Wachstumsprobleme bei Burgerkette Hans im Glück kann auch mal Pech haben

Die Burgerkette Hans im Glück wächst schnell – doch das Controlling scheint zu schwächeln. Konflikte mit ehemaligen Geschäftsfreunden verschärfen die Lage.
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Hans im Glück: Wachstumsprobleme bei Burgerkette Hans im Glück Quelle: picture alliance / SZ Photo
Thomas Hirschberger

Der Gründer von Hans im Glück in einer Filiale mit dem charakteristischen Birken-Design. Hirschberger ist streiterprobt.

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HamburgDer Gründer von „Hans im Glück“ (HiG) ist ein Star der deutschen Gastroszene. Kaum jemand hat es geschafft, so schnell eine Kette aufzubauen. 56 Filialen gibt es bereits, regelmäßig eröffnen neue.

300 bis 500 Filialen allein in Deutschland hat Thomas Hirschberger vor zwei Jahren in einem Handelsblatt-Interview als mögliches Ziel für seine Burgerkette ausgerufen. Der Gründer hat rechtzeitig den Boom der Fleischbrötchen erkannt und mit den originellen Birkenstämmen im Laden den Zeitgeist getroffen.

Vor wenigen Wochen ist die Gesellschaft GAB Grundstücksverwaltung bei der Imbisskette eingestiegen. Offiziell, um das Wachstum zu beschleunigen. Tatsächlich jedoch könnte das Geld des Investors vor allem dazu dienen, Verpflichtungen des Eigentümers und Gründers Hirschberger zu erfüllen. Unruhe gibt es schon länger, wie eine Gesprächsnotiz beweist, die sich wie ein Krimi liest.

In der Hauptrolle: ein Unternehmensberater, der etwas zu viel Kreativität entwickelt. In vertraulichen Gesprächen habe der selbstständige Berater Gisbert Grasses die Geschäftsführer der Imbisskette überreden wollen, das Gründerehepaar Gunilla und Thomas Hirschberger herauszudrängen und selbst die Macht zu übernehmen.

„Auf die Frage, wieso Herr Hirschberger einem Verkauf zustimmen sollte, antwortete Herr Dr. Grasses, dass er zum einen durch den Kapitalbedarf unter Druck gesetzt werden kann und dass sowohl Beirat als auch Management anfangen könnten, für Unruhe zu sorgen“, heißt es in einem internen Gesprächsprotokoll aus dem Dezember 2017, das dem Handelsblatt vorliegt.

Die Hirschbergers hätten einen hohen Kapitalbedarf, der sie zum Verkauf der Mehrheit zwingen könnte, lautete demnach die Theorie des Beraters Grasses.

Die Palastrevolte blieb aus: Hirschberger konnte sich auf seine Geschäftsführer verlassen, die ihn vorwarnten. Doch die Episode lässt den Einstieg von GAB in einem seltsamen Licht erscheinen.

Viel Ärger für einen Erfolgsmenschen

Denn Hirschberger plagen Altlasten. Während sein Geschäft floriert, ist er selbst finanzielle Verpflichtungen eingegangen. Eine stammt aus dem Verkauf seiner ersten Gründung, der Cocktail-Kneipen-Kette Sausalitos.

2014 verkaufte Hirschberger die Kette, drei Jahre später warf der Käufer, ein Finanzinvestor, ihm vor, wichtige Führungskräfte abgeworben zu haben. Heraus kam ein teurer Vergleich: Hirschberger musste seinen verbliebenen Minderheitsanteil abgeben und noch draufzahlen.

Weitere Belastungen resultieren aus der Übernahme von Hans-im-Glück-Filialen, die zuvor mit Franchisenehmern und Freunden betrieben wurden. Kostspielig ist auch die Eröffnung von mehreren Filialen in Singapur – ein Renommierprojekt, das eines Tages potenziellen Investoren beweisen könnte, dass das Konzept um die urdeutsche Märchenfigur auch in Asien funktioniert.

Dazu kommen zeitraubende Konflikte, etwa mit einem früheren großen norddeutschen Franchisenehmer, der nach der Trennung im Streit die Konkurrenzkette „Peter Pane“ aufgezogen hat.

Auch von anderen Partnern der ersten Stunde, etwa in Stuttgart und NRW, trennte sich Hirschberger im Clinch – trotz Vereinbarungen zum Kauf ihrer jeweiligen Anteile. Geht es Hirschberger bei dem Verkauf von zehn Prozent der Anteile an HiG Franchise also vor allem darum, Geld in die Kasse zu bekommen?

Er selbst will sich nicht äußern, sein Unternehmen hält dagegen: „Ziel ist unter anderem, die herausragende Erfahrung der GAB im Bereich strategische Unternehmensentwicklung in den kommenden Monaten in neuen Märkten einzusetzen, weiter national und international erfolgreich und nachhaltig zu wachsen und somit den Ausbau der Marktführerschaft im Gourmet-Burger-Segment voranzutreiben“, erklärt HiG Franchise.

Wieso ausgerechnet das kleine Familiy Office GAB-Holding strategisch weiterhelfen soll, kann Hirschbergers Unternehmen kaum erklären.

Es gibt jedoch eine Verbindung zu dem dahinterstehenden Unternehmer Gerd A. Bühler, dessen Initialen der Holding ihren Namen geben: Der vermögende Gründer von Cashlife, einem Unternehmen, das in den 2000er-Jahren als Aufkäufer von Lebensversicherungen Schlagzeilen machte, ist der Vater eines der drei Geschäftsführer von Hans im Glück Franchise, Johannes Bühler.

