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Der Werber-Rat Paderborn und der Effe-Coup

Stefan Effenberg übernimmt den SC Paderborn in einer schwierigen Lage. Sein Trainerdebüt hat viele verwundert. Ausschlaggebend für sein Engagement war allerdings weniger sein Talent als sein Charakter.
16.10.2015 - 16:38 Uhr
Stefan Effenbergs Engagement beim Zweitligisten SC Paderborn gilt als Coup. Quelle: dpa
Erstes Training beim SC Paderborn

Stefan Effenbergs Engagement beim Zweitligisten SC Paderborn gilt als Coup.

(Foto: dpa)

Mit dem Satz „Effe, du bist ein Charaktertyp, sonst wärest du heute nicht hier“ leitete ein Journalist seine Frage bei der Pressekonferenz zum überraschenden Einstieg von Stefan Effenberg als Cheftrainer beim Zweitligisten SC Paderborn ein. Und unterstreicht damit beiläufig, aber sehr pointiert, die Bedeutung von Marken – auch als Fußballtrainer.

Effenbergs Debüt als Cheftrainer gilt als Sensation – aber noch interessanter ist der Hintergrund. Paderborns Präsident Wilfried Finke setzt in einer extrem prekären Situation des Bundesliga-Absteigers auf einen Trainer ohne jegliche Erfahrung. Seit dem Abschluss seiner DFB-Trainerlizenz im Jahr 2012 lauerte der "Tiger" auf seine Bewährungsprobe. Der SC Paderborn verpflichtet jedoch nicht nur den Trainer-Neuling Effenberg, sondern auch die etablierte Marke Effe.

Durchsetzungsstark, pragmatisch, lautstark: Der „Tiger“ hat Ecken und Kanten. Es sind nicht nur seine kompromisslose Spielweise auf dem Platz und seine gelegentlichen Regelbrüche, sondern auch seine klaren Haltungen als Experte im Fernsehsender „Sky“ und bei Gastauftritten in Formaten wie „Hart aber fair“, die Effenberg als Marke Kontur geben – und für Paderborn in einem Zustand der Orientierungslosigkeit zur logischen Wahl machen.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Sicher: Marken ersetzen keine Fachkompetenz. Aber sie erweitern das Profil. Und das klare Profil, eben keiner von den modernen „Laptop-Trainern“ zu sein, gibt Effenberg die Chance zu beweisen, dass er nicht nur ein großer Spieler, sondern auch ein großer Trainer ist. Die Reizfigur Effenberg polarisiert – aber wer einige Menschen gegen sich aufbringt, findet auch andere, die sich hinter einem versammeln. Effenbergs Verpflichtung ist daher kein Marketingcoup eines Klubs mit Underdog-Image. Es ist eine bewusste und auch eine mutige Entscheidung für eine Marke.

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    Der Autor: Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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