Energie

Atom, Gas, Kohle sollen weg Eon zerschlägt sich selbst

Eon trennt sich von Kohle, Gas und Atomstrom. Das Geschäft wird in eine Art „Bad Bank“ ausgelagert. Stattdessen will sich der Konzern auf andere Bereiche konzentrieren. An der Börse legt die Aktie deutlich zu.
Update: 01.12.2014 - 09:07 Uhr 24 Kommentare
Radikaler Wandel: Eon sagt Atom, Kohle und Gas Adieu. Quelle: dpa

Radikaler Wandel: Eon sagt Atom, Kohle und Gas Adieu.

(Foto: dpa)

EssenDer hochverschuldete Energiekonzern Eon greift angesichts der tiefgreifenden Energiewende zu radikalen Maßnahmen: Der bislang größte deutsche Energiekonzern will sich auf das Geschäft mit Ökostrom konzentrieren. Die Atom- und Kohlekraftwerke sollen in eine neue Gesellschaft abgespalten werden. Analysten sprachen am Montag von einem mutigen Schritt, der auch Vorbild für andere Versorger in Europa sein könne. Die Aktie legte am Montagmorgen nach Börsenstart um 6,2 Prozent auf 15,12 Euro zu.

Die Mehrheit an der im Jahr 2016 geplanten Gesellschaft sollen die bisherigen Eon-Aktionäre halten. Den Rest will der Versorger schrittweise an die Börse bringen. Die Abspaltung soll auch die Rückstellungen für den Abriss der Kernkraftwerke übernehmen. Dies könnte die Idee einer Atomstiftung erneut anfachen, in der die AKW-Betreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Risiken auslagern.

Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert Eon auf den Preissturz bei den Großhandelspreisen für Strom. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. „Das bisherige breite Geschäftsmodell von Eon wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht“, sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Deshalb wolle sich der Konzern radikal neu aufstellen. 2015 wolle das Management die Voraussetzungen für die Abspaltung und den Börsengang der konventionellen Kraftwerke schaffen. Mit dem Spin-Off folgt Eon dem Beispiel der Bayer -Abspaltung Lanxess oder Osram bei Siemens. Mit der Neuaufstellung sei kein Stellenabbau verbunden.

Zu dem abgespalteten Teil würden auch der globale Energiehandel sowie die Bereiche Exploration und Produktion gehören. Das Unternehmen soll 20.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Analysten von Bernstein Research sprachen von einer Art „Bad Bank“. Das unter der Rubel-Schwäche leidende Geschäft in Russland gehört ebenso dazu wie die Verluste schreibende Beteiligung in Brasilien.

Offen ist, was aus der Gas- und Ölförderung in der Nordsee wird. Eon will dies noch vor der Neuaufstellung strategisch überprüfen. Analysten spekulierten umgehend, dass es wie die RWE-Tochter Dea verkauft werden könnte.

Denkbar ist auch, dass beide künftigen Gesellschaften auf Dauer zu klein sind und damit zu Übernahmekandidaten werden. Bernstein Research zufolge könnte die Anteile der neuen Gesellschaft rein rechnerisch 2014 auf einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 4,4 Milliarden Euro kommen und der übrige Eon-Teil auf vier Milliarden. Damit wären beide kleiner als die bisherige deutsche Nummer Zwei RWE mit angepeilten 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro.

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24 Kommentare zu "Atom, Gas, Kohle sollen weg: Eon zerschlägt sich selbst"

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  • "mittlerweile stehen Bundesweit 24.000!"
    Richtig.
    Setzen Sie dohc bitte die 60 Windräder bei Ihnen vor der Haustür ins Verhältnis zu den 24 Tausend bundesweit.
    Wie bereits gesagt, sind der Großteil der bestehenden Anlagen alt.
    Das heißt durch Ersetzen dieser alten durch neue, wird bereits ein Fortschritt erzielt.
    Windräder dürfen nicht einfach irgendwo hin gebaut werden, Standortprüfungen und Windgutachten müssen verbesert werden.
    Ebenso habe weder ich noch jemand anderes geschriben, man solle sich ausschließlich auf Wind und Sonne verlassen, bestimmte Speichermöglichkeiten werden benötigt und können nur durch Forschung verbesesert werden.
    Wenn mehr Strom produziert wird als abgenommen wird werden die Speicher gefüllt.
    Bei der Planung der Zukunft ständig auf den status quo zu verweisen oder auf die Vergangenheit und zu der Aussage zu gelangen, weiterer Ausbau und Fortschritt sind sinnlos, bringt uns nicht weiter. Ziel des Fortschritts ist schließlich die Veränderung des status quo.
    Betrachten Sie also nicht stationäre Zustände, sondern betrachten Sie die bereits erfolgten Fortschritte.
    Wenn wir diesen Weg weiter gehen, kann der Strompreis auch irgendwann wieder sinken, aber natürlich wird es uns heute einiges an Kraft und Anstrengungen kosten ein belastbares Stromnetz aus EE auf- und auszubauen.