GAB hatte Hirschberger bereits mit einem Darlehen ausgeholfen, das nun auf den Kauf angerechnet wird. Laut Pressemitteilung zahlte GAB 9,9 Millionen Euro. Seltsam dabei: Im Kaufvertrag, der dem Handelsblatt vorliegt, beträgt der Kaufpreis 6,5 Millionen Euro, wovon gut 2,5 Millionen mit dem früher gegebenen Darlehen verrechnet werden.

Hamburger: Wie lange der Boom der Fleischbrötchen noch anhält, weiß niemand. Quelle: Imago/Westend61
Hans im Glück

Hamburger: Wie lange der Boom der Fleischbrötchen noch anhält, weiß niemand.

(Foto: Imago/Westend61)

Der Kaufpreis kann allerdings nach einem Wirtschaftsprüfergutachter zum Wert des Unternehmens erhöht werden. „Wir werden der Hans im Glück Franchise GmbH jegliche Unterstützung aus unserer langjährigen Erfahrung an Unternehmensbeteiligungen wie z.B. der Orlando Management AG geben, um den Erfolgskurs des Unternehmens weiterzuführen“, teilte Bühler mit.

Laut Halbjahresbericht 2018, der dem Handelsblatt vorliegt, ist der Umsatz aller HiG-Restaurants zusammen durch Neueröffnungen um fast fünf Prozent auf 55,3 Millionen Euro gewachsen. Bereinigt um Neueröffnungen sank die Kennzahl allerdings.

23,4 Millionen dieser Umsätze stammen aus den Filialen, die Hirschberger und seinen Partnern direkt gehören, den Rest erwirtschaften Franchisenehmer. Laut dem Bericht haben Hirschbergers Filialen in dem Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum teils deutlich an Gewinn verloren. Zusätzlich gibt es jedoch auch Einnahmen aus den Verträgen mit Franchisepartnern. Zudem sind die Zahlen offenbar noch ungeprüft.

Brisante Analyse

Intern gibt es in jedem Fall einiges zu tun. Denn bei der Expansion hat das Unternehmen offenbar erhebliche Wachstumsschmerzen. Das geht aus einer Präsentation hervor, die Berater Grasses vor seinem Rauswurf verfasst hat. Darin mahnte der Berater eine „Reorganisation“ an.

„Im Finanzbereich führen die fehlenden Instrumente und Daten zu einer hohen Intransparenz und einer schwierigen Finanzierbarkeit“, warnte er in der Analyse aus dem vergangenen Dezember: „Insgesamt ist die Leistung des Rechnungswesens (intern & extern) nicht marktgerecht und mit hohen Risiken behaftet.“

Und weiter: Die „insgesamt langsame Taktung und nicht effiziente Organisation“ verhindere zeitnahe Monatsabschlüsse und die gesetzeskonforme Jahresabschlusserstellung. Auch das Finanzcontrolling sei „unzureichend wegen fehlendem Monatsreporting, formalisierter Budgetplanung, Abweichungsanalyse“.

Die Finanzierungsbemühungen seien ungeplant und reaktiv, ein längerfristiges Konzept nicht erkennbar. Insgesamt basiere die Liquidität der Gruppe auf der Erfahrung des Finanzchefs.

Grasses selbst will sich zu den damaligen Vorgängen nicht äußern. Seine Analyse ist offenbar weitgehend unstrittig. Hans im Glück Franchise teilte auf Anfrage mit: „Das Unternehmen lässt sich fortlaufend beraten, um Abläufe stetig zu verbessern. Die im Bericht von Dr. Grasses genannten Punkte treten in der Gastronomie häufig auf.

Wir haben reagiert und lassen die überarbeiteten Abläufe extern überprüfen; die ersten Ergebnisse bestätigen den Erfolg unserer Maßnahmen. So ist unter anderem ein perfektes und überzeugendes Vertragsmanagementtool über eine Sharepoint-Lösung konzipiert und installiert worden.“

Auch künftig soll Hans im Glück wachsen – etwa zehn weitere Restaurants würden 2018 eröffnen, je 20 in den kommenden Jahren, teilte HiG Franchise mit. Falls Hirschberger weitere Anteile verkaufen sollte – wie einst bei Sausalitos –, ist vorgesorgt.

Mutmaßungen über Hirschbergers Ausstieg

Der Vertrag mit GAB enthält ausführliche Regelungen für den Fall eines Verkaufs, über den einige in der Branche immer wieder Mutmaßungen anstellen. Demnach plane Hirschberger schon länger den Ausstieg, solange der Burger-Boom noch nicht vorbei ist.

Ein Ausstieg wäre einfacher ohne Verflechtung mit den Leuten der ersten Stunde, von denen sich Hirschberger getrennt hat, mutmaßt ein Insider. Doch der daraus resultierende Streit mit einstigen Freunden, die sich ausgebootet fühlen, koste viel Aufmerksamkeit, die nun dem Geschäft fehle.

Doch Hirschbergers Unternehmen wehrt sich gegen solche Vermutungen. „Die Hans im Glück Franchise GmbH übt keinen Druck zum Verkauf von Unternehmen aus“, erklärt das Unternehmen. Es gebe „keine Strategie der systematischen Übernahme von Franchisebetrieben in den Eigenbetrieb“.

Und: „Regelungen möglicher Exit-Optionen sind ein üblicher Bestandteil entsprechender Verträge“, schreibt HiG Franchise. Ein Exit komme für Hirschberger diesmal nicht infrage. Unklar ist, ob sich in der gegenwärtigen Gemengelage überhaupt ein zahlungsfreudiger Käufer finden würde.

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