Der Werber-Rat Frau Wulff und das PR-Gewitter

Mit „Jenseits des Protokolls“ wollte Bettina Wulff ihrem Image einen Sympathieschub verpassen. Doch die PR-Strategin hat sich von den falschen PR-Strategen beraten lassen. Dabei hätte alles so einfach sein können.
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Das Buch von Bettina Wulff „Jenseits des Protokolls“. Quelle: dpa

Das Buch von Bettina Wulff „Jenseits des Protokolls“.

(Foto: dpa)

Der Schuster hat immer die schlechtesten Schuhe, sagt der Volksmund. Insofern ist es kein Wunder, was Bettina Wulff, Chefin der gleichnamigen PR-Beratung, gerade widerfährt. Vermutlich wird kein Unternehmen dort in absehbarer Zeit eine seriöse PR-Strategie in Auftrag geben. Dabei ging alles so schön los.

Dachte man zuerst, nur ihr Ehemann sei ein Hasardeur im Umgang mit den Medien, zeigt sich nun: Die ehemalige First Lady steht ihrem Gatten in nichts nach. Sie reichte zwei publikumswirksame Klagen ein, eine gegen Deutschlands TV-Liebling Günther Jauch, die zweite gegen den Weltkonzern Google, gab vier Exklusivinterviews, bekam drei Bild-Titel und Berichte hoch und runter in allen Medien. Ein PR-Feuerwerk der Extraklasse und bis hierhin ein klarer Anwärter auf den Deutschen PR-Preis 2012.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Selten zuvor hat ein Buch inklusive seiner Autorin so viel Aufmerksamkeit bekommen. Allerdings: Selten zuvor hat ein Buch vorab so vernichtende Kritiken bekommen und selten war durch zu viele Zitate daraus so schnell klar, dass da gerade ein ganz dünnes Süppchen erhitzt wird. Frau Wulff hat das PR-Gewitter zwar nicht erdacht, aber sie hat mitgemacht, was der umtriebige Riva-Verlag geplant hat. Dem Buch hat es geholfen (es liegt in den Media-Control-Charts auf Platz eins), Frau Wulff eher nicht. Statt des erhofften Image-Sonnenscheins zog ein Gewitter über ihr auf. Der erhoffte Sympathieschub fiel gegenteilig aus, statt Verständnis schlagen ihr Ablehnung und Häme entgegen.

Und hatten vorher nur wenige Deutsche von ihrer angeblichen Rotlichtvergangenheit gehört, so dürften jetzt alle davon wissen. Dem Verlag kann's egal sein. Das Buch wird sich verkaufen, weil die Menschen - ganz gleich ob positive oder negative Presse - neugierig sind und gierig nach Tratsch.

Dass die Autorin jetzt TV-Auftritte und Lesungen absagt, sorgt für Gesprächsstoff und wird dem Absatz nicht schaden. Frau Wulff hingegen schon. Denn die alte Regel "Negative Presse ist auch Presse" mag für die Vermarktung eines Buches gelten. Zur Verbesserung des eigenen Images taugt diese Strategie nicht. Dabei hätte alles so einfach sein können. Alle Großunternehmen haben soziale Engagements und suchen immer nach gut bezahlten Prominenten, um die guten Taten ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Ein Job wie gemacht für die Gattin eines ehemaligen Bundespräsidenten. Genau das hätte ihr jeder anständige PR-Berater als Betätigungsfeld empfohlen.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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12 Kommentare zu "Der Werber-Rat: Frau Wulff und das PR-Gewitter"

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  • Mich erschreckt vor allem die durchweg negative, hämische und zum Teil verzerrende Berichterstattung über den vollkommen berechtigten Versuch von Frau Wulff, mit der übelsten Verleumdungskampagne, mit der je eine Politikerehefrau in diesem Land konfrontiert wurde, umzugehen. Nicht Frau Wulff jetzt, sondern seinerzeit Herr Jauch war es, der das infame Internetgerücht - natürlich nur als Andeutung und "Zitat" - in die breitere Öffentlichkeit gezerrt hat. Juristisch und logisch vollkommen nachvollziehbar auch gegen ihn rechtliche Schritte einzuleiten. Übrigens sind alle von Bettina Wulff bisher eingeleiteten juristischen Schritte in dieser Sache erfolgreich und kein einziger Blogger, Verlag oder Journalist hat auch nur den Hauch eines Beweises liefern können. Dass der Verlag dies für die Veröffentlichung des Buches nutzt, regt mich keineswegs auf. Soweit ich das mitbekomme, sind jeder Verlag und die meisten Autoren mehr als bemüht ihre Nasen in jede verfügbare Kamera, Talkshow, etc. zu stecken, sobald die Veröffentlichung eines Buches ansteht. Aber wehe, wenn das bei den vermeintlichen "Gierhälsen der Nation" genauso gemacht wird. Mich lässt bei all dem der Verdacht nicht los, dass es weiten Teilen der Presse einfach nicht zusagt, wie sie und ihre Rolle - sowohl was die Anschuldigungen gegen C. Wulff als auch die frei erfundenen Gerüchte über B. Wulff angeht - im Buch "Jenseits des Protokolls" wegkommen. Anscheinend ist man nicht bereit einzustecken, was man sonst so gerne an andere austeilt und was diese dann auch noch möglichst brav und treudoof erdulden sollen... ganz schön armselig!

