Energie

BASF-Tochter leidet unter Preisverfall Wintershall verordnet sich einen Sparkurs

Die BASF-Tochter Wintershall leidet massiv unter dem Verfall des Öl- und Gaspreises. Deshalb verordnen sich die Kasseler nun einen strikten Sparkurs. Doch in einen Bereich wollen sie weiter kräftig investieren.
Update: 07.04.2016 - 13:03 Uhr
Eine Gasbearbeitungsanlage in Sibirien: Weil die BASF-Tochter 2015 unter anderem seinen Anteil am Gashändler Wingas an den russischen Energiekonzern Gazprom getauscht hatte, sank der Umsatz. Quelle: dpa
Wintershall

Eine Gasbearbeitungsanlage in Sibirien: Weil die BASF-Tochter 2015 unter anderem seinen Anteil am Gashändler Wingas an den russischen Energiekonzern Gazprom getauscht hatte, sank der Umsatz.

(Foto: dpa)

KasselDie BASF-Tochter Wintershall setzt wegen der niedrigen Öl- und Gaspreise den Rotstift an. „Bestehen wird jetzt nur, wer die Kosten im Griff hat und flexibel ist“, sagte Vorstandschef Mario Mehren am Donnerstag in Kassel.

Das Jahr werde sehr schwierig, der Ölpreisverfall habe dem nordhessischen Unternehmen stark zugesetzt. „Wir können die niedrigen Öl- und Gaspreise trotz steigender Produktion nicht kompensieren.“

Wintershall trete deshalb bei den Ausgaben auf die Bremse und senke seine Investitionen. „Wir sparen und wir investieren selektiv. So kommen wir durch diese schwierigen Zeiten“, sagte Mehren, der das Unternehmen seit vergangenem Sommer leitet.

Öl aus Libyen, Styropor und die Kompaktkassette
Firmengründer Friedrich Engelhorn
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Der Leuchtgasfabrikant Friedrich Engelhorn gründet im April 1865 in Mannheim mit Partnern die Aktiengesellschaft „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF). Sie soll aus Steinkohlenteer synthetische Farbstoffe gewinnen. Doch Mannheim bleibt Engelhein nur sehr kurz treu.

Konzession
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Denn Subventionen locken ihn schon unmittelbar nach Gründung nach Ludwigshafen. Datiert auf den 8. Mai 1865 ist eine Konzession für die Badische Anilin- und Soda-Fabrik.

BASF-Stammwerk 1866
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In den Anfangstagen reichte das Werk in Ludwigshafen noch nicht bis ans Rhein-Ufer. Doch die Schlote qualmten auch damals schon.

Auslandsexpansion
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Auch die Auslandsexpansion gehört schon früh zur Geschäftsstrategie von BASF. Das Bild zeigt eine Fabrik in Moskau im Jahr 1877.

Stammwerk Ludwigshafen, 1881
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Schon wenige Jahre nach der Gründung folgen die ersten Zukäufe. Sehr schnell übernehmen neben den Kaufleuten die Chemiker und Ingenieure eine tonangebende Rolle im Unternehmen – und treiben die Expansion mit bahnbrechenden Neuerungen voran, mit Herstellverfahren etwa für Farbstoffe, Schwefelsäure oder später dem Haber-Bosch-Verfahren, das die Düngemittelproduktion revolutionierte.

Werk in Ludwigshafen, 1901
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Das rasante Wachstum der Firma lässt sich am Wachstum des Werksgeländes in Ludwigshafen ablesen.

Forschung wird zum Erfolgsfaktor
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Aufbau einer Produktionsanlage im Jahr 1913 in Oppau, nahe Ludwigshafen. Ab 1908 beginnt die BASF nach grundlegenden Arbeiten des Karlsruher Professors Fritz Haber unter Leitung von Carl Bosch mit der Realisierung der Ammoniaksynthese im industriellen Maßstab.

2016 werden die Investitionen um mehr als 28 Prozent auf eine Milliarde Euro sinken. Zudem seien Einsparungen von bis zu 200 Millionen Euro vor allem bei den Betriebsausgaben sowie für Exploration und Technologie geplant. „Da sehen wir noch mehr Luft nach oben“, sagte Finanzchef Ties Tiessen. Stellenstreichungen seien aber nicht geplant.

Wintershall beschäftigt weltweit rund 2000 Mitarbeiter. Insgesamt will die BASF-Tochter in den kommenden fünf Jahren rund 4,8 Milliarden Euro in den Ausbau ihrer Öl- und Gasaktivitäten investieren. Die Produktion soll auf 190 (2015: 153) Millionen Barrel Öläquivalent (boe) im Jahr 2018 steigen, bekräftigte Mehren.

Im laufenden Jahr rechnet Wintershall mit einem deutlichen Rückgang des Umsatzes sowie des Betriebsgewinns (Ebit) vor Sondereinflüssen, wie Mehren die Prognose der Konzernmutter BASF bekräftigte. „2016 ist ganz sicher nicht ein Jahr neuer Rekorde bei Umsatz und Ergebnis.“

Ausschlaggebend sind die niedrigen Öl- und Gaspreise sowie die Trennung vom Gashandels- und Gasspeichergeschäft, das an den russischen Partner Gazprom ging. Das hatte dem Kasseler Unternehmen bereits im vergangenen Jahr einen Ergebnisrückgang von fast 24 Prozent auf 1,366 Milliarden Euro eingebrockt. Zudem fielen Wertberichtigungen von rund 600 Millionen Euro an.

Das verhagelte auch das Ergebnis des BASF-Konzerns, für den Wintershall lange die Cash-Cow war. Zu Spekulationen, ob BASF eine Trennung von der Tochter erwäge, wollte sich Mehren nicht äußern. Er sagte nur: „Wintershall kann sich zumindest keinen besseren Eigentümer als die BASF wünschen.“

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