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Whitbread Britischer Hotelriese will Deutschland „im Sturm erobern“

Der milliardenschwere Whitbread-Konzern attackiert Motel One und Ibis – mit eigenen Immobilien, der Marke „Premier Inn“ und einer ungewöhnlichen Strategie.
06.07.2020 - 16:55 Uhr Kommentieren
Die britische Hotelmarke expandiert rasant in Deutschland. Quelle: Whitbread
Premier Inn

Die britische Hotelmarke expandiert rasant in Deutschland.

(Foto: Whitbread)

Düsseldorf Von britischem Understatement hält der im Londoner Börsenindex FTSE 100 gelistete Gastronomiekonzern Whitbread wenig. Wer auf die Investorenseite des 1742 als Brauerei gegründeten Unternehmens klickt, dem tönt bereits per Lautsprecher die Ansage entgegen: „We are ready to take the german hotel market by storm“ – den deutschen Hotelmarkt werde man im Sturm erobern.

Der Coronakrise zum Trotz bestärkte Vorstandschefin Alison Brittain vor wenigen Tagen noch einmal ihre Pläne: 300 Hotels mit 60.000 Zimmern seien für Deutschland geplant, erklärte sie bei der Vorlage der Geschäftszahlen. 53 Häuser hat sich Whitbread vertraglich gesichert, 19 weitere sind schon eröffnet. Damit scheinen bereits jetzt 10.000 Zimmer im festen Budget.

Sie alle sollen den Markennamen „Premier Inn“ tragen, der schon heute über gut 800 Herbergen im Heimatland thront. Dass der Name hierzulande nahezu unbekannt ist, während ihn in Großbritannien 95 Prozent kennen, stört Brittain dabei wenig. „Wir wollen der größte Betreiber von Budget-Hotels in Deutschland werden“, gibt sie sich kämpferisch. Zum Vergleich: Wettbewerber Ibis kam hierzulande zuletzt auf rund 20.000 Zimmer, Motel One auf 14.000 und B&B Hotels auf 12.500 Unterkünfte.

Nicht nur die blitzartige Expansion der Briten ist ungewöhnlich, die Strategie ist es erst recht. „Wo es möglich ist, erwerben wir die Immobilien mit im Paket“, kündigt Premier-Inn-Manager Michael Hartung, der in Deutschland für das Roll-out verantwortlich ist, gegenüber dem Handelsblatt an.

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    Der gebürtige Hamburger, ehemals Immobilienmanager bei Bilfinger und Metro, hofft in der Coronakrise auf einen Käufermarkt. „Noch gibt es auf der Verkäuferseite bei den Preisen kein Entgegenkommen“, beobachtet er. „Bis zum Jahresende könnte sich das aber gründlich ändern.“

    Dass die Pandemie-bedingten Geschäftseinschränkungen zahlreiche Hoteliers in die Knie zwingt und somit den Schnäppchenmarkt flutet, erwarten auch andere. „Für den Herbst rechnen viele mit einer Pleitewelle“, fasste vor wenigen Tagen das Fachblatt „Immobilienzeitung“ die Stimmung unter den Hotelbetreibern und Projektentwicklern zusammen.

    Reiner Nittka, Vorstandssprecher des Berliner Hotelentwicklers GBI, verweist in diesem Zusammenhang auf die Zurückhaltung der Banken, wodurch Engpässe bei der Finanzierung drohten. Es werde insbesondere bei solchen Hotelentwicklern zu Ausfällen kommen, die ihre Projekte auf der Grundlage der hohen Verkaufspreise und Pachten des Vorjahres kalkuliert hätten.

    Expansion im Geheimen

    Der britische Whitbread-Konzern, der das soeben beendete Geschäftsjahr 2019/20 mit 2,1 Milliarden Pfund Umsatz und einem Nettogewinn von 218 Millionen Pfund abschloss, hat dagegen für den Sturm auf Deutschland kräftig vorgesorgt.
    Schon vor zwei Jahren veräußerte er seine Cafékette Costa Coffee an Coca-Cola, um mit den 5,1 Milliarden Dollar Verkaufserlös seine Kredite zu tilgen.

