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Wirtschaftsprüfer Deloitte wird neuer Abschlussprüfer der Deutschen Post

Die Prüfungsgesellschaft soll ab 2023 die Bilanz des Logistikkonzerns testieren und löst damit PwC ab. Für Deloitte ist es das zweite Mandat im Dax.
03.05.2021 - 14:58 Uhr Kommentieren
Aufgrund der neuen Rotationspflichten musste der Logistikkonzern seinen Abschlussprüfer wechseln. Quelle: dpa
Post-Tower in Bonn

Aufgrund der neuen Rotationspflichten musste der Logistikkonzern seinen Abschlussprüfer wechseln.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Deloitte hat sein lang ersehntes zweites Mandat als Abschlussprüfer unter den Dax-30-Konzernen gewonnen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft soll vom Geschäftsjahr 2023 an die Bilanzen der Deutschen Post testieren. Diesen Beschluss hat der Post-Aufsichtsrat bereits gefasst, wie aus dem aktuellen Geschäftsbericht des Bonner Konzerns hervorgeht.

Der Aufsichtsrat werde der Hauptversammlung frühestens 2022 die Wahl von Deloitte als neuen Konzern- und Jahresabschlussprüfer vorschlagen, heißt es dort. Die Deutsche Post reagiert damit auf die gesetzlich vorgeschriebene Rotationspflicht bei Gesellschaften von öffentlichem Interesse, also etwa börsennotierten Unternehmen.

Zahlreiche Dax-Konzerne haben bereits auf einen neuen Abschlussprüfer umgesattelt oder planen dies in diesem Jahr. Bei der Post greift die seit 2016 geltende Rotationspflicht aufgrund von Übergangsfristen spätestens ab dem Jahr 2023. Deloitte wird dann den Konkurrenten PwC ablösen, der schon seit 1995 die Bilanzen der Post testiert und das Mandat dann abgeben muss.

Derart lange Zeiträume werden künftig nicht mehr möglich sein. Die Bundesregierung will bestehende Übergangsfristen streichen und plant eine verpflichtende Rotation der Abschlussprüfer für alle betroffenen Unternehmen nach spätestens zehn Jahren. So sieht es das neue Gesetz vor, mit dem die Koalition die Integrität des deutschen Finanzmarkts stärken will.

Der Bund reagiert damit auf den Wirecard-Skandal, in dem sich auch die Prüfungsgesellschaft EY schweren Vorwürfen ausgesetzt sieht. Mit der verpflichtenden Rotation alle zehn Jahre soll eine zu enge Bande zwischen Mandant und unabhängigem Bilanzprüfer verhindert und ein frischer Blick auf das Zahlenwerk ermöglicht werden.

Den Wechsel alle zehn Jahre halten die Prüfungsgesellschaften und die Unternehmen für machbar, gegen eine noch kürzere Rotationpflicht hatten sie sich jedoch gewehrt. Für die Prüfer hat der Wechsel nicht nur Nachteile: Die Gesellschaften können nach Abgabe eines Mandats dem Unternehmen dann Beratungsdienste anbieten, die oftmals besser vergütet sind.

Deloitte-Deutschlandchef will weitere Kunden gewinnen

Aktuell läuft die dritte Phase der Prüferrotation, die im Dax bereits zu einigen Verschiebungen geführt hat. Vor allem KPMG als einst größter Prüfer in diesem Segment musste zahlreiche Mandate abgeben, ebenso PwC. Jedoch hat sich PwC in der Rotation gut geschlagen und BMW, Allianz, Henkel, Fresenius oder auch Linde als neue Kunden gewonnen.

Deloitte hatte 2017 mit der Bayer AG den ersten Abschlussprüfungskunden in Deutschlands oberstem Börsensegment verzeichnet. Seitdem war die viertgrößte Prüfungsgesellschaft bei den Rotationsverfahren leer ausgegangen. Nun kommt mit der Post das lang ersehnte zweite Mandat hinzu. Mit einem Honorar von zuletzt elf Millionen Euro liegt es im Mittelfeld der Vergütungsvolumen.

Mittelfristig verfolgt Deloitte das Ziel, zwischen drei und fünf Dax-Konzerne in der Abschlussprüfung zu gewinnen, wie der seit Mitte 2020 amtierende Deutschlandchef Volker Krug Anfang März im Handelsblatt-Interview bestätigte. Die Gesellschaft könnte dabei auch von der aktuellen Diskussion um den Konkurrenten EY profitieren.

EY galt als größter Profiteur der ersten Rotationsrunden, die Gesellschaft hatte mit Volkswagen, Deutscher Bank und Lufthansa mehrere attraktive Mandate hinzugewonnen. Der Wirecard-Skandal hat dem Unternehmen aber einen schweren Imageschaden zugefügt, die Firma sieht sich zudem Tausenden Klagen von Geschädigten mit milliardenhohen Forderungen ausgesetzt.

Wie sich dies weiter auf das Ansehen von EY im Prüfungsgeschäft auswirken wird, ist offen. Im Dax hat EY das zugesagte Mandat als neuer Prüfer der Deutschen Telekom wieder verloren. Dies geschah auf Druck der Bundesregierung, die offenbar ein Zeichen setzen wollte. Andere neue Kunden wie Volkswagen und Deutsche Bank halten an ihren Beschlüssen fest.

Um das Post-Mandat dürfte sich neben Deloitte auch KPMG beworben haben sowie möglicherweise auch einige der mittelgroßen Prüfer. Sie sind nicht mehr chancenlos im Wettbewerb um Kunden aus dem Dax: Im März wählte der Softwarekonzern SAP die Wirtschaftsprüfung BDO zum neuen Abschlussprüfer aus. Es war das erste Mal, dass die „Big Four“ bei so einem prestigeträchtigen Auftrag ausgestochen wurden.

Mehr: „Big Four“ ausgestochen: BDO gewinnt Mandat als Abschlussprüfer von SAP

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