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Der Werber-Rat 36 Mal pro Stunde Mails checken

Hundert Mails im Postfach, Telefonate auf drei Leitungen und nebenher noch ein Stapel Papier, der bewältigt werden will: Die moderne Arbeitswelt fordert Multitasking. Doch die Evolution hat uns darauf nicht vorbereitet.
26.08.2015 - 08:34 Uhr Kommentieren
Ein Buch lesen, nebenher E-Mails öffnen und das Telefon im Auge behalten: Parallelverarbeitung fällt dem menschlichen Gehirn schwer. Quelle: dpa
Multitasking

Ein Buch lesen, nebenher E-Mails öffnen und das Telefon im Auge behalten: Parallelverarbeitung fällt dem menschlichen Gehirn schwer.

(Foto: dpa)

Ein Säbelzahntiger bricht durchs Gebüsch – einer Ihrer frühen Vorfahren schreckt kurz hoch, entscheidet aber, zusätzlich zu dem neuen Problem auch noch weiter darüber nachzudenken, wie er eine Ihrer frühen Vorfahrinnen vielleicht doch rumkriegt und ob er seine Behausung dafür nicht etwas zeitgemäßer ausstatten sollte. Das Ergebnis: Sie lesen heute wahrscheinlich nicht nur nicht das Handelsblatt, es gibt Sie gar nicht. Die Evolution hat aus gutem Grund nur diejenigen durchkommen lassen, die sich auf das wirklich Wichtige konzentrieren konnten.

Mit abnehmender Dichte unmittelbar tödlicher Gefahren und zunehmender Dichte blinkender, summender, plingender und vibrierender Gadgets, aufpoppender Programmfenster und dringlicher E-Mail-Erinnerungen haben wir uns aber angewöhnt, viele Dinge gleichzeitig zu tun. Eine aktuelle Studie ergab, dass Büroarbeiter bis zu 36 Mal pro Stunde ihre Mails checken.

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.
Der Autor

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

Damit wir uns trotz dieses unsinnigen Verhaltens etwas besser fühlen, hat jemand dafür den Begriff „Multitaskingfähigkeit“ ersonnen – vermutlich parallel zum Erfinden der metallenen Coffee-to-go-Dauer-Schnabeltasse. Leider ist unser Gehirn aber für Parallelverarbeitung nicht verdrahtet. Deswegen leidet nicht nur die Qualität unserer Entscheidungen – wir verblöden auch immer ein bisschen mehr dabei.

Mehr Fokus und Konzentration wäre auch für manchen Marketingplan ganz gut. Wo operative Hektik längst den Plan ersetzt hat, wird parallel zu viel angefangen, als dass die Ressourcen reichten, alles auch wirklich wirksam zu machen. Dabei ist es durchaus evolutionsgerecht, viel Neues auszuprobieren. Nur nicht um den Preis der Verzettelung. Es bringt ja nichts zu wissen, dass eine Idee nicht funktioniert hat, wenn nicht klar ist, ob es nur daran lag, dass sie unterwegs verhungerte.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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