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Veraltete Infrastruktur Deutsche Messegesellschaften haben es in Indien schwer

Die Messewirtschaft hat hohe Erwartungen an den indischen Markt. Doch es gibt zu wenig gute Veranstaltungsflächen. Kreative Lösungen sind gefragt.
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Indien: Deutsche Messegesellschaften haben es in Indien schwer Quelle: AFP/Getty Images
Messe in Indien

Expansionspläne der deutschen Messegesellschaften sind auf dem Subkontinent mit großen Schwierigkeiten verbunden.

(Foto: AFP/Getty Images)

MumbaiViel schlimmer hätte der Start für Sonia Prashar nicht ablaufen können. Kurz vor ihrer ersten großen Messeveranstaltung in Indien bekam die Managerin, die auf dem Subkontinent die Niederlassung der Nürnberg Messe leitet, äußerst schlechte Nachrichten: Der fest eingeplante Veranstaltungsort in Bangalore für die lokale Ausgabe der Naturkostmesse Biofach sagte wieder ab. Die Räume wurden nach einer Wahl gebraucht, um Stimmzettel auszuzählen.

Eine Alternative ließ sich so kurzfristig nicht finden. Die Messe musste kurzfristig verschoben werden. „Da ist bei den Kollegen in Deutschland dann erst einmal Panik ausgebrochen“, sagt Prashar.

Der Rückschlag machte deutlich, dass die Expansionspläne der deutschen Messegesellschaften mit großen Schwierigkeiten verbunden sind. Dennoch erhoffen sich die Unternehmen den nächsten großen Boommarkt nach China. Mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als acht Prozent ist Indien die derzeit am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt.

Auch der Messemarkt wächst jährlich schnell. Doch die Infrastruktur des 1,3 Milliarden Einwohner großen Subkontinents stellt die Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Kreative Lösungen sind gefragt.

Aus ihrem Problem – eine Messe zu haben, aber keinen Ort dafür – versuchte Sonia Prashar das Beste zu machen. Sie verlegte die Veranstaltung in den Nachbarbundesstaat Kerala. Dort konnte die Messe zwar erst mit einem halben Jahr Verspätung stattfinden. Doch Prashar setzte sie dort in Kombination mit einer gut besuchten Tagung der lokalen Lebensmittelindustrie an – und konnte ihren Ausstellern so eine deutlich größere Plattform bieten.

„In Indien gilt das Sprichwort: Am Ende geht alles gut – und wenn es noch nicht gut ist, dann ist die Sache noch nicht zu Ende“, sagt Prashar über den holprigen Start vor fünf Jahren.

Sie hat die Schwierigkeiten gut gemeistert: Im vergangenen Jahr wurde Prashar von einer lokalen Branchenvereinigung als „Superwoman der indischen Messeindustrie“ ausgezeichnet. Ihre Nürnberg-Messe-Tochtergesellschaft feierte Ende April das erste halbe Jahrzehnt auf dem Subkontinent. Mehr als ein Dutzend Messen hat das Unternehmen in Indien im Programm. Die IT-Sicherheitsmesse it-sa feierte Ende Mai Premiere.

Nürnberger Messe will in Indien kräftig wachsen

In den kommenden zwei Jahren wollen die Nürnberger ihren Umsatz in dem Land verdreifachen. Doch der Expansionskurs ist wegen der Probleme mit den Veranstaltungsorten nicht einfach. „Wir veranstalten Weltmessen hier in Indien“, sagt Nürnberg-Messe-Chef Peter Ottmann im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Aber die Infrastruktur passt nicht immer dazu.“

Was er damit meint, wird beim Besuch einer Messedelegation im Bombay Convention & Exhibition Centre deutlich – der größten Ausstellungsfläche der Metropole Mumbai. Die Messehallen sind zum Teil mehr als acht Jahrzehnte alt. Früher befand sich in den Räumen eine Fabrik für Textilmaschinen. Ende der 90er-Jahre wurden sie zur Veranstaltungsfläche umfunktioniert.

