazu entschieden, den Antrag auf Börsenzulassung zurückzuziehen, um uns auf unser Kerngeschäft zu fokussieren, dessen Fundamentaldaten nach wie vor stark sind“, erklärten die frisch ernannten Co-CEOs Artie Minson und Sebastian Gunningham am Montag. Für die Zukunft schlossen sie einen Börsengang aber nicht aus. Sie hätten weiterhin grundsätzlich vor, WeWork an die Börse zu bringen, versicherten sie ihren Mitarbeitern.

WeWork hatte erst vorige Woche den geplanten Börsengang auf das vierte Quartal verschoben, weil es an der Wall Street keine Nachfrage nach dem hochbewerteten, aber auch hochdefizitären Start-up gab. Seitdem WeWork Mitte August den Börsenprospekt veröffentlicht hatte, gab es von allen Seiten Kritik unter anderem an der Unternehmensführung und wegen mangelnder Gewinnaussichten.

Der US-Bürovermieter darf bei der Restrukturierung keine Zeit verlieren. Dies sind die wichtigsten Schritte, die das einst wertvollste amerikanische Start-up nun gehen muss:

1. Unternehmensteile verkaufen

Das New Yorker Start-up wurde nach der jüngsten Finanzierungsrunde im Januar noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet. Allein der japanische Telekommunikationskonzern Softbank hat insgesamt knapp elf Milliarden Dollar in WeWork investiert und hält 29 Prozent der Anteile.

Insgesamt sammelte das Unternehmen rund zwölf Milliarden Dollar in verschiedenen Finanzierungsrunden ein, hatte also reichlich Mittel für Zukäufe: We übernahm unter anderem das Soziale Netzwerk Meetup und die Programmierschule Flatiron School, beteiligte sich an dem spanischen Unternehmen Wavemaker, das künstliche Wellen in Swimmingpools erzeugt.

Zudem gründete We eine Reihe von Tochter-Unternehmen, wie die Fitnessstudio-Kette „Rise by We“ und die Privatschule „We Grow“, zu der auch Adam Neumann und dessen Frau Rebekah Paltrow-Neumann ihre Kinder schickten. Das Paar hat Wework 2010 gemeinsam mit Geschäftspartner Miguel McKelvey gegründet. Auch stieg das Unternehmen in die Vermietung von WG- und Hotelzimmern ein.

Branchenkenner gehen davon aus, dass We sich künftig stark aufs Kerngeschäft konzentrieren und viele andere Bereiche abstoßen wird. Das wird auch die Mitarbeiter hart treffen. Schätzungen zufolge könnte sich We von einem Drittel seiner 15.000 Mitarbeiter trennen.

Zuerst könnten Meetup, die Büromanagement-Firma „Managed by Q“ und die Marketing-Firma Conductor zum Verkauf stehen, die We ebenfalls übernommen hat, wie „The Information“ berichtet. Auch den Firmenjet, der im vergangenen Jahr auf Neumanns Wunsch für rund 60 Millionen Dollar angeschafft wurde, will die Firma wieder los werden. Er war zum Symbol für den verantwortungslosen Führungsstil von Neumann geworden, nachdem das „Wall Street Journal“ über Partys mit reichlich Tequila und einen Flug berichtete, bei dem Neumann Joints geraucht haben soll.

2. Neue Finanzierungsquellen sichern

Durch den Börsengang hätte sich We eigentlich frisches Geld sichern sollen, um die teure Expansion weiter voranzutreiben. Hätte das Unternehmen mindestens drei Milliarden Dollar von Investoren eingesammelt, hätte es zudem weitere Kredite in Höhe von sechs Milliarden Dollar bekommen. Darauf muss We nun verzichten.