    In der Coronakrise bediente man sich beim staatlichen Hilfsprogramm CBIL, vereinbarte zusätzlich mit dem eigenen Bankenkonsortium eine Ausweitung der Kreditlinien, kappte die Managementgehälter und strich die Dividende. Whitbread besitze Cash über 503 Millionen Pfund und eine ungenutzte Fazilität über weitere 950 Millionen, gab Vorstandschefin Brittain Ende Mai bekannt. Am 10. Juni verkündete ihr Konzern darüber hinaus, man habe eine Kapitalerhöhung über eine Milliarde Pfund erfolgreich platziert. Das Hauptziel dabei: die Expansion nach Deutschland.

    „Wir wollen der größte Betreiber von Budget-Hotels in Deutschland werden“ Quelle: whitbread
    Whitbread-Chefin Alison Brittain

    „Wir wollen der größte Betreiber von Budget-Hotels in Deutschland werden“

    (Foto: whitbread)

    Die verlief bislang allerdings fast im Geheimen. Das erste Hotel in Frankfurt eröffnete im Frühjahr 2016, 2019 folgten zwei weitere Häuser in München und eines in Hamburg.

    In diesem Jahr geht es hingegen Schlag auf Schlag. 13 Häuser der Marke Holiday Inn Express übernahm Whitbread im März von der Berliner Foremost Hospitality. Diese waren nun einige Wochen geschlossen, um sie für die Marke „Premier Inn“ umzubauen. Inklusive weiterer Zukäufe sollen bis Anfang 2021 insgesamt 21 deutsche Häuser in Betrieb sein, darunter in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Essen, Freiburg, Heidelberg, Köln, Leipzig, Nürnberg und Stuttgart.

    „Wir haben uns im ersten Schritt auf Zentrallagen fokussiert“, berichtet Expansionschef Hartung, „künftig wollen wir aber auch in kleinere Städte expandieren.“ Einziger Vorbehalt: Geplant sind die Standorte ausschließlich für Businesskunden. „Feriendomizile wird es vorerst nicht geben“, sagt Hartung.

    Hotelportale will sich Whitbread sparen

    Das allerdings macht die Lage zumindest während der Coronakrise nicht leichter. Aktuell sind deutsche Ferienhotels zu rund 60 Prozent belegt, Businesshotels dagegen müssen sich wegen der ausbleibenden Geschäftsreisen mit zehn bis 20 Prozent begnügen.

    Auch für den Vertrieb hat Whitbread eine mutige Entscheidung getroffen, die beinahe an britische Exzentrik grenzt: Vertrieben wird die in Deutschland fast unbekannte Hotelmarke „Premier Inn“ ausschließlich direkt, Hotelportale wie Booking oder HRS, die in Deutschland für mehr als 30 Prozent des Absatzes stehen, will man sich sparen.

    Auch mit dem Plan, gut 60 Prozent der Hotelstandorte im Eigentum zu halten, schwimmen die Briten nahezu allein gegen den Branchenstrom. Seitdem Wettbewerber Marriott in den 1990er-Jahren auf eine „Asset Light“-Strategie umschwenkte, um durch Immobilienverkäufe Geld für die Expansion zu gewinnen, sind fast alle großen Hotelketten gefolgt.

    So spalteten sich die französische Accor-Hotels mit Marken wie „Ibis“, „Novotel“ und „Mercure“ in eine Betreiber- und eine Immobilienfirma auf, an der Accor neulich die Mehrheit aufgab. Die Erlöse steckten die Franzosen lieber in ein IT-gestütztes Kundenbindungsprogramm.

    Auch die Intercontinental Hotel Group (IHG) verkaufte zwischen 2003 und 2015 Immobilienstandorte im Wert von acht Milliarden US-Dollar. 2017 entschlossen sich auch Hilton und Hyatt zu dem kapitalschonenden Geschäftsmodell.

    Von all dem will Whitbread nichts wissen. „Anders als die meisten anderen sind wir Immobilieneigentümer, Betreiber und Lizenznehmer in einem“, sagt Hartung. „Das senkt am Ende Betriebskosten, weil wir schon bei der Bauplanung auf Nachhaltigkeit achten.“

    Analysten der Privatbank Berenberg zeigten sich vergangene Woche dennoch skeptisch. Whitbreads Vorstoß nach Deutschland werde zunächst Verluste produzieren, warnten sie. Dem Sturm wird damit der lange Atem folgen müssen.

    Mehr: Deutschland bleibt zu Hause – Tourismusbranche drohen massive Umsatzeinbrüche.

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