Zoos in Deutschland Aus dem Dickicht der Kritik

Die Zoos in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt – bei der Tierhaltung wie der Wirtschaftlichkeit. Oftmals harte Kritik stellt die Parks dabei vor weniger Probleme als die Wetterlage.
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„Nirgends durchweg gute Lebensbedingungen für alle Tiere“, der Tierschutzbund kritisiert die Bedingungen in vielen Zoos. Quelle: Getty Images

„Nirgends durchweg gute Lebensbedingungen für alle Tiere“, der Tierschutzbund kritisiert die Bedingungen in vielen Zoos.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfWenn man das Büro eines Zoodirektors malen müsste, sähe es wohl so aus wie die Arbeitsräume von Theo Pagel. Das Büro des Biologen wird von Fachliteratur gesäumt, in einem der Regale steht ein Terrarium. Eine der Futtergrillen ist ihrem Schicksal entkommen und flieht zirpend aus dem Raum. Der 53-Jährige, erinnert mit seiner Brille, grauem Bart und Oberhemd an einen Professor, ist aber Direktor des Kölner Zoos und Präsident des Verbands der Deutschen Zoodirektoren (VDZ), der künftig Verband der Zoologischen Gärten heißen wird. Geht es nach einigen Kritikern des Zoo-Betriebs, gehört Pagel zu einer aussterbenden Art. Sie wollen die deutschen Zoos am liebsten schließen.

Im Mai dieses Jahres sorgte das Buch „Lebenslänglich hinter Gittern: Die Wahrheit über Gorilla, Orang Utan & Co in deutschen Zoos“ des Psychologen, Anthropologen und Journalisten Colin Goldner für Aufsehen.  Seine Thesen sind Grundlage der Proteste zahlreicher Gruppen: Besonders prominent tut sich beispielsweise die Tierrechtsorganisation Peta  hervor. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Initiativen, etwa Animal Peace, Animal Public oder End Zoo aus Österreich. Einer der bekanntesten Tierschützer in Deutschland ist Jürgen Ortmüller, Steuerberater und Gründer des deutschen Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF).

Geht es dem Zoo nun an den Kragen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung unlängst im Feuilleton titelte? Eher nicht – mit der Zahl der Kritiker steigt paradoxerweise auch die Zahl der Besucher. Etwa eine Millionen Besucher kommen jährlich  in den Duisburger Zoo, mal mehr, mal weniger. In Köln sind es derzeit 1,5 Millionen Besucher pro Jahr, bei den Spitzenreitern in Berlin, Hannover und Stuttgart zwischen zwei und drei Millionen. Die Tendenz ist fast überall steigend.

Die schönsten Zoos Deutschlands
ONE DAY OLD INDIAN RHINOCEROS AT THE SAN DIEGO WILD ANIMAL PARK
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Es ist immer ein ambivalentes Thema: Zoos können einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten, gleichzeitig fragt sich der Besucher oft, inwiefern die Tiere in den engen Gehegen glücklich werden können und gesund bleiben. Doch eines ist unstrittig: Zoos tragen dazu bei, dass Menschen von Klein auf die tierischen Mitbewohner unseres Erdballs kennen und zu schätzen lernen. Und sie lassen die Besucher immer wieder staunen. Welche Zoos die Besucher am meisten beeindrucken, hat das Reiseportal Trip Advisor über diverse Bewertungen der Nutzer des Portals erhoben, die der Anbieter mit einem Algorithmus hinsichtlich der Qualität und Quantität der Bewertungen rankte. Ein Überblick über die demnach besten Zoos Deutschlands.

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Platz 10: Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen

Der als Zoom-Erlebniswelt neu eröffnete, ehemalige Ruhr-Zoo erstreckt sich heute über ein Gelände von 31 Hektar und beherbergt 560 Tiere. Unterteilt ist der Zoo in vier Themenbereiche, Alaska, Afrika, Asien und Grimberger Hof. Schlagzeilen machte die Erlebniswelt unter anderem im September 2005, als eine Timberwölfin aus ihrem Gehege entkam, indem sie eine 3,50 Meter hohe Spundwand und einen Elektrozaun übersprang. Das Tier wurde wenige Tage später auf der A42 überfahren.

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Platz 9: Heimat-Tierpark Olderdissen (Bielefeld)

Ein Zoo mit Tradition: Seit 1930 existiert der Tierpark um den alten Bauernhof Olderdissen im Bielefelder Stadtwald. Der Zoo ist vor allem auf den Erhalt heimischer Tierarten ausgerichtet und beherbergt auf seinem 15 Hektar großen Gelände auch eine Greifvogelaufnahmestation.