Eine der Hallen steht gerade leer. Zu sehen gibt es nur zerkratzte Böden und verstaubten Stahlträger, die das in die Jahre gekommene Gebäude stützen.

Nebenan läuft Screenprint, eine Veranstaltung der Messe Frankfurt, in einem baugleichen Raum. Ein blauer Teppich und Verkleidungen an den Wänden überdecken den maroden Anschein oberflächlich. Unzulänglichkeiten offenbaren sich auf den zweiten Blick: Ein Notausgangsschild führt in eine Sackgasse, die als Rumpelkammer dient.

Raj Manek, der das Indiengeschäft der Messe Frankfurt leitet, positioniert wegen der Sicherheitsmängel vor jeder Veranstaltung ein Feuerwehrauto und einen Ambulanzwagen vor dem Gebäude. „Wir setzen uns laufend dafür ein, dass die Sicherheitsbedingungen verbessert werden“, sagt er.

Indien ist wichtiges Standbein im Asiengeschäft

Vor zwei Jahren hätte es überhaupt keine gekennzeichneten Notausgänge gegeben. Das Messegelände in Mumbai bezeichnet er als „Schuppen“. Das größte Problem, sei „der Mangel an qualitativ hochwertigen Flächen“.

Die Herausforderungen von Indiens Messeplätzen hat auch Maneks Chef, Messe-Frankfurt-Geschäftsführer Wolfgang Marzin, schon persönlich erlebt: „Beim Messeaufbau mussten wir oftmals erst Affen, Hunde, Katzen und Vögel aus der Halle bringen“, sagt er. Für sein Unternehmen hat sich Indien dennoch zum wichtigen Standbein im Asiengeschäft entwickelt: Mit mehr als 20 Veranstaltungen im Jahr sind die Frankfurter die größte deutsche Messegesellschaft in Indien.

Das Wachstum ist beachtlich: 2011 lag der Jahresumsatz noch bei 1,6 Millionen Euro. In diesem Jahr erwartet das Unternehmen, erstmals die Zehn-Millionen-Marke zu überschreiten. Marzin warnt jedoch, dass fehlende Messeinfrastruktur das Wachstum der Branche gefährdet: „Mumbai könnte die dreifache Fläche brauchen.“

Die Messegesellschaften aus München, Hannover und Düsseldorf bemühten sich in den vergangenen Jahren darum, die Lösung des Problems selbst in die Hand zu nehmen. Sie bewarben sich mit ihrem Gemeinschaftsunternehmen GEC darum, ein geplantes Messezentrum in Dwarka, einer Vorstadt von Delhi, zu betreiben. In China betreibt die GEC bereits ein Messegelände in Schanghai.

Nach jahrelangen Diskussionen mit den indischen Behörden gaben die Deutschen aber auf. Auf Basis der dritten Ausschreibung beschlossen die Messegesellschaften Ende März, sich an dem Projekt nicht zu beteiligen. „Wir brauchen für unsere Baumaschinenmesse Bauma zum Beispiel ein ausreichend großes Freigelände“, erklärt Stefan Rummel, der das internationale Geschäft der Messe München verantwortet. Dies sei nicht mehr garantiert gewesen.

Nach den gescheiterten Verhandlungen fordert Thomas Schlitt, der das Indiengeschäft der Messe Düsseldorf leitet, die Regierung zum Handeln auf: „Ich würde mir wünschen, dass die öffentliche Hand die Notwendigkeit erkennt, in Infrastruktur für Messen zu investieren“, sagt er. „Im Moment besteht da noch großer Nachholbedarf.“

Es gibt allerdings auch positive Entwicklungen: Pragati Maidan, das größte Messezentrum in Neu-Delhi, wird gerade umfassend renoviert und dürfte ab 2020 eine moderne Infrastruktur bieten. Und in Mumbai baut Mukesh Ambani, der reichste Inder und Chef des Mischkonzerns Reliance, gerade ein komplett neues Veranstaltungszentrum für eine Milliardensumme. Auch Nürnberg-Messe-Chef Ottmann gibt sich heute optimistisch: „Wir sind überzeugt: Das Beste kommt erst noch.“

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