Der Werber-Rat Bröckelnde Heimatmärkte

Fußball ist stark durch Lokalitäten geprägt. Orte bilden die wichtige Klammer von der Tradition in die Moderne. Doch das kann sich irgendwann ändern. Die Frage ist: Wer erobert dann die Welt?
  • Christoph Metzelder
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Spieler aus Fernost wie Schalkes japanischer Nationalspieler Atsuto Uchida stehen hoch im Kurs. Quelle: Picture Alliance

Spieler aus Fernost wie Schalkes japanischer Nationalspieler Atsuto Uchida stehen hoch im Kurs.

(Foto: Picture Alliance)

Vereine sind untrennbar mit Regionen, Städten oder ganz konkreten Orten verbunden. Borussia Dortmund kommt vom „Borsigplatz“, Schalke 04 vom „Schalker Markt“. Diese Orte sind identitätsstiftend und bilden die Klammer von der Tradition in die Moderne. Noch heute stammt der größte prozentuale Teil der Mitglieder des FC Schalke 04 aus Gelsenkirchen.

Aber stellen wir uns einfach mal vor: Lokalität wird irgendwann egal. Das trifft dann ein, wenn der Zielmarkt nicht mehr Deutschland ist, sondern China oder Indien. Nur so viel: Manchester United hat seine Fanbasis in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Das Pikante daran ist, dass nur ein Prozent davon aus England kommt. Die Globalisierung ist im vollen Gange und macht vor dem Fußball nicht halt. Wer sportlich erfolgreich sein will, benötigt Geld. Aber wo liegt es?

Vereine wie Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim könnten bewusst auf den Heimatmarkt verzichten, weil sie hier sowieso einen schweren Stand haben und durch ihre Konzernmütter bereits international vernetzt sind. So tummelt sich Wolfsburg in den traditionell starken VW-Märkten in Südamerika.

Und Bayer Leverkusen hat sich den koreanischen Nationalspieler Heung Min Son gegönnt, der gleich mal den neuen Hauptsponsor mitgebracht hat. Generell stehen gerade die Spieler aus Fernost hoch im Kurs. Neben ihren technischen Fähigkeiten, ihrer Selbstdisziplin und einer fast teutonischen Mentalität sind sie wahre Fan-Magneten. In meinen letzten Jahren bei Schalke 04 habe ich festgestellt, dass wir neben Fußball-Legende Raul vor allem einen Superstar haben: den japanischen Nationalspieler Atsuto Uchida. Noch heute kommt säckeweise Fanpost aus Fernost – und die Homepage wurde flugs ins Japanische übersetzt.

Wolfsburg hat vielleicht keinen historischen Markt und Hoffenheim nicht mal die Straßen. Aber dann kommen die Busse eben aus den Ländern der aufgehenden Sonne, während unsere Spieler die Billboards in Shibuya schmücken. Ein interessantes Trostpflaster. Schließlich gelten Asiaten als besonders treu, gemeinschaftlich, wenig aggressiv und zu Teilen kaufkräftig. Ob das gute Kriterien für ein Fan-Dasein sind, darf dann jeder für sich entscheiden.

Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Der Ex-Fußballprofi ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

FC Bayern stürmt im Umsatz-Ranking in die Top 3
Inter Milan vs AC Milan
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Platz 15: Inter Mailand – 168,8 Millionen Euro

Inter Mailand (hier beim Derby gegen den AC Mailand im Dezember) steigt ab – zumindest in der Deloitte Football Money League. Im Vorjahr lag Inter noch bei knapp über 200 Millionen Euro Umsatz und damit auf Platz 11. Zurückzuführen ist das vor allem darauf, dass der Club nach einer wackeligen Vorsaison nur in der Europa League gespielt hat und dort im Achtelfinale ausschied. In der Liga reichte es gar nur für Platz 9 – die schlechteste Platzierung seit Anfang der 90er-Jahre.

Tottenham Hotspur vs Crystal Palace
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Platz 13: Tottenham Hotspur – 215,8 Millionen Euro

Die „Spurs“ aus Tottenham machen einen gehörigen Satz nach Vorne. Die Briten schraubten ihren Umsatz von 172 auf 215,8 Millionen Euro hoch.

