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Energie

AKW-Rückbau Reicht das Geld für den Atomausstieg?

Wer zahlt für Deutschlands Atomausstieg? Während die Versorger Tatsachen schaffen, tappt die Regierung im Dunkeln, ob ihr zurückgelegtes Geld sicher ist. Ein Gutachten zeigt nun offenbar, dass es ohnehin nicht ausreicht.
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Schilder von Demonstranten vor dem Kernkraftwerk in Brokdorf (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Das Ende des deutschen Atomzeitalters

Schilder von Demonstranten vor dem Kernkraftwerk in Brokdorf (Schleswig-Holstein).

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Rückstellungen der Energieversorger für den Rückbau ihrer Atomkraftwerke und die Endlagerung der angefallenen radioaktiv verseuchten Stoffe reichen nicht. Zu diesem Schluss kommen laut Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zwei Gutachten, die im Auftrag der Bundesregierung erstellt wurden und nach Informationen des Handelsblatts in dieser Woche vorgestellt werden sollen. Der Bund bekäme laut den Gutachten von den Konzernen nicht einmal genug Informationen über ihre Bilanzen, um zu beurteilen, ob die Summen wirklich sicher angelegt seien, schreibt der „Spiegel“.

Brisant ist dieses Urteil auch deshalb, weil die Energieversorger bereits Tatsachen schaffen, die dazu führen könnten, dass am Ende der Steuerzahler auf den Kosten des Rückbaus sitzen bleibt, wenn ihre Kalkulationen nicht stimmen. So strukturierte der schwedische Konzern Vattenfall bereits im Jahr 2012 um – seitdem haftet nicht mehr die Konzernmutter für die Atomhinterlassenschaften, sondern nur noch die deutsche Tochter. Wenn diese die Kosten für den Rückbau der drei Vattenfall-Atomkraftwerke in Deutschland falsch kalkuliert hat oder am Ende nicht mehr zahlen kann, muss nicht mehr der schwedische Mutterkonzern, sondern möglicherweise der deutsche Steuerzahler einspringen.

Biblis
(Hessen)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011
Beginn Stilllegung: 2015
Ende Stilllegung: 2030


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 23.12.1999
Antragsteller: RWE Power AG
Aufbewahrung genehmigt: 22.09.2003
Masse Schwermetall: 1400 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 135


Inbetriebnahme: 18.05.2006
Aktuelle Behälterzahl: 51

Brokdorf
(Schleswig-Holstein)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2021
Beginn Stilllegung: 2025
Ende Stilllegung: 2040


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 28.11.2003
Masse Schwermetall: 1000 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 100


Inbetriebnahme: 05.03.2007
Aktuelle Behälterzahl: 16

Brunsbüttel
(Schleswig-Holstein)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011
Beginn Stilllegung: 2015
Ende Stilllegung: 2030


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 30.11.1999
Antragsteller: Kernkraftwerk Brunsbüttel
Aufbewahrung genehmigt: 28.11.2003
Masse Schwermetall: 450 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 80


Inbetriebnahme: 05.02.2006
Aktuelle Behälterzahl: 9

Grafenrheinfeld
(Bayern)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2015
Beginn Stilllegung: 2019
Ende Stilllegung: 2034


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 23.02.2000
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 12.02.2003
Masse Schwermetall: 800 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 88


Inbetriebnahme: 27.02.2006
Aktuelle Behälterzahl: 20

Grohnde (Niedersachsen)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2021
Beginn Stilllegung: 2025
Ende Stilllegung: 2040


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 20.12.2002
Masse Schwermetall: 1000 Tonnen
Behälterstellplätze: 100
Genehmigte Inbetriebnahme: 27.04.2006


Inbetriebnahme: 27.04.2006
Aktuelle Behälterzahl: 18

Gundremmingen
(Bayern)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2017/21
(mehrere Blöcke)
Beginn Stilllegung: 2021/25
Ende Stilllegung: 2036/40


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 25.02.2000
Antragsteller: RWE Power AG
Aufbewahrung genehmigt: 19.12.2003
Masse Schwermetall: 1850 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 192


Inbetriebnahme: 25.08.2006
Aktuelle Behälterzahl: 41

Isar
(Bayern)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011/22
(mehrere Blöcke)
Beginn Stilllegung: 2015/26
Ende Stilllegung: 2030/41


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 23.02.2000
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 22.09.2003
Masse Schwermetall: 1500 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 152


Inbetriebnahme: 12.03.2007
Aktuelle Behälterzahl: 25

Krümmel
(Schleswig-Holstein)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011
Beginn Stilllegung: 2015
Ende Stilllegung: 2030


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 30.11.1999
Antragsteller: Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co.
Aufbewahrung genehmigt: 19.12.2003
Masse Schwermetall: 775 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 80


Inbetriebnahme: 14.11.2006
Aktuelle Behälterzahl: 19

Lingen
(Emsland)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2022
Beginn Stilllegung: 2026
Ende Stilllegung: 2041