  • Unsinn, weder werde ich das Buch kaufen (weil es einfach zu schlecht ist), noch diese schäbige Antikampagne dulden.
    Und die Häme die sie an den Tag legen ist mehr als bedenklich.
    Offensichtlich nichts verstanden! Es geht gerade darum, sich weder für die eine noch die andere Seite vor dne Karren spannen zu lassen.

    H.

  • interessant, dass Handelsblatt noch über dieses Buch jetzt schreibt; war das nicht ein "Thema" der letzte Woche?
    Nachrichten von gestern will keiner mehr lesen. Wenn jemand meint, er braucht dieses Buch zu lesen, soll er es kaufen, oder sein lassen.
    Dass die Frau Wulff damit kein Gefallen getan hat, dass bereut sie jetzt bestimmt schon, sonst hätte sie nicht alle Termine abgesagt. Tja, eine PR-Frau, ich weiss es nicht... ein Uni-Abschluss hat sie nicht
    aber, wissen Sie, die Leute sind unheimlich schnell, wenn es darum geht, andere zu kritisieren

  • Die Medienhetze davor war halt ein bisserl kontraproduktiv – das ungewollte Ergebnis: Platz 1
    Anscheinend gibts jede Menge Leute, die keine borniert dümmlichen oder rufmördernden Postings schreiben, sondern schweigend das Buch kaufen. Womit SIE ihre Zielgruppe - fern von jedem hohen Anspruch auf "Literatur" - doch erreicht hätte ....
    :-)
    Ohne Erlaubnis des Journalistenverbandes und entgegen allen säuerlich besserwissenden Vorhersagen unserer wichtigen Medienexperten (wie Konken und Kocks), die weiter fest auf sie hingematscht haben.

    Wenn sie gegen GOOGLE gewinnen will, hat sie bis jetzt alles richtig gemacht. Je größer der Wirbel – desto besser sind ihre Chancen.

    *rofl*

  • Verstehe ich nicht - wieso falsch. Die Dame ist in der Presse und das Buch somit auch. Und was in der Presse ist, verkauft sich. Alles richtig gemacht...

    Ich halte die Eheleute Wulff für so intelligent, dass sie sich die Reaktionen der Öffentlichkeit schon denken konnten. Aber was ist schon ein bisschen Geradlinigkeit und "Guter Ruf" gegen eine Aufbesserung des so genannten Ehrensolds.

  • ob es wirklich Idioten gibt, die dieses Buch kaufen? Dann ist niemand mehr zu helfen. Die Wulffs haben anscheinend gelogen, das sich die Balken biegen und wollen jetzt noch einmal mit einem blöden Buch Geld verdienen?

  • Unsere Hochachtung und Respekt empfinden wir für die Vorgänger der Wulffs und dem gegenwärtigen Bundespräsidenten Gauck nebst Familien.

    Für die Wulffs empfinden wir geheucheltes Mitleid.

    Wie tief man sinken kann, demonstriert dieser Menschenschlag, der sich mit seinesgleichen umgibt anschauungsvoll. Leider wird uns vermutlich auch künftig einiges nicht erspart bleiben.

    Das Buch werden wir weder kaufen noch lesen. Vermutlich hat es auch nur einen geringen Brennwert und ist damit auch nicht mal zum Heizen geeignet.

  • @hermann.12: gaaaanz ruhig: sie sollen sich ja aufregen, und dann am besten das Buch kaufen. Das ist der Sinn dieses Artikels. Sonst gehts um nichts. Erst recht nicht um Wahrheit.
    Denken Sie daran, die W.können das Geld gut gebrauchen, die Rente reicht vielleicht nicht. Also los, schön kaufen gehen.

  • Glaubt der Autor wirklich, was er da schreibt?
    Frau Wulff kommt auch wegen einiger Ungeschicklichkeiten in ihrem Buch schlecht an. Der ursprügliche Vorwurf der Verleumndung ist aber weder entkräftet noch unwahr.
    Wie tief und schäbig müssen wir eigentlich noch herabsinken, das Dummheit Betroffener eine Entschuldigung für Verleumndung sein darf.
    Diejenigen, die Frau Wulff jetzt genüßlich ausweiden, sind doch das das eigentliche Problem!
    Ihnen geht jeder Skrupel ab, wenn der Anschein erweckt wird, es würde die richtigen Treffen.
    So hat sich dereinst die katholische Inquisition betätigt und nicht wenige werfen dass der kirche biss heute vor. Dabei ist es immer die Gesellschaft als Ganzes die für soetwas verantwortlich zeichnet, wenn sie solches Agieren zulässt.
    Egal ob Frau Wulff es verdient hat oder nicht, dieser Rückfall um 400 Jahre Rechtskulturgeschichte ist beschämend primitiv.
    Aber wir haben wohl nichts besseres Verdient, als Bankster, Journalisten und Politiker diesen Kalibers, wenn Prinzipien hinter Interessen, Neid und Rachsucht zurückstehen müssen.
    Soll sich keiner beklagen über den Verfall an Moral, selbst nicht beim Ehepaar Wulff, solange wir soetwas dulden.

    H.

  • Bettina Wullf wehrt sich gegen die Schmutzkampagne.
    Damit hat sie recht.
    Ihr Mann war gegen den ESM und wurde deshalb schändlichst von der Regierung und den speichelleckenden Journalisten aus dem Amt gedrängt.

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