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Der Werber-Rat Werteunion?

Gibt es in den 27 Mitgliedstaaten der EU wirklich eine Werteunion? Wer für europäische Werte werben will, muss die Finanzwirtschaft vom hohen Ross holen und wieder zum Dienstleister machen.
22.04.2013 - 09:00 Uhr Kommentieren
Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Die europäische Währungsunion hat Glanz verloren. Politischer Glanz war eingepreist. Dafür ließ man ökonomische Naturgesetze in der Schublade. Die bringen sich in Erinnerung. Man kann "Währungsunion" nicht spielen. Geld bildet wirtschaftliche Zustände ab. Es schafft sie nicht.

Da bleibt die europäische Werteunion. Sie ist das "ceterum censeo" in allen Talkshows. Sie ist der moralische Rettungsschirm, der uns über die ökonomische Unwirtlichkeit hinwegtrösten soll.

Ist nicht auch sie Illusion? Gibt es in den 27 Mitgliedstaaten wirklich wirksam den familiären Grundkonsens? Sind die Errungenschaften der Aufklärung "Demokratie, unabhängige Justiz, Pressefreiheit, Menschenrechte" gesicherte Überzeugung, oder spielen wir "Werteunion"?

Lauern unter der Oberfläche europäischer Sonntagsreden nicht sprungbereit nationaler Egoismus, autoritärer Wille zur Macht, gelenkte Justiz, Unterdrückung von Opposition bis hin zu populistischer Stammtischpolitik?

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    Man muss nicht nur in Richtung neue Mitglieder blicken. Auch in Stammländern der Union ziehen Ideologen und Demagogen ihre Krallen aus dem Schlamm und finden signifikante Zustimmung. In vielen neuen Mitgliedstaaten scheiterte nach der Wende seriöse und freie Presse. Die alten Garden tauchten kurz ab, um bald schon in Seilschaftsstärke die zarten Pflänzchen einer offenen Bürgergesellschaft sturmreif zu trommeln.

    Aber Vorsicht! Die sozialen Unruhen der nahen Zukunft haben ehrenwerte Gründe. Wie soll eine junge Generation an europäische Werte glauben, wenn sie zur Rettung von Banken und Spekulanten auf eine würdige Gestaltung ihres einzigen Lebens verzichten muss? Jugendarbeitslosigkeit von 25 Prozent ist nicht integrierbar. Sie führt zum kollektiven Trauma.

    Wie verlässlich ist also eine nur "beschworene" Werteunion, wenn sie von der moralischen "Produktivkraft" und "Realwirtschaft" der Völker nicht gedeckt ist? Wer für europäische Werte werben will, muss die Finanzwirtschaft vom hohen Ross holen und wieder zum Dienstleister machen. Deren Verhalten hat geschafft, was kommunistische Agitatoren seit 1945 nicht schaffen. Der Kapitalismus ist in der Legitimationskrise und damit dieses Europa.

    Der Autor:

    Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

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