Energie

Außerordentliche Hauptversammlung Die Aktie des Sonnenkönigs stürzt ins Bodenlose

Schock für alle Aktionäre der schlingernden Solarworld: Für das vergangene Jahr erwartet das Unternehmen einen Verlust von rund einer halben Milliarde Euro. Eine außerordentliche Aktionärsversammlung wird einberufen.
Update: 18.04.2013 - 09:44 Uhr 31 Kommentare

Solarworld-Aktie stürzt ab

BonnFrank Asbeck ist in den vergangenen Jahren gerne großspurig aufgetragen. Jüngst kaufte er dem Fernsehmoderator Thomas Gottschalk ein Schloss bei Remagen am Rhein ab: 800 Quadratmeter Wohnfläche, 14 Zimmer, drei Terrassen. Dem damaligen Papst Benedikt XVI. schenkte er eine Solaranlage. Einmal hatte Asbeck tatsächlich erwägt, den Autohersteller Opel vor der Pleite zu retten und zu übernehmen. Damals glänzte sein Unternehmen Solarworld noch.

Doch jetzt ist endgültig die Zeit der Bescheidenheit eingeläutet, der Absturz des Solarzellenherstellers ist unübersehbar. Am Donnerstagmorgen stürzte die Aktie des Bonner Unternehmen in den ersten Handelsminuten um mehr als ein Drittel auf zeitweise 56 Cent ab. Grund: Am Abend zuvor hatte der einstige Vorzeigekonzern der Branche mitgeteilt, dass das Kapital seiner Aktionäre komplett verloren sei.

Auch die Gläubiger müssen den größten Teil ihrer Forderungen abschreiben. Die Solarworld-Anleihe mit Laufzeit bis 2016 fiel am Donnerstag um ein Drittel, sie notiert nur noch bei 15 Prozent des Nennwerts. Die Anleihe bis 2017 gab 25 Prozent nach und notiert nun bei 18.

Statt der ursprünglich geplanten turnusmäßigen Hauptversammlung wird aufgrund des Verlusts des Grundkapitals zunächst eine außerordentliche Zusammenkunft der Aktionäre stattfinden, wie aus einer Unternehmensmitteilung vom Mittwochabend hervorgeht. Im Geschäftsjahr 2012 dürfte ein Verlust nach Steuern von 520 bis 550 Millionen entstanden sein. Das Eigenkapital dürfte sich auf minus 20 bis minus 50 Millionen Euro belaufen. Mit dem negativen Eigenkapital ist das Unternehmen damit noch mehr als bisher von seinen Gläubigern abhängig. Die Krise in der Branche und der harte Wettbewerb mit China hatten den Konzern in Bedrängnis gebracht.

Der Verlust ist den Angaben zufolge zu 20 Prozent dem Geschäftsverlauf geschuldet und zu 80 Prozent auf Abschreibungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen, Beteiligungen und Ausleihungen zurückzuführen. Etwaige Bilanzkorrekturen im Rahmen der Jahresabschlussprüfung könnten die geschätzten Werte noch wesentlich verändern, hieß es weiter.

Handelsblatt Energie Briefing
Auch Anleihegläubiger fürchten um ihr Geld
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31 Kommentare zu "Außerordentliche Hauptversammlung: Die Aktie des Sonnenkönigs stürzt ins Bodenlose"

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  • Bei niedrigeren Strompreisen und niedrigeren Steuern würde
    der Stromverbrauch steigen und alle würden dabei Gewinnen auch der Staat

  • Ich habe nichts gegen Solarstrom.Aber die ihn produzieren sollen ihn auch selbst verbrauchen und nicht in´s Netz speisen,denn dort ist er eneregetisch schlecht plaziert.
    Zweitens,die Solarbranche krankt an ihrer "Einfachheit".Es ist nicht schwer Module herzustellen,bzw.Mitarbeiter anzulernen.Das dann China im Vorteil ist, liegt auf der Hand.Da nützen auch Megaeinspeisvergütungen nichts,wenn 70% der neumontierten Solaranlagen aus Asien kommen.

  • Sehen Sie, jetzt kommen wir der Sache schon naeher: Solarworld und QCells zB sind/waren Unternehmen, die nicht gesund gewachsen sind, nicht auf Gewinnmaximierung aus waren, sondern mit voelliger Ueberheblichkeit gegenueber Kunden und Geldgebern eine Scheinwelt aufgebaut haben, die sie mit Falschinformationen bis zum Schluss aufrecht erhalten wollten. Und das ist eben nicht OK und sollte bestraft werden, was es ja wurde, nur dass die Aktionaere die Zeche zahlen und nicht die verantwortlichen Manager. P.S. warum gehen Sie davon aus, dass alle Kleinaktionaere ihr gesamtes Geld in 1 Unternehmen gesteckt haben?

