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Energie

Aktivistischer Investor Vom Hedgefonds-König zum Öko-Kapitalisten: Chris James zwingt Exxon zum Umdenken

Der Gründer des Hedgefonds „Engine No.1“ hat sein Vermögen mit Technologie- und Biotech-Aktien gemacht. Nun nimmt er sich die Energiebranche vor.
06.06.2021 - 15:07 Uhr Kommentieren
Der Ölkonzern weigert sich bislang, in Wind- und Solaranlagen zu investieren. Unter den Investoren regt sich Widerstand gegen diese Strategie. Quelle: Reuters
Exxon

Der Ölkonzern weigert sich bislang, in Wind- und Solaranlagen zu investieren. Unter den Investoren regt sich Widerstand gegen diese Strategie.

(Foto: Reuters)

New York Eigentlich hatte Chris James mit Öl nicht viel zu tun. Der 51-jährige Hedgefonds-Veteran hat sein Vermögen vor allem als Technologie- und Biotech-Investor gemacht. Doch seit einigen Monaten hat James sich zum Albtraum von Darren Woods gewandelt, dem CEO des Ölkonzerns Exxon Mobil. Mit seinem Hedgefonds „Engine No.1“ hat er dem Energieriesen eine historische Niederlage beigebracht.

Auf der Hauptversammlung vergangene Woche sorgte James mit seinem Fonds dafür, dass Exxon drei seiner zwölf Board-Mitglieder gegen Kandidaten austauschen muss, die sich für eine nachhaltige Wende des texanischen Konzerns starkmachen. Mit „Engine No.1“ zählt James zwar mit einem Investment von nur 50 Millionen Dollar oder 0,02 Prozent der Anteile nicht zu den großen Aktionären bei Exxon. Aber er konnte auf mächtige Verbündete unter den Pensionsfonds und Vermögensverwaltern zählen.

Unter anderem haben die kalifornischen Pensionsfonds der öffentlichen Angestellten Calpers und CalSTRS und der New York State Common Retirement Fund die Anliegen von „Engine No.1“ unterstützt. Auch die zwei größten Exxon-Aktionäre, die Vermögensverwalter Blackrock und Vanguard, haben laut Medienberichten für mindestens drei der vier Kandidaten gestimmt.

Bisher lehnt es Exxon strikt ab, etwa in Wind und Solar zu investieren. Das Management betonte dagegen auch vergangene Woche, dass es lieber drei Milliarden Dollar Investitionen in Carbon Capture stecken will – eine Technologie, die CO2 einfangen und damit unschädlich machen soll. Den aktivistischen Investoren geht das nicht weit genug.

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    Vergangene Woche hatte das Management von Exxon die Hauptversammlung sogar zeitweise unterbrochen, um den Aktionären mehr Zeit zu geben, ihre Stimmen abzugeben. Dabei appellierten sie an die Investoren, gegen die Forderungen von „Engine No.1“ zu stimmen. Offensichtlich ohne großen Erfolg.

    Langjährige Erfahrung in der Investmentwelt

    Für James ist das ein enormer Erfolg innerhalb kürzester Zeit. Schließlich hat er seinen Fonds erst im Dezember größtenteils mit seinem eigenen Vermögen gegründet. Sein Ziel ist es, Unternehmen zum ökologischen Umdenken zu zwingen. Mit 250 Millionen Dollar verwaltetem Vermögen gehört der Fonds zwar zu den kleineren Spielern. Aber in diesen Fällen kommt es oft auf die richtigen Allianzen an.

    Er selbst hat in einem Interview mit Bloomberg gesagt, dass er seine Lektion über die Klimawende gelernt hat, als er Mitte der 2000er Jahre mit seiner Investition eine Kohlemine in der Nähe seiner Heimatstadt Harrisburg in Illinois retten wollte. Damals sei ihm nicht klar gewesen, wie sehr der technologische Fortschritt und Gaspreise der Nachfrage nach Kohle schaden würden. „Technologische Innovation ist nicht linear“, sagte er. „Das hat mir wirklich die Augen geöffnet.“

    Bei Exxon geht es James daher darum, dass das Unternehmen sich für die Zukunft rüstet und damit profitabel bleibt. Da die Klimawende in seinen Augen unausweichlich ist, würde der bleibende Fokus auf Öl und Gas nicht nur schlecht für die Umwelt sein, sondern auch schlecht für die Gewinne und damit für die Aktionäre.

    Zuvor hatte James als Fondsmanager gearbeitet, bevor er mit Andor Capital Management einen der größten Tech-Hedgefonds gründete. Den verließ er 2004, um einen neuen Hedgefonds „Partner Fund Management“ zu gründen, wo er in seinen besten Zeiten sechs Milliarden Dollar verwaltete. Das war allerdings nicht immer glorreich. Der Fonds investierte auch in das betrügerische Bluttestunternehmen Theranos, was dem Ruf schadete.

    Kein grundsätzlicher Kritiker des börsenbasierten Kapitalismus

    Als James im Dezember seinen neuen Impact-Hedgefunds gründete, machte er klar, dass er zwar gegen Vorstände vorgehen will, die den Wandel der Zeit verkennen. Aber er stellte auch klar, dass er kein grundsätzlicher Kritiker des börsenbasierten Kapitalismus ist: „Die Debatte als ,Shareholder-Kapitalismus‘ gegen ,Stakeholder-Kapitalismus‘ zu definieren wird beiden Seiten nicht gerecht“, erklärte er. Langfristig liefen die Interessen der Aktionäre und die aller Betroffenen von den Mitarbeitern bis zu den Kunden und Gemeinden – also den Stakeholdern – auf das Gleiche hinaus. „Deshalb sind Unternehmen, die in die Interessen der Stakeholder investieren, im Ergebnis besser und stärker“, erklärte er.  

    Für „Engine No.1“ hat sich James unter anderem die Expertise des ehemaligen Investors von Jana Partners, Charles Penner, an Bord geholt. Penner hatte Anfang 2018 mit Jana Partners gegen Apple mobilgemacht, weil iPhones angeblich zu sehr abhängig machten. Dadurch war auch James auf ihn aufmerksam geworden. Heute zwingen die beiden zusammen eines der einst mächtigsten Unternehmen des Dow-Jones-Indexes in die Knie.

    Mehr: Aktivistische Aktionäre erobern dritten Platz im Exxon-Board.

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