Der Werber-Rat Vom FC Bayern zum FC Global

Das lange Warten für alle Fußball-Fans hat ein Ende: An diesem Wochenende ertönt endlich der Startschuss zur Saison 2015/2016. Veränderungen zur neuen Spielzeit gibt es einige – und sie sind nicht nur personeller Natur.
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Arturo Vidal (l.) war der teuerste Bundesliga-Transfer in der Sommerpause – mit ihm möchte der FC Bayern und Trainer Pep Guardiola (r.) auch international ganz nach oben. Quelle: dpa
Arturo Vidal

Arturo Vidal (l.) war der teuerste Bundesliga-Transfer in der Sommerpause – mit ihm möchte der FC Bayern und Trainer Pep Guardiola (r.) auch international ganz nach oben.

(Foto: dpa)

Heute startet die Bundesliga in ihre 53. Saison. Damit geht die Vorbereitungsphase vorbei, die sportlich wenig Aufschluss gibt. Gut zu beobachten sind jedoch die kommunikativen Marschrouten für die Saison. Kommunikation im Sport ist heute meistens vor allem eins: Erwartungsmanagement!

Manche dämpfen bewusst Euphorie, um die Fallhöhe gering zu halten. Andere, wie der VfL Wolfsburg, zeigen eine offensivere Haltung, um von Anfang an mehr Begeisterung zu wecken. Gladbach setzt weiter auf Understatement: Nichts muss, aber alles geht.

Mit Thomas Tuchel blickt die Welt auf ein Comeback des BVB. Die Hoffnung ist groß, dass der Markenkern Intensität und „Echte Liebe“ wieder befüllt wird. In Gelsenkirchen wird ein kompletter Relaunch für ein „neues“ Schalke erwartet.

Wie ist die Form? Welches Team hat Sorgen?
FC Bayern München
1 von 18

Wie ist die Form? Schwer zu sagen. Die Pokal-Leistung bei Fünftligist Nöttingen war mau.

Was bereitet Sorgen? Dass es wieder nicht für das Champions-League-Finale reicht.

Zahl der Saison? 4 – viermal in Serie deutscher Meister war noch keine Mannschaft

Spruch der Vorbereitung? „Der FC Bayern München wird auch ohne Pep Guardiola weiteratmen“ (Sportvorstand Matthias Sammer).

Ziel der Saison? Mailand. (28. Mai 2016, Endspiel der Champions League). Neuzugang Arturo Vidal soll dazu beitragen.

Am Ende wird es: In der Bundesliga Platz eins.

VfL Wolfsburg
2 von 18

Form? Gut, auch weil Neuzugang Max Kruse bereits gut integriert scheint.

Sorgen? Kevin de Bruyne könnte doch noch den Verlockungen des Geldes erliegen und den Verein verlassen.

Zahl? 99,9 - so hoch beziffert Klaus Allofs seit Wochen die Prozentzahl, mit der de Bruyne beim VfL bleibt. Ob es bis zur 100 reicht, werden die kommenden Wochen zeigen.

Spruch? „Für Tage wie heute arbeiten wir als Fußballer“ (Trainer Dieter Hecking nach dem Sieg im Supercup gegen die Bayern).

Ziel? Bereit sein, wenn die Bayern schwächeln, ist das offizielle Motto. Spannend wird zu sehen sein, wie die Wolfsburger die Spiele in der Champions League verkraften.

Prognose? Platz zwei – hinter den Bayern.

Borussia Mönchengladbach
3 von 18

Form? In der Vorbereitung ungeschlagen. Im Pokal bei St. Pauli erst am Ende stark.

Sorgen? Die Champions League könnte Fans, Verein und Spielern den Kopf verdrehen.

Zahl? 37 – nach so vielen Jahren spielt Gladbach wieder in Europas Beletage.

Spruch? „Natürlich kann er die Bayern trainieren, er kann jeden Verein auf einem Top-Niveau trainieren“ (Sportdirektor Max Eberl über Lucien Favre).

