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Wirtschaftsprüfer Diskussion um Hinweis im Wirecard-Skandal: Aufsichtsstelle dementiert „Warnung“ durch EY

Die Prüffirma EY telefonierte im Februar 2019 mit der Aufsichtsstelle über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard. Über das Gespräch gehen die Meinungen auseinander.
18.09.2020 - 23:12 Uhr Kommentieren
Die Prüffirma EY ist durch den Wirecard-Skandal in Erklärungsnöte gekommen. Die Aufsichtsstelle Apas ermittelt gegen sie. Quelle: dpa
Bürogebäude der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY

Die Prüffirma EY ist durch den Wirecard-Skandal in Erklärungsnöte gekommen. Die Aufsichtsstelle Apas ermittelt gegen sie.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Informationen, die aus einer eigentlich nicht öffentlichen-Sitzung des Bundestags-Finanzausschusses durchsickerten, werfen im Wirecard-Skandal kein gutes Licht auf die unabhängige Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY habe die Apas schon am 13. Februar 2019 über erhebliche Unregelmäßigkeiten bei dem Finanzdienstleister gewarnt, heißt es in verschiedenen Medienberichten, zuerst in der „Berliner Zeitung“.

Auf unerklärliche Vorfälle bei Wirecard in Singapur habe EY hingewiesen. Doch die Apas, die die Arbeit von Wirtschaftsprüfern kontrolliert, habe nichts unternommen, weil sie es für ein regionales Problem gehalten habe. Außerdem habe Wirecard damals selbst eine Untersuchung eingeleitet, daher habe die Apas keine Notwendigkeit mehr gesehen, der Sache nachzugehen. So jedenfalls äußerte sich Florian Toncar, finanzpolitischer Sprecher der FDP, auf entsprechende Nachfragen.

Heute weiß man, dass es kein regionales Problem war, es in dem einstigen Dax-Konzern einen groß angelegten Betrug gab, weit über Ostasien hinaus. Im Juni dieses Jahres brach das Kartenhaus zusammen, Wirecard rutschte in die Insolvenz. Seither läuft die Suche nach den Schuldigen und Versäumnissen.

Ausdrücklich keine Warnung aus Sicht der Apas

Die gescholtene beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelte Apas, will den Vorwurf nicht auf sich sitzenlassen und hat nun reagiert: Es habe am 13. Februar 2019, ein Informationsgespräch zwischen EY und der Apas stattgefunden. Allerdings: Es handelte sich dabei ausdrücklich nicht um eine Warnung beziehungsweise Meldung nach Artikel 7 der Abschlussprüferverordnung, so die Behörde auf Nachfrage. Es sei zudem „an Inhalten mit Bezug zur Wirecard AG nicht über die bereits aus der Presseberichterstattung bekannten Sachverhalte hinaus“ gegangen.

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    Gegenstand des Gespräches sei demnach gewesen, wie EY im Rahmen der Prüfung des Wirecard-Konzernabschlusses für das Jahr 2018 einen Schwerpunkt auf Sachverhalte in Singapur legen und dabei forensische Experten in die Prüfung einbeziehen würde. Das Ziel: Vorwürfe, die in der Berichterstattung der britischen „Financial Times“ aufgekommen waren, „sachgerecht zu adressieren.“

    Die Apas betont, dass ihr gesetzlicher Auftrag ja gerade nicht die Aufdeckung von Fehlern in der Rechnungslegung sei, also gerade keine Bilanzkontrolle beispielsweise im Fall Wirecard. Sie prüfe lediglich, ob es bei der Arbeit von Prüffirmen Berufspflichtverletzungen gegeben habe und die gesetzlichen Regelungen zur Prüfungsdurchführung eingehalten wurden, jedoch nicht, ob der Konzernabschluss korrekt ist. Daher wäre die Apas auch nicht die richtige und zuständige Stelle für solch eine „Warnung“.