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Platz 8: Tiergarten Nürnberg

Eine wechselhafte Geschichte hat der auf Artenschutz spezialisierte Tiergarten Nürnberg hinter sich: 1912 eröffnet und mit Wurzeln bis ins Mittelalter, von den Nazis für den Ausbau des Reichsparteitagsgeländes geschlossen und an anderer Stelle neu aufgebaut, im zweiten Weltkrieg zerstört und Ende der 1950er Jahre wieder neu eröffnet. Auf 70 Hektar erstreckt sich heute einer der größten Tierparks Europas, in den pro Jahr durchschnittlich über einer Millionen Besucher strömen.

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Platz 7: Tierpark Berlin

Der mit 160 Hektar größte Landschaftstiergarten Europas, ist einer von zwei Berliner Zoos und entstand in erster Linie, weil die DDR den Zoologischen Garten Berlin an den Westen verloren hatte. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde denn auch über eine Schließung des Tierparks diskutiert, schließlich aber ad acta gelegt. Stattdessen wurde der Tierpark in eine Körperschaft umgewandelt und die beiden Berliner Zoos intensivierten ihre Kooperation. Besonders berühmt ist der Zoo heute für die Zucht von Afrikanischen Elefanten.

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Platz 6: Erlebnis-Zoo Hannover

Einer der ältesten Zoos Deutschlands: Bereits 1865 gegründet drohte dem über hundert Jahren und zwei Weltkriegen drohte dem Zoo Anfang der 90er Jahre das Aus – alte Anlagen, zu wenige Besucher, öffentliche Gelder wurden gekürzt. Doch er schaffte den Neuanfang: Heute besuchen ihn mehr als eine Million Menschen im Jahr, er hat über 400 Mitarbeiter, mehr als 2000 Tiere und wurde 2011 als „Bester Zoo“ ausgezeichnet. Eine Besonderheit: Die sieben Erlebniswelten. Kinderland Mullewapp wurde den Erzählungen von Helme Heine nachempfunden. In Yukon Bay leben die Tiere etwa in einer kanadischen Landschaft samt Wolfsschlucht und Hafenstadt.

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Platz 5: Kölner Zoo

Mit über 10.000 Tieren und einer 150-jährigen Geschichte kann der Kölner Zoo jährlich etwa anderthalb Millionen Besucher anlocken. Besonderer Zuschauermagnet ist derzeit der Elefantenpark – auch wegen Marlar, dem 2006 geborenen Kölner Elefantenbaby. Seit 2010 leben Bewohner einer afrikanischen Flusslandschaft wie Flusspferde, Nilkrokodile und Antilopen im neugebauten Glasbau Hippodrom. Aufmerksamkeit erregte der Kölner Zoo zuletzt 2012, als ein sibirischer Tiger seine Pflegerin tödlich verletzte und anschließend vom Zoodirektor erschossen wurde, um Rettungskräften ihre Arbeit zu ermöglichen.

Trotzdem: „Ein Zoo ist ein defizitärer Betrieb“, betont Jochen Reiter, wissenschaftlicher Leiter des Zoos Duisburg, der wegen seiner Delfinhaltung besonders stark in der Kritiksteht. „Wenn wir kostendeckend arbeiten wollen würden, müssten wir die Eintrittspreise verdreifachen“, sagt er. Dann sei der Bildungsauftrag, gerade in Hinblick auf sozial schlechter gestellte Familien, akut gefährdet. „Wenn die Leute wegbleiben, liegt das am Regen, nicht an der Zookritik“, sagt Reiter.

Natürlich seien die Zoos bemüht, sich mit den Einnahmen selbst zu finanzieren, betont Kölns Zoodirektor Pagel. Sein Zoo etwa, bestreite sein Budget mittlerweile zu 80 Prozent aus eigenen Mitteln. Es gibt auch Betriebe wie etwa den Zoologischen Garten in Berlin, die ohne Zuschüsse auskommen.

Bei den Großprojekten, wie neuen Elefantenhäusern und Aquariensind die Unternehmen in der Regel auf Sponsoren und Fördervereine angewiesen. Besonders die Zoos in Köln und Duisburg setzen auf eine derartige Finanzierung. Über die Förderung können so Einzelprojekte mit bis zu 50 Millionen Euro finanziert werden. Der vernünftige Neubau einer Anlage ließe sich oft aber auch mit deutlich geringeren Geldbeträgen realisieren.

Nicht alle freuen sich über den Ausbau der Zoos.

„Wir wissen, dass es utopisch ist“
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