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Wirtschaftsprüfung Verschärfte Haftung und strenge Examen: Prüferbranche kämpft mit Fachkräftemangel

Die Qualitätsdebatte nach dem Wirecard-Skandal verschärft das Nachwuchsproblem der Branche. Viele fürchten die strengen neuen Gesetze für Wirtschaftsprüfer.
13.07.2021 - 10:20 Uhr Kommentieren
Ernst&Young kam schon wegen des Wirecard-Falls unter Beschuss. Quelle: dapd
Wirtchaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young

Ernst&Young kam schon wegen des Wirecard-Falls unter Beschuss.

(Foto: dapd)

Düsseldorf Für die deutschen Wirtschaftsprüfer ist es ein hoffnungsvolles Zeichen: 2020 ist erstmals seit fünf Jahren die Zahl der bestandenen Examina als Wirtschaftsprüfer wieder leicht gestiegen. 351 Teilnehmer machten den herausfordernden Abschluss.

Ein Grund für den Zuwachs: Die Teilnehmer durften die Prüfung im Pandemiejahr blockweise ablegen und mussten dies nicht an einem Stück tun. Für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind gerade die examinierten Mitarbeiter wichtig, denn als Berufsträger können sie die Abschlussprüfung in Unternehmen verantworten.

Doch das Jahr 2020 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche einen Fachkräftemangel erlebt. „Gerade in der Wirtschaftsprüfung haben die Unternehmen Nachwuchssorgen“, beobachtet Hellmuth Wolf, geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Signium, der auf die Branche spezialisiert ist. Viele junge Leute würden heute den hohen Aufwand für das Wirtschaftsprüfer- und Steuerberater-Examen scheuen und lieber in die Industrie gehen.

„Zudem ist das Image der Branche und des Berufs durch den Wirecard-Skandal nicht gerade gefördert worden. Die Prüfungsunternehmen brauchen aber gerade die zertifizierten Berufsträger“, sagt Wolf. Der Wirecard-Skandal hat nicht nur schwere Vorwürfe gegen den Abschlussprüfer EY hervorgebracht.

Seither wird über die gesamte Qualität der Bilanztestate in Deutschland diskutiert. Jahrelang stand die Arbeit eines Wirtschaftsprüfers kaum in der öffentlichen Wahrnehmung, aber das hat sich seit Wirecard grundlegend geändert. Der Bilanzskandal hat für die gesamte Branche handfeste Folgen: Seit Juli 2021 greift ein neues Gesetz, mit dem die Bundesregierung das Vertrauen in den Finanzmarkt Deutschland stärken will.

Große Teile des Gesetzes treffen die Abschlussprüfer. Die verkürzte Rotationspflicht kann die Branche noch gutheißen – künftig müssen Unternehmen von öffentlichem Interesse alle zehn Jahre ihren Abschlussprüfer wechseln.

Höhere Freiheitsstrafen bereiten Angst vor dem Job

Auf breite Ablehnung stößt aber die verschärfte Haftung der Prüfungsgesellschaften. Unterzeichnenden Prüfern und ihren Gehilfen droht künftig bei Nachweis fehlerhafter Testate eine höhere Freiheitsstrafe. Die soll nach dem Willen der Bundesregierung abschreckend wirken und die Qualität der Arbeit erhöhen.

Die Branche hingegen fürchtet, dass mit dem Gesetz viele junge Leute vom Beruf abgeschreckt werden. Und tatsächlich erleben dies bereits einzelne Anbieter: „Im Recruiting spüren wir die negativen Imagewirkungen einzelner spektakulärer Bilanzskandale und die damit einhergehende wachsende Regulatorik“, sagt Thomas Edenhofer, Head of Audit & Advisory und Partner bei der Düsseldorfer Prüfungsgesellschaft Baker Tilly.

„Beides schreckt viele Talente ab, auch wenn sie in keinem anderen Bereich einen so tiefen und umfassenden Einblick in die Funktionsweise von Unternehmen bekommen können, wie in der Wirtschaftsprüfung“, ergänzt er.

Das verstärkt den ohnehin spürbaren Fachkräftemangel in der Branche. Der schwindenden Lust am herausfordernden Examen als Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater wollen die Dienstleister nun etwas entgegensetzen und junge Leute auf dem Weg dahin bestmöglich unterstützen, wie es bei Baker Tilly heißt. PwC wünscht sich zudem, dass die Zahl der Lehrstühle für betriebswirtschaftliche Steuerlehre nicht abnimmt.

Mehr: Die Berater-Lücke: Consultants und Wirtschaftsprüfer wollen fast 27.000 Stellen neu besetzen

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