    Zweck des Anrufs nicht ganz klar

    Hansrudi Lenz, Wirtschaftsprüfungsexperte und Professor für BWL an die Universität Würzburg, springt der Apas an der Stelle bei: „In diesem Fall hat die Apas recht. Das war keine Warnung beziehungsweise Meldung nach Art. 7 der Abschlussprüferverordnung.“ Eine solche Warnung setze voraus, dass das Unternehmen nicht reagiert. Das sei aber bei Wirecard im Singapur-Komplex nicht der Fall gewesen.

    Lenz ist der Zweck der Meldung bei der Apas deshalb nicht ganz klar. Nur wenn das geprüfte Unternehmen die Angelegenheit nicht untersuche, müsse der Abschlussprüfer die Behörden informieren, die für die Untersuchung solcher Unregelmäßigkeiten zuständig sind. Doch sei indes bisweilen gar nicht ganz klar, wer überhaupt zu informieren sei. Laut Institut der Wirtschaftsprüfer, empfehle es sich in Zweifelfällen die Wirtschaftsprüferkammer oder die Apas zu kontaktieren. Das sei im vorliegenden Fall möglicherweise im Sinne eines Informationsgesprächs geschehen, mutmaßt Lenz.

    Die Apas kann sich unterdessen einen Seitenhieb auf EY nicht verkneifen. „Am 24. April 2019, also gut zwei Monate nach dem Telefonat, „hat die Abschlussprüfungsgesellschaft EY, ein uneingeschränktes Testat unter Darlegung der Prüfungsschwerpunkte für den Konzernabschluss 2018 der Wirecard erteilt“, teilt sie in ihrer Stellungnahme mit.

    Im Wirecard-Skandal steht EY neben einer Reihe tatverdächtiger Wirecard-Verantwortlicher in der Aufarbeitung besonders im Fokus. Die Prüffirma testierte Wirecard über rund ein Jahrzehnt uneingeschränkt.

    Die Apas führt deshalb inzwischen ein Berufsaufsichtsverfahren gegen EY. Sie untersucht dabei sämtliche Jahres- und Konzernabschlussprüfungen ab dem Jahr 2015 durch EY bei Wirecard „auf die Einhaltung der gesetzlichen und berufsrechtlichen Vorgaben“, wie es in einem Sachstandsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums heißt.

    Sollte die Aufsichtsstelle Pflichtverletzungen feststellen, hat sie weitreichende Sanktionsmöglichkeiten von Rügen und Geldbußen bis hin zu einem Ausschluss aus dem Beruf. Im Oktober 2019 hatte sie zunächst ein Vorermittlungsverfahren gegen EY eingeleitet.

    Auslöser war ein Bericht der britischen Zeitung „Financial Times“ über Scheinumsätze bei Wirecard. Anfang Mai 2020 machte die Apas dann aus den Vorermittlungen ein förmliches Berufsaufsichtsverfahren. Kurz zuvor hatte die EY-Konkurrentin KPMG, die für eine Sonderprüfung eingeschaltet worden war, zahlreiche Missstände bei Wirecard offengelegt, wenn auch bei weitem noch nicht das ganze Ausmaß des Skandals.

    Mancher Beobachter rechnet gar damit, dass über kurz oder lang auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die EY-Berufsträger einleiten könnte, die Wirecard prüften, weil sie möglicherweise durch Pflichtverletzungen den Betrugsskandal erst ermöglichten. EY dagegen weist die Vorwürfe zurück, die Prüffirma sieht sich selbst als Oper eines groß angelegten Betrugs. „Auch uns ist daran gelegen, dass die Vorgänge umfassend, rückhaltlos und rasch aufgeklärt werden“, hatte schon vor Wochen in einer Stellungnahme mitgeteilt.

    Mehr: Fall Wirecard – Die deutschen Wirtschaftsprüfer stehen am Pranger.

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