Der Werber-Rat Spieltrieb

Videokanäle sind längst ein zentrales Instrument für die Werbeindustrie. Deshalb kauft Amazon die Videoplattform Twitch. Der-Onlineriese will seine Kunden noch gezielter umgarnen.
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Daddeln bis der Arzt kommt: Auf der Videoplattform Twitch kann man den Gamern beim zocken zuschauen. Amazon wittert hier das große Geschäft. Quelle: dpa

Daddeln bis der Arzt kommt: Auf der Videoplattform Twitch kann man den Gamern beim zocken zuschauen. Amazon wittert hier das große Geschäft.

(Foto: dpa)

Zugfahrten bilden. Man erfährt beispielsweise viel über die Macht der deutschen Spartengewerkschaften – wie vor einer Woche, als die Lokführer mal wieder den Bahnverkehr ausgebremst haben und zeigten, was sie von den Bahnkunden eigentlich halten: wenig bis nichts. Oder man lernt verstehen, weshalb der Internetversender Amazon eine knappe Milliarde US-Dollar auf den Tisch gelegt hat, um die Internet-Videoplattform Twitch zu übernehmen.

Mitte August in Köln. Wer mit dem Zug über den Rhein zum Hauptbahnhof fuhr, konnte viele Zehntausend junge Menschen sehen, die zu den Messehallen liefen. Sie alle drängten zur Computerspielmesse Gamescom, um die neuesten Spielekonsolen und Videospiele auszuprobieren. In vier Tagen waren es mehr als 300.000 Gamer. Für viele Unternehmen und damit auch für die Werbebranche eine ziemlich interessante Zielgruppe. Auch, weil auf der Gamescom ein bemerkenswerter Trend sichtbar wurde: Gamer spielen die Spiele nicht mehr nur nach Abläufen, die von den Herstellern vorgegeben sind. Gamer programmieren und bauen ihre eigenen Level, daddeln darin und stellen den Spielverlauf dann stolz auf Youtube oder eben auf Twitch. Weil es das Ego streichelt.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Aus Konsumenten werden so engagierte Produktentwickler, sie tauchen tief in den Spielkosmos ein, eignen sich die Videogames an, verbessern und erweitern sie und bleiben damit dem Spielehersteller loyal. Spieler und Spiel gehen, jedenfalls für eine gewisse Zeit, eine Symbiose ein. Eine tolle Situation für die Unternehmen. Ein Traum auch für jeden Konsumgüter-Hersteller. Und eine tolle Vorlage für kreative Werber, die authentische Geschichten erzählen wollen.

„Das kostet ’n Arsch voll Kohle, aber lohnt sich.“
Online einkaufen
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Qualität von Onlineshops

Das Institut für Handelsforschung (IFH) und der Logistiker Hermes befragten 10.248 Konsumenten zur Qualität von Onlineshops. Bei jedem der 105 Onlineshops aus 13 Branchen wurden rund 100 Kunden kontaktiert. Die Studie bildet die Grundlage für den Deutschen Online-Handels-Award, der am Mittwoch auf dem vom Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt veranstalteten Kongress "Online-Handel 2014" vergeben wurde.

Bewertung: Um die Zufriedenheit der Kunden zu ermitteln, wurden diese beispielsweise gefragt, wie sie Webseitengestaltung, Benutzerfreundlichkeit, Sortiment, Preis-Leistungs-Verhältnis, Service, Bezahlung sowie Versand und Lieferung beurteilen.

Den vollständigen Artikel aus dem Handelsblatt mit zahlreichen Grafiken finden Sie im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Panorama Berlins.Oliver Panorama Berlin trade fair
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Platz 10: s.Oliver

Mode boomt im Netz, das zeigt die IFH-Studie. Erstmals ist Mode vor Büchern und digitalen Medien die Warengruppe, die am häufigsten im Internet gekauft wird. Auch geben die Deutschen immer mehr Geld online für T-Shirts und Hosen aus. "Der Modemarkt im Netz wird in Zukunft noch stärker beackert", so IFH-Leiter Hudetz.

Strauss
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Platz 9: Strauss Innovation

Händler wie Strauss Innovation mit Läden und Onlineshop kämpfen an mehreren Fronten: Denn bei jedem Euro, der vom Geschäft ins Internet wandert, sinkt die Flächenproduktivität - selbst wenn dieser im eigenen Onlineshop landet, sagen Experten. Jedes Produkt, das im Laden verkauft wird, muss also eineinhalb Vertriebskanäle finanzieren.

(Bild: Screenshot Homepage)

Deichmann
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Platz 8: Deichmann

Die Deutschen bestellen im großen Stil Schuhe im Internet. Davon profitiert auch der Anbieter Deichmann, der mit Zalando einen starken Gegenspieler im Netz hat. Allerdings hat es Zalando nicht in die Top-Ten der beliebtesten Online-Shops geschafft.

huGO-BildID: 14774105 Globetrotter, Köln
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Platz 7: Globetrotter

Auch klassische Einzelhändler wie der Outdoor-Ausrüster Globetrotter holen im Netz stark auf. Das beweist: Der Händler, der das Onlinegeschäft ernst nimmt und nicht als notwendiges Übel betrachtet, hat auch im Netz Chancen.

Javari
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Platz 6: Javari

Nie gehört? Javari ist ein Ableger aus dem Hause Amazon und hat sich auf den Online-Verkauf von Schuhen spezialisiert.

(Bild: Screenshot Homepage)

Fressnapf
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Platz 5: Fressnapf

Wer viel Geld in die Hand nimmt, hat gute Karten im E-Commerce. Vor gut einem Jahr brachte es Torsten Toeller, Gründer und Chef von Fressnapf, auf den Punkt: "Ein Onlineshop reicht nicht, wir müssen das ganze Unternehmen digitalisieren. Das kostet ’n Arsch voll Kohle, aber lohnt sich."

(Bild: Screenshot Homepage)

Womit ich wieder bei Twitch bin. Für Amazon ist der Kauf die bislang größte Investition – aber eben eine, die zu dem expandierenden Internet-Kaufhaus passt. Twitch ist für Amazon und die Werbebranche ein weiterer, global stark wachsender Kanal für personalisierte und zielgenaue Werbung. Wobei das Twitch-Prinzip eigentlich nicht neu ist. Dort schauen sich Hunderttausende Spielefans an, wie Top-Gamer sich durch ihre Videospiele kämpfen. Und kommentieren das zeitgleich und wortreich im Netz. Wie samstags im Bundesliga-Stadion.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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