Ziel? Offiziell ein einstelliger Platz, Europa sollte es aber wohl schon werden.

Prognose? Rang fünf bis sieben – für die Champions League reicht es nicht.

Bayer Leverkusen
4 von 18

Form? Bayer hat noch deutlich Luft nach oben, im DFB-Pokal reichte eine Durchschnittsleistung in Lotte.

Sorgen? Die Verletzung von Innenverteidiger Ömer Toprak.

Zahl? 12 – so viele Millionen Euro kostete der chilenische Neuzugang Charles Aránguiz)

Spruch? „Hauptsache keiner ist verletzt“ (Geschäftsführer Michael Schade).

Ziel? Champions-League-Teilnahme.

Prognose? Platz vier.

FC Augsburg
5 von 18

Form? Gut, aber ausbaufähig.

Sorgen? Die Dreifachbelastung – der FC Augsburg spielt erstmals Europa League.

Zahl? 30 – so viele Millionen könnte der Transfer von Abdul Rahman Baba zum FC Chelsea am Ende Wert sein.

Spruch? „Mein Weg hier ist noch nicht zu Ende“ (Der von anderen Klubs umworbene Trainer Markus Weinzierl).

Ziel? Nicht absteigen.

Prognose? Rang zehn bis zwölf.

FC Schalke 04
6 von 18

Form? Das 5:0 gegen Duisburg im Pokal ließ aufhorchen. Der Neustart unter Offensiv-Verfechter André Breitenreiter könnte glücken.

Sorgen? Zwei Niederlagen in Folge, und alles wird mal wieder infrage gestellt.

Zahl? 30 – so viele Millionen forderte Schalke von Juventus Turin für Julian Draxler. Und bekam sie nicht.

Spruch? „Ich verspreche 1,69 Meter Arbeit, 1,69 Meter Einsatz, 1,69 Meter Leidenschaft, zusammengefasst: 1,69 Meter Schalke“ (Horst Heldt in Anspielung auf das gegen ihn gerichtete Fan-Plakat „169 cm Inkompetenz“).

Ziel? Ruhe, Ruhe, Ruhe. Und vielleicht zurück in die Königsklasse.

Prognose? Schalke lebt wieder: Platz fünf.

Borussia Dortmund
7 von 18

Form? Der BVB gewann alle drei Pflichtspiele, hat aber unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel noch Luft nach oben.

Sorgen? Dass Dortmund ohne Jürgen Klopp nur noch ein ganz normaler Verein ist.

Zahl? 55.000 – so viele Dauerkarten verkaufte der BVB, erneut Liga-Höchstwert. Drei davon erhielt Klopp als Geschenk.

Spruch? „Bei Bayern kannst du nicht so viel falsch machen. Meister werden die sowieso“ (Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke).

Ziel? Es sagt zwar niemand, aber: Champions League.

Prognose? Platz zwei oder drei.

Die radikalste Neu-Positionierung verlief jedoch in kleinen Schritten und besitzt gleichzeitig die größte Tiefe: Beim FC Bayern erleben wir die Evolution vom „FC Deutschland“ zum „FC Global“. Unter Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wird der Verein zur Weltmarke geformt.

Auf die Verpflichtung eines internationalen Trainers folgte eine neue Philosophie in der Transferpolitik. Während Jahrzehnte das Credo galt, die besten deutschen Spieler zu verpflichten, ist jetzt alles auf Globalisierung ausgerichtet.

Nationalspieler wie Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger sind weg, und auch Mario Götzes Zukunft ist ungewiss. Stattdessen waren mit Arturo Vidal und Douglas Costa zwei südamerikanische Spieler die Toptransfers des Sommers.

Starke Markenführung heißt: sich selbst treu bleiben und trotzdem mit der Zeit gehen. Von seiner Identität abzukehren ist ein riskanter Schritt für jede Marke. Sich dem Zeitgeist zu verwehren birgt aber noch größere Gefahren. Es wird viel Konsequenz von allen Entscheidern brauchen, um diesen Weg zu gehen. Und auch gutes Erwartungsmanagement.

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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