Doch das Unternehmen benötigt dringend neue Finanzspritzen. „We hat in diesem Jahr 2,36 Milliarden Dollar an Cash verbraucht“, sagt Dan Morgan, Porftfoliomanager vom Vermögensverwalter Synovus. Das sind etwas mehr als 700 Millionen Dollar pro Quartal. Bei der Geschwindigkeit könnte dem Unternehmen im kommenden Frühjahr das Geld ausgehen. Ende Juni hatte We noch Cash-Reserven von 2,5 Milliarden Dollar, wie aus dem nun zurückgezogenen Börsenprospekt hervor geht.

We verhandelt mit Großinvestor Softbank über eine weitere Investition. Der Konzern hatte sich bereits dazu verpflichtet, weitere 1,5 Milliarden Dollar in das Unternehmen zu stecken, das könnte nun auf 2,5 Milliarden Dollar aufgestockt werden, berichten US-Medien – allerdings zu einer deutlich niedrigeren Bewertung. Wie hoch diese sein wird, ist derzeit noch unklar. Risikokapitalgeber gehen davon aus, dass We höchstens zehn Milliarden Dollar wert sein könnte, wenn überhaupt.

Auch verhandelt We mit großen Wall-Street-Häusern wie JP Morgan Chase und Goldman Sachs über neue Kredite. Die Institute hätten We ursprünglich als führende Investmentbanken an die Börse bringen sollen und zählen We bereits seit Jahren zu ihren Kunden.

2018 hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt, auf 1,8 Milliarden Dollar. Das gilt auch für die Verluste. Sie stiegen um über 100 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Insider gehen davon aus, dass We sich mit den Geldgebern einig werden wird und eine drohende Pleite abwenden kann. Schließlich haben Investoren und Banken große Summen Geld in das Start-up gesteckt, daher haben sie Interesse daran, die Lage zu stabilisieren.

3. Unternehmenskultur verbessern

Nach dem Rücktritt von CEO Adam Neumann muss WeWork auch eine neue, bescheidenere Unternehmenskultur aufbauen. Neumann hat das Start-up extrem dominiert und eine Reihe von Familienmitgliedern und Freunden in wichtige Positionen katapultiert. Er war für seinen überschwänglichen Lebensstil bekannt. Neben seinem Büro hat er ein kleines Spa mit einem Eis-Pool installieren lassen, um nach Workouts mit seinem Personal Trainer schneller regenerieren zu können.

Zudem besitzt Neumann fünf Luxusimmobilien im Wert von rund 80 Millionen Dollar und hat Kredite in höhe von mehreren hundert Millionen Dollar aufgenommen, die zum Teil durch seine WeWork-Aktien besichert waren. Das alles sorgte für Misstrauen bei den Investoren. Wework muss nun eine schwierige Balance finden. Es muss im Kerngeschäft weiter schnell wachsen. Doch es darf weder langweilig noch zu aggressiv wirken, falls es im kommenden Jahr noch einmal einen Börsengang planen will.

Die Mitarbeiter, die bei dem Start-up bleiben, muss die neue Führungsspitze zusätzlich motivieren. Es ist üblich, dass Mitarbeiter zum Teil in Aktien bezahlt werden, die sie bei neuen Finanzierungsrunden oder beim Börsengang versilbern können. Der heftige Absturz in der Bewertung und der abgesagte Handelsstart bedeutet auch, dass die Anteile deutlich weniger wert sind und sie länger darauf warten müssen, bis sie sie verkaufen können.

WeWork braucht jedoch ein gutes Image, auch um neue Gelder aufzunehmen und um weiterhin vertrauenswürdig gegenüber Vermietern auftreten zu können. We ist der größte kommerzielle Mieter in New York und London. Einige Besitzer von Büroimmobilien haben Kredite aufgenommen, um neue Immobilien zu kaufen, die sie dann an We weitervermieteten. Sollten Vermieter Zweifel an Weworks Zahlungsfähigkeit haben, könnte das den Expansionskurs künftig erschweren.

Mehr: Der verpatzte Börsenstart von WeWork und der Abgang des Chefs bringen auch Investmentbanken an der Wall Street in die Kritik. Das hat mehrere Gründe.

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