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Wirtschaftsprüfer EY macht nach Wachstumssprung Jagd auf den großen Konkurrenten PWC

Die Rotationspflicht bei Kunden treibt das Kerngeschäft der großen Wirtschaftsprüfer. Gerade EY kann sich nach einem Coup auf weiteres Wachstum freuen.
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Die Wirtschaftsprüfer von EY steigerten ihren Umsatz in Deutschland beträchtlich. Und kommen PWC immer näher. Quelle: Reuters
Ernst & Young

Die Wirtschaftsprüfer von EY steigerten ihren Umsatz in Deutschland beträchtlich. Und kommen PWC immer näher.

(Foto: Reuters)

FrankfurtGanz so stürmisch aufwärts wie 2017 geht es bei den deutschen Wirtschaftsprüfern zwar nicht mehr. Aber von einer Wachstumsschwäche kann bei den führenden Anbietern nach wie vor keine Rede sein. Sie expandieren weiterhin deutlich kräftiger als die Gesamtwirtschaft.

Den Trend bestätigte am Montag die EY-Gruppe (ehemals Ernst & Young), die nach Deloitte und PWC als dritte der großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften Zahlen vorlegte. EY steigerte den Umsatz in Deutschland im Geschäftsjahr 2017/18 (30. Juni) um 7,7 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro und hat damit den Abstand zum Marktführer PWC nochmals leicht verringert.

Fürs laufende Geschäftsjahr stellt Deutschlandchef Hubert Barth ein Plus von acht Prozent in Aussicht. Mit diesem Wachstum, so Barth, „fühlen wir uns pudelwohl. Der Markt läuft gut für uns in allen Bereichen.“ Den Wachstumssprung von 16 Prozent im Jahr 2016/17 wertet der EY-Deutschlandchef eher als Ausreißer nach oben im langfristigen Trend.

Stärker als EY wächst aktuell nur der deutlich kleinere Konkurrent Deloitte, der 2017/18 dank einer starken Expansion im Beratergeschäft um 18 Prozent zulegte und auch für das laufende Jahr ein zweistelliges Plus in Aussicht stellte. Im Schnitt errechnet sich damit für die führenden WP-Gruppen bisher ein Wachstum von neun Prozent. Und auf ein ähnliches Tempo deuten auch die Prognosen für das laufende Jahr.

Allerdings wird der Branchendritte KPMG, der in den letzten Jahren mit vier Prozent das schwächste Wachstum verzeichnete, seine Zahlen erst gegen Jahresende präsentieren.

Die Expansion der Wirtschaftsprüfer wird vor allem von zwei Faktoren getrieben: Zum einen bauen sie ihre Position in dem wachstumsstarken Feld der Unternehmens- und Transaktionsberatung stetig aus. Vor allem Themen wie Digitalisierung und die Transformation von Geschäftsmodellen treiben hier die Nachfrage. Hinzu kommt ein Boom im M&A-Bereich, der in den letzten Jahren von zahlreichen Großakquisitionen und Konzernumbauten geprägt war.

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Die großen WP-Gruppen können hier mit globalen Netzwerken und ergänzenden Akquisitionen punkten.

EY etwa legte in der Transaktionsberatung um sieben Prozent und in der sonstigen Beratung um neun Prozent zu. Bei PWC und Deloitte sind die Consultingsparten mittlerweile sogar größer als das angestammte Geschäft mit Bilanztestaten. Die Managementberatung von Marktführer PWC kam im abgelaufenen Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 858 Millionen Euro. Die stärksten Zuwächse im Consulting erzielte erneut Deloitte. Der kleinste unter den „Big Four“ punktet etwa mit Cybersecurity.

Doch auch das klassische Kerngeschäft, die Wirtschaftsprüfung, ist für die Big Four noch keineswegs ausgereizt. Wachsende Anforderungen und die Globalisierung sorgen vielmehr dafür, dass die Großen weiter Marktanteile gewinnen. EY schickt sich an, in diesem Umfeld überproportional zuzulegen.

Dax-Mandate im Blick

Die Stuttgarter präsentieren sich derzeit als einer der Gewinner der seit 2014 EU-weit vorgeschriebenen Rotationspflicht für Abschlussprüfer. Börsennotierte Firmen müssen seither ihren Prüfer spätestens alle Jahre wechseln. EY ist hier zwar im Mittelstand bereits solide vertreten, bei den Dax-Konzernen dagegen in Relation zu KPMG und PWC noch eher unterrepräsentiert. Doch das dürfte sich in den nächsten Jahren ändern.

Am Freitag gewann EY den prestigeträchtige und lukrativen Auftrag, ab 2020 die Deutsche Bank zu prüfen, nachdem man zuvor bereits bei der Commerzbank erfolgreich war, die allerdings inzwischen aus dem Dax abgestiegen ist. Bisher hält EY schon Mandate bei den Dax-Firmen Siemens, Wirecard, Beiersdorf und Heidelberg Cement, wobei man letzteres aber im Zuge der Rotationspflicht abgeben muss.

Auf der anderen Seite ist EY neben KPMG im Rennen um das neu ausgeschriebene Mandat von Volkswagen. Hier könnte nach Informationen aus Branchenkreisen noch in dieser Woche eine Entscheidung fallen. Ferner bewirbt sich die Gruppe auch um die Prüfung von Lufthansa, Fresenius und Munich Re, wo ebenfalls ein Wechsel für 2020 ansteht.

PWC kam zuletzt bei den Ausschreibungen von BMW und Allianz zum Zuge. Deloitte will drei bis fünf Abschlussprüfermandate im Dax erreichen, hat aber bisher nur Bayer als neuen Kunden gewonnen. Das Ziel von EY ist weiterhin, mindestens sechs Dax-Konzerne zu prüfen, machte Barth deutlich. Auch im Mittelstand will EY nach den Worten des Deutschlandchefs dabei weiter zulegen. Ähnlich wie die Konkurrenz sieht auch Barth hier den Trend zur Globalisierung als Treiber für wachsende Marktanteile der Big Four.

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