  • Ich gehöre auch zu denen, die keine Solaranlage auf dem Dach haben. Ich darf nun zusehen, wie meine Stromrechnung immer weiter steigt, um Reiche noch reicher zu machen. Danke dafür! Wirklich besten, herzlichen Dank!

    Und gefragt, ob ich diesen Ökoschmu haben will hat mich auch niemand. Und hätte wer gefragt, so wäre die Antwort ganz klar "Nein, auf keinen Fall!" gewesen. Davon abgesehen ist es "dem Klima" ohnehin egal, weil der "kleine Rest der Welt" (~ca 7 MILLIARDEN Menschen) nicht mitmacht. Schönen Abend noch.

  • Schön und gut, dann erklären Sie ihren Enkeln mal, dass alle Ersparnisse futsch sind, da der Opa alles auf eine Karte gesetzt hat. Zeigen Sie mir ein börsennotiertes Unternehmen, dass nicht das Ziel der Gewinnmaximierung verfolgt. Ich glaube es es leichter mit Taten als mit Geld die Welt zu verbessern. Also: Mal beim Bauern um die Ecke einkaufen und im Winter auf Erdbeeren verzichten können usw. Selbst die Solartechnik ist nicht au idealistischen Gründen auf unseren Dächern, nein, weil die Rendite stimmt! Und die Rendite maximiert man indem man beim Einkauf den günstigsten Anbieter wählt, der nun mal aus China kommt. Hätten die deutschen Käufer von Solarzellen auch Interesse an der Erhaltung der Jobs hier zu Lande, dann wäre die Branche in Saft und Kraft. Aber auch dem kleinem Solarbauern geht es am Ende doch nur um seine Rendite. Jeder ist sich selbst der nächste - so funktioniert (leider) die Welt! Und Herr Asbeck wird den Konkurs sicherlich mit ein paar Treibjagden in seinen Wälderreien vergessen machen ;-)

  • Solarworld/Asbeck hat drei Fehler gemacht: (1) zu stark auf Fremdkapital gesetzt statt sich Geld über die Börse zu holen (letzte Kapitalerhöhung war Ende 2007, hätte aber die Anteile von Asbeck verwässert), (2) zu lange auf die integrierte Produktion gesetzt - man kann nicht auf allen Stufen der Wertschöpfung wettbewerbsfähig sein, das ist zu teuer auf Dauer und (3) die Chinesen unterschätzt und lieber mit der Lobby-Keule draufgehauen statt sich mit denen zu verbünden und sich damit zu retten. Pech gehabt, schade !

  • Oh Henry, Sie reden leider am Thema vorbei. Es ist nicht das Schaf schuld, dass es dem Wolf im Wege stand. Koennen Sie sich vorstellen, dass es Menschen gibt, die in eine bessere Zukunft fuer ihre Enkelkinder investieren wollen und nicht an 20% Rendite denken? Dass es Menschen gibt, die noch an das Gute im Menschen glauben und davon ausgehen, dass die 'Boesen' zur Rechenschaft gezogen werden? Das es Menschen gibt, die noch nicht dem Zynismus des Hochfrequenzhandels huldigen?

  • Halb so wild.
    Derjenige der hier wirklich das Opfer ist, ist Herr Asbeck. Der Mann kann nach einer Pleite nur auf eine lächerlichkleine Abfindung von ein paar Millionen hoffen und muss dann den Rest seines Lebens in seinem Schloss verbringen, was er grade von Gottschalk gekaugt hat. Die Mitarbeiter werden ja wenigstens dur H4 abgesichert, aber er?

    Wo ist eigentlich Occupy Wallstreet wenn man Sie braucht. Occupy Solarworld klingt ja auch nciht schlecht.

    Das passiert eben, wenn dem Sozialisums das Geld der anderen ausgeht.
    Weitere EE-Unternehmen werden folgen!
    Ach ja, warum ruft noch keiner nach persönlicher Haftung von Managern?

  • Betrug ist das richtige Wort!
    Nur das die ganzen erneuergbaren Energien Betrug sind!
    Jeder der in erneuerbare investiert hat hatte auch das Wissen, dass er damit seine Nachbarn indirekt über die EEG Umlage abzockt und hat nichts anderes verdient als seine Investition zu verlieren!
    Und wer einem Schmierigen Typen wie Asbeck glaubt, dem ist eh nicht zu helfen!

  • Jeder der in erneuerbare Energien und deren Unternehmen Geld investiert hat, hat es zurecht verloren. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, diese Personen haben das Geld das Sie verloren haben, niemal besitzen dürfen.
    Aber egal.
    Rufen SIe mal Ihre Freunde von Occupy Wallstreet aus. Ich frage mich schon länger wo eigentlich der Unterschied zwischen Solarworld und den Pleitebänkern ist. BEide Verzocken Geld, beide können nur duch Subventionen überleben und beide belasten am Ende den Steuerzahler.

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