Schalke 04's Szalai, Matip, Neustaedter and Boateng celebrate Matip's goal during their Champions League group E soccer match against FC Basel in Gelsenkirchen
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Platz 13: Schalke 04 – 198,2 Millionen Euro

Plus für Schalke: Die Gelsenkirchener steigen um zwei Plätze auf (Vorjahr: 174,5 Millionen Euro) – auch, weil die Königsblauen 2012/13 in die Champions League zurückkehrten. Allein die Zuweisungen der Uefa für die Spiele bis zum Achtelfinale betrugen 28 Millionen Euro: Der Wert zeigt, wie wichtig die Teilnahme in der Champions League ist. Im Bild jubeln (von links) Adam Szalai, Joel Matip, Roman Neustädter und Kevin-Prince Boateng über den entscheidenden Sieg gegen Basel, der Schalke auch in der laufenden Saison ins Achtelfinale gebracht hat.

Platz 9: Liverpool – 305,9 Millionen Euro
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Ein lukrativer Fernsehvertrag ermöglicht den englischen Klubs satte Mehreinnahmen. So konnte auch der englische Vize-Meister im Vergleich zur Saison 2012/13 seinen Umsatz um 60 Millionen Euro steigern und verbessert sich im Ranking um drei Plätze nach oben. Sportlich muss die letzte Saison den „Reds“ hingegen bereits meilenweit entfernt vorkommen: Nachdem im Ligaschlussspurt die schon fast sichere Meisterschaft hergeschenkt wurde, ist das Team derzeit nur Achter, in der Champions League schied man sang- und klanglos als Gruppenletzter in der Vorrunde aus. Und Klub-Urgestein Steven Gerrard verlässt den Verein zum Saisonende in Richtung USA.

Olympique Marseille vs Borussia Dortmund
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Platz 11: Borussia Dortmund – 256,2 Millionen Euro

Für den BVB zahlt sich die Teilnahme im Champions-League-Finale aus: Der Umsatz stieg um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr, allein die Uefa überwies 54 Millionen Euro. Den größten Anteil hat aber, wie bei deutschen Klubs üblich, der Umsatz aus dem Marketing: 109 Millionen Euro, ein Plus von einem Fünftel. Durchschnittlich kamen 79.893 Zuschauer zu BVB-Spielen – so viele wie bei keinem anderen der umsatzstärksten Klubs.

huGO-BildID: 34736287 AC Milan's forwards Mario Balotelli (L) controls the ball in front of Hellas Verona's Greek defender Evangelos Moras
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Platz 10: AC Mailand – 263,5 Millionen Euro

Der Stern des zweiten Mailänder Klubs in der Money League sinkt langsam aber stetig, 2011 stand er noch auf Platz 7, im Vorjahr auf Platz 8, diesmal büßen die Mailändern nochmal zwei Plätze ein. Damit ist der Klub auch nicht mehr Italiens umsatzstärkster Verein. In der Saison 2012/13 scheiterte Milan im Achtelfinale der Champions League, auch diese Saison treffen sie dort mit Atlético Madrid nicht unbedingt auf ein Leichtgewicht. In der Liga steht der AC (im Bild: Mario Balotelli) derzeit nur auf einem enttäuschenden 11. Platz.

Platz 10: Juventus Turin 279,4 Millionen Euro
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Juventus Turin (im Bild: Federico Peluso, Mitte), als einziger italienischer Klub in den Top 10, verliert einen Platz – bei den sprunghaften Umsatzsteigerungen der englischen Klubs kam der italienische Rekordmeister nicht mehr mit. Lediglich fünf Millionen mehr im Vergleich zur Saison 2012/2013 reichen für Juventus nicht, um Platz 9 in der Money League zu verteidigen. Immerhin, in der heimischen Liga läuft es für den klaren Tabellen-Ersten der Serie A rund, in der Champions League steht man im Achtelfinale – und trifft dort auf Borussia Dortmund.

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