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Wirtschaftsprüfer Wirecard-Skandal: Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen EY

Nun wird auch gegen frühere Wirtschaftsprüfer von Wirecard ermittelt. Grundlage ist eine Strafanzeige der Wirtschaftsprüfer-Aufsichtsbehörde Apas.
04.12.2020 Update: 04.12.2020 - 17:18 Uhr Kommentieren
Auch Wirtschaftsprüfer von EY geraten im Wirecard-Skandal in den strafrechtlichen Fokus. Quelle: dpa
EY-Bürogebäude

Auch Wirtschaftsprüfer von EY geraten im Wirecard-Skandal in den strafrechtlichen Fokus.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Staatsanwaltschaft München hat im Fall Wirecard Ermittlungen gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY aufgenommen. Auf Grundlage einer Strafanzeige der Aufsichtsbehörde Apas gegen Prüfer von Ernst & Young (EY) sei ein Verfahren gegen die namentlich Genannten begonnen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Weitere Details wollte die Behörde nicht nennen. „Unsere Ermittlungen im Gesamtkomplex Wirecard führen wir weiterhin ergebnisoffen gegen zahlreiche Beschuldigte, die wir aus ermittlungstaktischen Gründen nicht offenlegen möchten“, hieß es weiter.
Die Apas hatte bereits Ende September die ersten Ergebnisse ihrer Untersuchung über die Arbeit von EY als langjähriger Abschlussprüfer von Wirecard an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Sie sieht Hinweise auf strafrechtlich relevante Tatbestände beim Testat der Bilanzen 2015 bis 2017.

EY hat über zehn Jahre hinweg die Abschlüsse von Wirecard geprüft und bis einschließlich 2018 auch uneingeschränkt testiert. Nach dem Zusammenbruch des Finanzdienstleisters im Juni waren umgehend Vorwürfe auch gegen die Prüfer aufgekommen, weil schon länger Zweifel an der Rechnungslegung von Wirecard bestanden und sich in der Bilanz enthaltene Bankguthaben auf Treuhandkonten in Asien als nicht existent herausstellten.

Die Prüferaufsichtsbehörde Apas hat im Oktober 2019 Vorermittlungen aufgenommen, die im Juni dieses Jahres in ein förmliches Verfahren gegen EY mündeten. Aus Sicht der Behörde könnte „in den Prüfungsberichten unrichtig berichtet beziehungsweise erhebliche Umstände verschwiegen worden sein“, wie es in ihrem Schreiben an die Staatsanwaltschaft heißt.

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    Ein derartiger Verdacht hat für einen Wirtschaftsprüfer strafrechtliche Relevanz. Das Handelsgesetzbuch definiert genau die Pflichten eines Abschlussprüfers. Bei Verstößen drohen ihm Konsequenzen aus Paragraf 332 des HGB: Darin sind Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen vorgesehen.

    Die Vorwürfe der Apas gegen sie sind vielfältig: Die Aufsicht kritisiert, dass EY einem Widerspruch in den Aussagen des Wirecard-Vorstands nicht nachgegangen sei. Weitaus gravierender ist der Vorwurf, die Abschlussprüfer hätten beim Testat für 2016 nachgiebig gegenüber dem Wirecard-Management gehandelt.

    Damals stand bereits ein nur eingeschränktes Testat für die Bilanz 2016 im Raum, weil die EY-Prüfer Zweifel hatten. Ein solcher Schritt wäre für die stets mit Skepsis betrachtete Wirecard eine Katastrophe gewesen. Letztlich unterzeichneten die Prüfer nach dem Erhalt weiterer Dokumente ein uneingeschränktes Testat.

    EY wehrt sich gegen die Vorwürfe

    Dazu kommt: Der Apas zufolge hat Wirecard bei der Bilanzierung des Wirecard-Drittpartnergeschäfts gegen internationale Standards verstoßen, was den Abschlussprüfern hätte auffallen müssen. Von Verstößen bei der Prüfung der Treuhandkonten in Asien ist bisher noch nicht die Rede.

    EY wehrt sich gegen die von der Apas erhobenen Vorwürfe und hat nach eigenen Angaben am 17. September 2020 einen Schriftsatz von mehr als 316 Seiten an die Aufsicht geschickt. Die Apas hat ihr Schreiben an die Staatsanwaltschaft bekanntermaßen am 28. September übermittelt. „Unserer Auffassung nach haben wir in diesem Sachverhalt bisher kein ausreichendes rechtliches Gehör erhalten, und unsere umfangreichen Unterlagen sind nicht ausreichend gewürdigt worden“, teilte EY am Mittwoch auf Handelsblatt-Anfrage mit.


    Ein interessanter Punkt bei den nun aufgenommenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist die Verschwiegenheitspflicht von EY. Mehrere Mitarbeiter der Gesellschaft haben zuletzt im Bundestags-Untersuchungsausschuss ihre Aussage verweigert, weil sie sich nicht wirksam von ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Verschwiegenheitspflicht entbunden sehen.

    Diese Pflicht sieht vor, dass sich ein Prüfer nur gegenüber den Organen einer Gesellschaft detailliert äußert, also Vorstand und Aufsichtsrat. Wie es in der Branche heißt, gilt diese Verschwiegenheitspflicht auch gegenüber der Staatsanwaltschaft.

    Der Insolvenzverwalter von Wirecard hat die Prüfer zwar bereits davon entbunden. Die halten das aber nicht für ausreichend und verweisen auf die rechtlich unklare Lage in früheren Urteilen. Nun soll der Bundesgerichtshof klären, wie es aktuell um die Verschwiegenheitspflicht von EY steht.

    Mehr: Neue Details im Wirecard-Skandal: Das sind die konkreten Vorwürfe gegen EY.

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