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 22.12.1998
Antragsteller: Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 06.11.2002
Masse Schwermetall: 1250 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 125


Inbetriebnahme: 10.12.2002
Aktuelle Behälterzahl: 32

Neckarwestheim
(Baden-Württemberg)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011/22
(mehrere Blöcke)
Beginn Stilllegung: 2015/26
Ende Stilllegung: 2030/41


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 22.09.2003
Masse Schwermetall: 1600 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 151


Inbetriebnahme: 06.12.2006
Aktuelle Behälterzahl: 41

Philippsburg
(Baden-Württemberg)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011/19
(mehrere Blöcke)
Beginn Stilllegung: 2015/23
Ende Stilllegung: 2030/38


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: EnBW Kraftwerke AG
Aufbewahrung genehmigt: 19.12.2003
Masse Schwermetall: 1600 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 152


Inbetriebnahme: 19.03.2007
Aktuelle Behälterzahl: 36

Unterweser
(Niedersachsen)


Laufzeit Kernkraftwerk: 2011
Beginn Stilllegung: 2015
Ende Stilllegung: 2030


Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 20.12.1999
Antragsteller: Eon Kernkraft GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 22.09.2003
Masse Schwermetall: 800 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 80


Inbetriebnahme: 18.06.2007
Aktuelle Behälterzahl: 8

Ahaus
(Nordrhein-Westfalen)

Aufbewahrung genehmigt: 10.04.1987
Maximale Masse Schwermetall: 3960 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 420


Inbetriebnahme: Juni 1992
Aktuelle Behälterzahl: 56

Gorleben
(Niedersachsen)

Aufbewahrung genehmigt: 05.09.1983
Maximale Masse Schwermetall: 3800 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 420


Inbetriebnahme: April 1995
Aktuelle Behälterzahl: 113

Zwischenlager Nord in Rubenow
(Mecklenburg-Vorpommern)

Aufbewahrung genehmigt: 05.11.1999
Maximale Masse Schwermetall: 585 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 80


Inbetriebnahme: Ende 1999
Aktuelle Behälterzahl: 74

Jülich
(Nordrhein-Westfalen)

Antrag auf Zwischenlager für Atommüll: 10.03.1987
Antragsteller: Forschungszentrum Jülich GmbH
Aufbewahrung genehmigt: 17.06.1993
Maximale Masse Schwermetall: 0,225 Tonnen
Genehmigte Behälterstellplätze: 158


Inbetriebnahme: 23.08.1993
Aktuelle Behälterzahl: 152

Auch Eon-Chef Johannes Teyssen will die Struktur seines Unternehmens ändern, wie er Anfang Dezember ankündigte: Die alten konventionellen Kraftwerke sollen in die eine Gesellschaft und die zukunftsträchtigen erneuerbaren Energien sowie die lukrativen Netze in eine andere Gesellschaft ausgelagert werden. Die Rückstellungen für den Atomrückbau bleiben in der konventionellen Gesellschaft. Das Problem: Sie liegen nicht in Cash vor, sondern sind in Sachanlagen wie etwa Kraftwerke investiert. Und die verlieren im Zuge der Energiewende immer mehr an Wert.

Teyssen betont zwar gebetsmühlenartig die Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit der neuen Gesellschaft, doch wenn diese im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden muss, könnte der Bund auf den Kosten für den Rückbau sitzen bleiben. Denn laut den Gutachten für die Bundesregierung würde alles verbleibende Kapital „ins haftende Unternehmensvermögen fallen“ zitiert der „Spiegel“. Das hieße, dass auch andere Gläubiger Zugriff darauf hätten. Und Gläubiger gibt es viele: Eon hat nach jüngst veröffentlichten Zahlen 33,4 Milliarden Euro Schulden, RWE 31 Milliarden Euro.

Handelsblatt Energie Briefing
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Mehr zu: AKW-Rückbau - Reicht das Geld für den Atomausstieg?

11 Kommentare zu "AKW-Rückbau: Reicht das Geld für den Atomausstieg?"

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  • @Herrn Meisenkaiser: Es gibt keine Verisicherung, auch keine Rue, die unbegrenzt ein AKW versichern würde. Deren Risikoeinschätzung würde zu unbezahlbaren Prämien führen. @Herr Riesener: Würgassen ist zwar entkernt, steht aber noch sehr zur Verärgerug der Menschen dort. Aber gut mal für den Artikel und die Darstellung, wie Vattenfall die Entsorgungskosten auf den deutschen Steuerzahler abwälzen wird. Diese Massnahme haben nämlich viele noch nicht kapiert.

  • @Herrn Meisenkaiser

  • Ein mit einem 2-stelligen Milliardenbetrag gefüllter Fonds in der Hand der Politik ist ein Leckerbissen für Politiker, ökologische "Atomexperten", Ökoinstitute, Entsorgungsfirmen und viele andere. Ich nehme an, man ist sehr gut in der Lage das Geld zu verbrauchen ohne dass dabei irgendetwas Nützliches entsteht. Denken Sie an die ergebnisfreie Endlagersuche.