  • Die Umwandlung von elektrischer Energie in chemische Energie hat, wenn Methan das Ziel ist, einen Wirkungsgrad von weniger als 40%. Wenn das Methan dann wieder zur Stromerzeugung genutzt wird, ist realistischerweise höchstens ein Wirkungsgrad von durchschnittlich 50% zu erreichen.

    Der Gesamtwirkungsgrad liegt also unter 20%.

    Der Strom, der am Ende bei Windstille geliefert werden kann, ist daher mindestens 5 Mal so teuer wie der ursprüngliche Windstrom. In dieser Kalkulation sind die Kosten für die Anlagen selbst, das Bedienungspersonal und die Rendite des eingesetzten Kapitals noch gar nicht enthalten.

    Es ist völlig klar, daß niemand diesen teuren Strom bezahlen kann und will. Wirtschaftsbetriebe, die sich am Markt behaupten müssen, können die Wahnsinnskosten für diesen Strom mit Sicherheit nicht durch den Verkauf ihrer Produkte am Weltmarkt refinanzieren. Das gilt jedenfalls für die Betriebe, in denen die Stromrechnung ein nennenswerter Kostenfaktor ist. Im Zeitalter der Automatisierung werden das immer mehr.

    Es bleibt dabei: Es gibt keine technisch realisierbare Möglichkeit, Strom oder die im Strom gelieferte Energie in den erforderlichen Mengen zu bezahlbaren Kosten zu speichern.

    Das sollte eigentlich für jeden rational denkenden Menschen das Todesurteil für den Strom aus Zufallskraftwerken sein für die Versorgung eines Industrielandes sein.

    Daher ist die deutsche Energiewende durch und durch irrational.

  • Hallo Herr Pankrath,
    wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich ungefähr 60 Windräder. Davon sind die meisten neuerer Bauart, die auf dem Hochsteinchen im Hunsrück sind über 200 Meter hoch. Höher als der Kölner DOM. Und seien Sie versichert: wenn der Wind nicht weht, stehen auch diese übergroßen Dinger.

    Das geht aber auch aus dem Link über agora hervor: denn obwohl in den letzten Jahren ja Tausende solcher Monster errichtet wurden,(mittlerweile stehen Bundesweit 24.000!) fällt die Erzeugungsleistung bei fehlendem Wind eben DOCH regelmässig gegen Null! Das dürfte es nach Ihrer "Theorie" doch gar nicht geben. :-)Schauen Sie doch mal in dem Link nach. Und die tatsächlich erzeugten KWh bei Wind entsprechen rd. 15% der Nennleistung (können Sie bei Fraunhofer nachschauen). Ob diese KWh dann erzeugt werden, wenn sie gerbaucht werden ..... Und so ein "zuverlässiger Erzeuger" versorgt den Idustriestaat Deutschland. LOL.

    Erst informieren und nachdenken, dann kommentieren.

    http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/report-mainz/videosextern/warum-oeko-energie-fuer-stadtwerke-oft-ein-verlustgeschaeft-ist-102.html

    Danke!

  • @ Herr Otto Pankrath

    >> In den letzten Jahren hat es erstaunliche Fortschritte bei der Effizienz der Windräder gegeben. >>

    Sie können noch so tolle Windräder installieren, womit Sie aber niemals ausschließen können, dass es eine Windstille gibt !

    Und bei Nacht scheint auch die Sonne nicht.

    Aus Gründen der Energiesicherheit benötigt man aber Back-Ups. Und das sind KKW's, Gaskraftwerke oder Kohlekraftwerke.

    Im Ungünstigsten Fall stehen alle Windmühlen still und es ist Nacht, d.h. sie müssen die komplette Kapazität ihrer Windmühlen und Solarpanelen aus konventionellen Kraftwerken abdecken !

    Das wiederum bedeutet, dass man in D eine DOPPELTE STROMWIRTSCHAFT auf Kosten der Verbraucher aufzieht .

    Leuchten Ihnen diese Zusammenhänge ein ?

