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Energie
Prosper Haniel in Bottrop

Mehr als 150 Jahre lang wurde hier Steinkohle abgebaut.

(Foto: Reuters)

Abschiedsveranstaltung Heute wird zum letzten Mal Steinkohle in Deutschland gefördert

Der Bergbau hatte die Bundesrepublik zur Industrienation geformt. Dass die Zeche in Bottrop schließt, besiegelt nun das Ende des Steinkohle-Abbaus.
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Bottrop, Düsseldorf 411 Tonnen täglich förderten die Kumpel untertage 1957 im Schnitt. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 10 Tonnen. Ab Samstag wird es kein einziges Gramm mehr sein. Mit dem Werk Prosper Haniel in Bottrop schließt am heutigen Freitag die letzte aktive Steinkohlezeche Deutschlands.

Mit einem feierlichen Akt wird das Ende beschlossen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft IG BCE, werden am Nachmittag in Bottrop sein, um den Weg des letzten Stücks Steinkohle von Untertage zu begleiten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird dieses Stück an der Oberfläche entgegennehmen und damit das Ende der Steinkohle besiegeln, die erstmals vor 900 Jahren im Aachener Revier abgebaut wurde. Der Ruhrkohle-Chor begleitet den historischen Tag mit musikalischen Einlagen. Die Teilnehmer singen am Ende gemeinsam das Steigerlied.

Bottrop ist das letzte Überbleibsel des einst größten Steinkohlereviers Europas: das Ruhrgebiet. Zu seinen Hochzeiten fanden hier mehr als eine halbe Million Menschen Arbeit, die über 110 Millionen Tonnen Steinkohle pro Jahr förderten.

Sie feuerten die Hochöfen der Eisen- und Stahlindustrie an, lieferten Grundstoffe für die Chemie-Industrie und wurden in Öfen deutscher Haushalte verheizt. Steinkohle machte Deutschland, wie auch Frankreich und Großbritannien, von Agrarländern zu Industrienationen.

Zur vorletzten Jahrhundertwende lieferte das „schwarze Gold“, wie Steinkohle auch genannt wird, 95 Prozent der weltweit genutzten Energie. Die Steinkohle-Industrie beschäftigte in Europa über 2,5 Millionen Menschen.

„Es galt für Deutschland, Europa und den Rest der Welt: Für die Industrialisierung brauchte man enorme Mengen an Energie. Und ohne die Steinkohle hätte es diese Energie nicht gegeben“, sagt Franz-Josef Brüggemeier, Professor für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte an der Universität in Freiburg.

Ein sich lange anbahnender Abschied

Die Steinkohle-Förderung aus hunderten Metern Tiefe unter hohen Sicherheitsstandards in deutschen Bergwerken hat sich schon lange nicht mehr gelohnt. Schon in den späten 1950er-Jahren wurde immer mehr billige Kohle aus dem Ausland importiert. In Australien kann die Konkurrenz etwa 30 Meter dicke Flöze teils mit dem Schaufelradbagger im Tagebau gewinnen. In China drücken billige Arbeitskräfte den Preis. Das preisgünstige Erdöl war ebenfalls ein Auslöser der Krise der deutschen Steinkohle.

2007 beschloss der Bundestag einen Fahrplan für den Ausstieg aus der defizitären Steinkohle bis Ende 2018. Gut eine Milliarde Euro Subventionen pro Jahr fielen zuletzt an, um die Preisdifferenz zum Weltmarkt auszugleichen. Im Schnitt waren es nach Angaben der Industriegewerkschaft IG BCE seit dem Beginn der staatlichen Unterstützung 1960 zwei Milliarden Euro im Jahr.

Gewerkschaftschef Vassiliadis sieht den abgefederten Ausstieg als Vorbild für den Strukturwandel in anderen Branchen. „Wir haben dafür gesorgt, dass niemand ins Bergfreie gefallen ist“, sagte er. Auch die Höhe der Subventionen halte er für angemessen: „So viel zahlen wir Stromkunden an EEG-Umlage heute pro Monat.“

Für die meisten der verbliebenen 3500 Kumpel geht es in den Vorruhestand. Andere gehen in die Verwaltung, zur Feuerwehr, arbeiten an Flughäfen oder Bahnhöfen, einige lassen sich zu Krankenpflegern umschulen. Was aus der Zeche Prosper Haniel wird, ist noch offen. Es kursierte die Idee, das Bergwerk zum Stromspeicher umzubauen, als Pumpspeicherkraftwerk. Dieser Gedanke wird wahrscheinlich nicht weiter verfolgt.

Warum Deutschland trotzdem nicht aus der Steinkohle aussteigt

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