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Energie

Auktion für Steinkohlekraftwerke Auftakt zum Kohleausstieg: Stromproduzenten bewerben sich um Stilllegung ihrer Kraftwerke

Am Dienstag startet die erste von acht Auktionen, um Steinkohlekraftwerke aus dem Markt zu drängen. Wer die geringste Entschädigung fordert, bekommt den Zuschlag.
28.08.2020 - 08:42 Uhr Kommentieren
Kohleausstieg: Stromproduzenten bieten für Entschädigung Quelle: dpa
Kohlekraftwerk in Niedersachsen

Steinkohlekraftwerke sollen durch Auktionen aus dem Markt gedrängt werden. Insgesamt sind acht Runden geplant.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Diese Auktion ist gleich aus mehreren Gründen ungewöhnlich. Nicht die Bieter mit den höchsten Geboten erhalten den Zuschlag, sondern die mit den niedrigsten. Und zur Versteigerung steht nicht ein Kauf oder eine Lizenz, sondern das Recht, die eigene Anlage stillzulegen.

Am Dienstag, dem 1. September, steht die erste Auktion im Rahmen des gerade erst beschlossenen Kohleausstiegs an. Die Bundesnetzagentur sammelt Gebote von Betreibern von Kohlekraftwerken ein. Es geht darum, Anlagen mit einem Volumen von 4000 Megawatt vom Netz zu nehmen, um das Klima zu entlasten. Das entspricht fünf großen Kraftwerken oder mehr als einem Dutzend kleiner Blöcke. Wer den Zuschlag erhält, wird entschädigt.

Die Bundesnetzagentur wird deshalb den Bietern den Zuschlag erteilen, die – gemessen an der Menge CO2, die durch die Stilllegung eingespart wird – die niedrigste Entschädigung fordern. Dabei geht es in erster Linie um Steinkohlekraftwerke.

Die Auktion ist der Auftakt zum Kohleausstieg, mit der die Kohleverstromung schrittweise bis spätestens zum Jahr 2038 beendet werden soll. Von den aktuell 40.000 Megawatt installierter Leistung sollen 2022 nur noch 30.000 und im Jahr 2030 noch lediglich 17.000 übrig sein.

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    Das Interesse in der Branche ist groß: „Wir haben uns die Ausschreibungsunterlagen ganz genau angeschaut und legen uns die Karten“, sagte RWE-Finanzvorstand Markus Krebber kürzlich bei der Vorlage des Zwischenberichts. In die Karten schauen lassen wollte er sich aber nicht: „Das ist zu Recht ein wettbewerblich organisierter Prozess“, sagte Krebber.

    Entsprechend äußerte sich auch Konkurrent Uniper: „Natürlich prüfen wir, ob wir mit Assets da reingehen, aber ich werde nicht sagen, mit welchen“, sagte Vorstandschef Andreas Schierenbeck: „Das ist ein wettbewerblicher Prozess, den wir sehr genau beobachten.“

    Nach Einschätzung von Stromproduzent Steag sind in der ersten von insgesamt acht Auktionen, die bis 2027 geplant sind, „die zu erzielenden Höchstpreise noch am attraktivsten“. Das ändert nichts daran, dass Steag, wie die meisten Betreiber von Steinkohleanlagen, das Prozedere insgesamt scharf kritisiert.

    Der Kraftwerksbetreiber hatte sogar mit einem Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht versucht, die Auktion zu verhindern. Steag wollte dabei nicht den Kohleausstieg an sich stoppen, sondern nur bessere Konditionen herausschlagen.

    Schon bald die nächste Auktion

    Der Versuch scheiterte aber. Das Bundesverfassungsgericht wies den Antrag aus formalen Gründen zurück. Weil der Stromproduzent Kommunalversorgern gehört und damit im Besitz der öffentlichen Hand ist, stehe ihm das Recht für die Beschwerde nicht zu, hieß es in der Begründung.

    Der Steag-Konzern, der in Deutschland acht Blöcke in Steinkohlekraftwerken mit insgesamt 4000 Megawatt Nettoleistung betreibt, fühlte sich wie viele andere Stromproduzenten gegenüber den Braunkohleunternehmen benachteiligt. Während mit den Unternehmen, die Braunkohle fördern und verstromen, frühzeitig ein konkreter Fahrplan mit festgelegten Entschädigungen ausgehandelt wurde, sollen die Steinkohleanlagen über Auktionen aus dem Markt gedrängt werden.

    Nach langem Gezerre wurde das Gesetz zur Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung (KVBG) Anfang Juli verabschiedet. Obwohl zuletzt noch die Bedingungen nachgebessert wurden, sind viele Betreiber von Steinkohleanlagen genau wie Steag noch nicht zufrieden.

    Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur verteidigt das Verfahren dagegen: „Die Ausschreibungen schaffen einen Anreiz, die klimaschädlichsten Steinkohlekraftwerke schnell vom Netz zu nehmen. Gleichzeitig bleibt die Versorgungssicherheit gewährleistet.“

    Die Behörde hatte Anfang August die Ausschreibungsunterlagen veröffentlicht. Die Auktion endet am morgigen Dienstag um 24 Uhr. Die Zuschläge sollen am ersten Dezember erteilt werden. Die erfolgreichen Bieter dürfen dann schon ab Januar den Strom aus den Kraftwerken nicht mehr vermarkten und müssen diese im Juli vom Netz nehmen.

    Neben der Höhe des Gebots fließt in die Entscheidung ein, wie hoch der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 war. Bei einer Überzeichnung erhalten nach Angaben der Bundesnetzagentur „grundsätzlich diejenigen Betreiber zuerst einen Zuschlag, die das geringste Gebot pro Tonne CO2-Reduktion abgegeben haben“. In der ersten Runde wurde als Höchstpreis die Summe von 165.000 Euro pro Megawatt Nettonennleistung festgelegt.

    Diese Summe wird in den folgenden Auktionen sinken. Von der Teilnahme ausgeschlossen sind Anlagen, die südlich des Mains liegen. Sie sollen länger in Betrieb bleiben, um das Netz zu stabilisieren. Die nächste Auktion ist schon für den 4. Januar geplant.

    Mehr: Steag scheitert mit Eilantrag gegen den Kohleausstieg

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