  • Herr Feiden,

    lesen Sie sich bitte meinen Kommentar durch, gucken sie aus dem Fenster und vergleichen...
    MODERNE Windräder KÖNNEN bis zu 90% etc...
    In den letzten Jahren hat es erstaunliche Fortschritte bei der Effizienz der Windräder gegeben.
    Während alte Windräder (Leistung ca. 250 kW) auf starken Wind "programmiert" sind, gab es in den letzten Jahren ein Umdenken. Moderne Windräder haben eine Leistung von über 6 MW, gebaut und optimiert für niedrige Windgeschwindigkeiten.
    Bei zu hohen Windgeschwindigkeiten müssen sie abgestellt werden ("Stromspitzen werden gedämpft")
    Wenn Sie aus dem Fenster gucken sehen Sie aber hauptsächlich Windräder älterer Bauart, damit erklärt sich auch weshalb der Graph auf den Sie verweisen für die Zukunft kein schwerwiegendes Argument gegen EE sein kann.
    Kombinieren Sie moderne Anlagen mit den von Herrn Europaeer erwähnten Speicherlösungen verflüchtigt sich Ihr Argument (Volatilität) von selbst.
    Ebenso gab es weitgehende Effizienzverbesserungen bei der Photovoltaik...

  • EON RWE vattenfall und consorten können es nur mit subventionen!!!
    (ein AKW das keine ausreichenden rücklagen für den rückbau hat ist suventioniert)
    die manager sind alles andere als fähig, schlimmer als günter mittag!
    wer heute industrie oder kraftwerksstandorte aufgibt müsste gesteinigt werden!
    Die emmissionen sind zurück zu fahren aber alles andere hat akzeptanz!

    diese liberalisierung des strommarktes ist augenwischerei
    der sttrom der in berlin von lieschen müller verbraucht wird kommt nicht von den SWS im saarland

    armer michel wie wirst du um dein geld betrogen


  • hallo Herr Pamkrath,
    Zitat:
    "...mit modernen Windräder mit einer Höhe von 140m, kann Strom zu nahezu 90% der Zeit produziert werden und Stromspitzen werden gedämpft."

    Falsche Tatsachenbehauptungen werden nicht durch ständige Wiederholungen wahr.

    Siehe hier, geben Sie unten mal eine längere Zeit ein (z.B 01.11.14 bis 01.12.14):

    http://www.agora-energiewende.de/service/aktuelle-stromdaten/?tx_agoragraphs_agoragraphs[initialGraph]=powerGeneration&tx_agoragraphs_agoragraphs[controller]=Graph

    Das dunkeblaue ist Wind. Wind ist hochvolatil, von einer gleichmässigen bgabe kann keine Rede sein. Solar ist derzeit wieder schwach. Das ist jeden Winter so, wenn die Sonne tief am Horizont steht.

  • Nur weil es Ihnen nicht in den Kram passt, ist es nicht falsch. Die Totschlagargumente dass die erneuerbaren Energien nicht ausreichen sind schlichterdinge Panikmache. Und EoN hat es mittlerweile erkannt. Das Geschäftsmodell mit altherkömmlichen Trägern (Kohle und Atom) flächendeckend die Versorgung mit Energie zu übernehmen hat ausgedient und ist nicht zeitgemäß. Aber das eine oder andere Kraftwerk (von den moderneren) am Netz zu halten um Spitzen und Schwankungen zu deckeln mach Sinn. Leider wird allzu oft der Lobbypropaganda Gehör geschenkt.

  • "monster-Trassen" werden auch, ebenso wie Off-Shore-Parks, nicht benötigt. Sie bieten aber aufgrund des riesigen Investitionsvolumens eine super Möglichkeit für die Big 4 auch zukünftig Geld zu verdienen (mit wenig Konkurrenz)

  • ich liebe es ja, wenn logische Argumente fehlen man einfach die Person angreift... mein lieblingsargument "wenn der wind nicht weht, die sonne nicht scheint" wurde ja auch schon genannt.
    zur Info:
    mit modernen Windräder mit einer Höhe von 140m, kann Strom zu nahezu 90% der Zeit produziert werden und Stromspitzen werden gedämpft. Ein Szenario wie es oft dargestellt wird, dass wir ständig keinen Strom zur Verfügung haben ist daher unrealistisch.
    Anfang der 90er hieß es von Seiten Eons und RWEs, usw. noch mehr als 1% am Energiemix schaffen die Erneuerbaren nie, das verträgt das Netz nicht. Gucken wir doch mal wo wir heute stehen. Wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg.

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