    Für die Gesellschaft, den Steuerzahler und die nachfolgende Generation ist das ein Desaster.

    Deutschlands Hauptleiden ist der krebsartig wuchernde ökosozialistische Komplex. Wollen Sie diesen noch grösser machen bis er den Rest der Gesellschaft erdrückt?

  • Wenn "für einen Rückbau nach sachlichen Massstäben mehr als genug Geld verfügbar ist", dann sollte es ja kein Problem darstellen, dieses Geld in einen Fonds einzuzahlen. Damit wäre doch zumindest diese Frage geklärt.

  • Weiter: Und wo ist jetzt das Problem?? Die Rückstellungen betragen etwas 2Mrd. EUR pro Kraftwerk. Würgassen hat nur eine Mrd. gekostet. Die Rückstellungen sind also ZU HOCH. Wenn man E.ON und Co etwas vorwerfen kann, ist das Steueroptimierung, weil auf die zu hohen Rückstellungen bisher keine Steuern gezahlt wurden. Ein Problem gibt es aber: Wenn grün-dominierte Ministerien willkürlich Auflagen erteilen können, wird der Rückbau beliebig verteuert. Schließlich wollen die Grünen am Ende ja sagen: Seht Ihr, wir haben ja immer gesagt, dass Atomenergie auch zu teuer ist...

  • Artikel: "....doch wie lange etwa Genehmigungsprozesse dauern, darauf hat der Kraftwerksbetreiber kaum Einfluss...... Eon hat 2014 planmäßig den Rückbau seines AKW Würgassen abgeschlossen. Bei beiden Projekten waren die Kosten am Ende jedoch höher als kalkuliert. Der Rückbau von Würgassen sollte 500 Millionen Euro kosten – final kostete er rund eine Milliarde Euro. Auch für den Rückbau von Lubmin wurden einige hundert Millionen Euro mehr gebraucht als erwartet. "

  • Für einen Rückbau nach sachlichen Massstäben ist mehr als genug Geld verfügbar. Das aktuelle ökoreligiöse Spektakel sollte meines Erachtens besser von den Verursachern, Politikern, Journalisten, Ökoorganisationen und deren Anhängern getragen werden, oder?

  • In den USA wird der Rückbau eines grossen Leistungskernkraftwerks mit 300 - 400 Mio. $ angegeben. In Deutschland lag die letzte Schätzung RWE bei 800 Mio. €.

    Das Einrichten eines Bergwerks in 800m Tiefe kostet 700 Mio. $ (Glencore Ernest Henry). Mit Konditionierung der Abfälle, Einbringen und Verschliessen des Bergwerks kann man die technisch notwendigen Kosten der Endlagerung auf 2 Mrd. € schätzen.

    Die Versorger haben einen 2-stelligen Milliardenbetrag an Atomrückstellungen gebildet. Dieser Betrag ist nach sachlichen Massstäben eher zu hoch und eigentlich sollte eine Teilauflösung derselben zugunsten der teils staatlichen Anteilseigner möglich sein.

    Natürlich kann man diese Kosten beliebig in die Höhe treiben. Man denke an das Gebot der Wiederaufbereitung und das spätere Verbot derselben, die mehrfache Erkundung von Gorleben für 1,7 Mrd. € die ohne sachlichen Grund abgebrochen wurde, die Errichtung von Zwischenlagern deren Nutzung verboten wurde, die sachfremde Schliessung von Morsleben, das Spektakel um Asse, die unendliche Geschichte um das Endlager Schacht Conrad... Die geplante, ergebnisfreie Endlagersuche.

    So kann man die eigentlich überschaubaren Kosten beliebig ins Unendliche treiben. Ich vermute, man wird den Versorgern die Rückstellungen nehmen damit das Spektakel weiter betreiben bis diese erschöpft sind und anschliessend wenn die DDR pleite ist die atomaren Abfälle irgendwo verotten lassen.

  • Die Dummheit der Menschen im allgemeinen und der Politiker im besonderen ist grenzenlos. - Lassen sich von der Wirtschaft vorführen wie ein Lehrbub. - Ein neues Gesetz hier, eine geschickte Gesetzesänderung dort und schon müssen Vorstände von Vattenfall und Konsorten zu Kreuze kriechen. - Ich möchte Herr Putin nicht in den Himmel heben (ganz Gewiss nicht) aber der kann sich jedenfalls durchsetzen, im Gegensatz zu der angeblich mächtigsten Frau Europas oder dem angeblich mächtigsten Mann der Welt.

  • Aber wenn die Kernkraft so billig ist, dann ist doch auch ausreichend Geld für den Rückbau zurückgelegt worden. Oder etwa nicht??? Der Rückbau wäre ja sowieso notwendig geworden. Oder wurde daran gespart, ebenso wie an Versicherungen gegen etwaige Schadensfälle?

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