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Energie

Batterien Der Solarspeicher steht kurz vor dem Durchbruch in den Massenmarkt

Solarspeicher galten bis vor Kurzem noch als teure Spielerei. Doch die Technik wird immer beliebter. Auch größere Anbieter wagen sich auf den Markt.
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Batterien: Der Solarspeicher steht kurz vor dem Durchbruch Quelle: dpa
Solaranlage

Insgesamt wurden 160.000 Batteriesysteme verkauft.

(Foto: dpa)

MünchenChristoph Ostermann kann sich noch gut erinnern: 2011 war er mit seinem Start-up Sonnen das erste Mal auf der Fachmesse Intersolar, dem größten Branchentreff der europäischen Solarindustrie. Damals habe man ihn noch ausgelacht, als er seinen Heimspeicher für Sonnenenergie vorgestellt hatte. Heute ist das Allgäuer Unternehmen weltweit führend in dem stark wachsenden Nischenmarkt.

In den vergangenen Jahren hat sich viel in Sachen Solarbatterie getan. So sind die Kosten innerhalb von sechs Jahren um 61 Prozent gefallen. Was einst als teure Spielerei abgetan wurde, steht kurz vor dem Eintritt in den Massenmarkt. 2018 machte der Heimspeichermarkt einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. 

Insgesamt wurden 160.000 Batteriesysteme verkauft – ein neuer Rekord. Auch 2019 erwartet die Branche Wachstumsraten von bis zu 35 Prozent. Bis 2030 rechnet das Marktforschungsunternehmen EupD Research laut einer neuen Studie sogar mit einer sechsfachen Vergrößerung des Marktes auf knapp acht Millionen installierte Speicher.

Da ist es kein Wunder, dass Christoph Ostermann mittlerweile Konkurrenz bekommen hat. Wo vorher die kleineren Mittelständler wie Sonnen, E3/DC und Senec regierten, mischen jetzt die Global Player das Feld auf. Das koreanische Batterieunternehmen LG Chem und die US-Pioniere um Tesla sind schon eine Weile mit von der Partie, andere wie Siemens, Catl oder BYD steigen erst jetzt ein. 

So hat der Münchner Industrieriese Siemens erst im März seinen selbst entwickelten Solarspeicher Junelight auf den Markt gebracht. Siemens sieht nach eigener Aussage großes Potenzial in dem noch überschaubaren Segment. 

Auch das Schwergewicht Catl aus China hat passend zum Start der diesjährigen Intersolar seinen Einstieg in den internationalen Heimspeichermarkt verkündet. Der Milliardenkonzern ist in seiner Heimat bereits Marktführer, beim Bau von Batteriezellen ist er sogar weltweit die Nummer eins.

„Wir beobachten das sehr genau“, gibt Sonnen-Chef Ostermann zu, und man nehme die Konkurrenz sehr ernst. „Aber in der Vergangenheit sind schon ein paar große Namen ein- und wieder ausgestiegen auf dem Solarspeichermarkt“, sagt Ostermann.

Markt wächst, aber nicht so stark wie erwartet

Der Stuttgarter Autobauer Daimler hat es zwei Jahre in dem kleinen Nischenmarkt versucht, nur um sich dann sang- und klanglos wieder zurückzuziehen. Ähnlich war es beim Maschinenbauer Bosch. Denn der Markt für Solarspeicher ist zwar einer mit starkem Wachstum, besonders hohe Stückzahlen kann man hier aber noch nicht verkaufen. Mit gerade einmal 45.000 Einheiten ist Deutschland der weltweit führende Absatzmarkt für Heimspeicher.

„Ja, der Markt wächst. Aber nicht so rasant, wie wir erwartet hatten“, gibt Detlef Neuhaus, Chef des Solarkonzerns Solarwatt aus Dresden zu bedenken. Das liege natürlich auch daran, dass eine PV-Anlage auf dem Dach mittlerweile zwar wirtschaftlich sei, kaufe man sich eine Batterie dazu, werde das Ganze allerdings schon weniger wirtschaftlich.

Zu dem Schluss kam auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie rechnete aus, dass Haushalte mit einer Zehn-Kilowatt-Solaranlage ohne Batterie sichere Renditen zwischen 2,8 und 4,7 Prozent erzielen können. Während sich die Wirtschaftlichkeit bei Hausbesitzern mit Speicher im Keller wegen der hohen Kosten bei fast allen untersuchten Szenarien verschlechtert, auch wenn man in der Regel keinen Verlust macht.


„Aber ich bin überzeugt, dass genau hier 2023 bis 2025 ein Wendepunkt kommen wird“, glaubt Neuhaus. Wie schnell ein Speicher wirtschaftlich ist, hängt aber nicht nur von den Herstellungskosten ab. Hier – da sind sich alle Branchenexperten einig – sei auch noch weiterhin großes Potenzial nach unten. 

Die Wirtschaftlichkeit hängt allerdings auch von der Entwicklung der Strompreise ab. Je teurer der Strom wird, desto eher lohnt sich eine Batterie, weil die Haushalte damit weniger Energie von ihrem Versorger beziehen müssen. 

„Aber machen wir uns nichts vor“, sagt Sonnen-Chef Ostermann. Das Geschäft mit dem Verkauf von Sonnenstromspeichern sei auch heute noch ein Nischenmarkt. Den Turning Point, also den Einstieg in den Massenmarkt, den könne man nun aber eben fast schon anfassen.

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4 Kommentare zu "Batterien: Der Solarspeicher steht kurz vor dem Durchbruch in den Massenmarkt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo Herr Timke,
    verkorkst bedeutet für mich, dass im Förderdschungel die Zielrichtung aus dem Blick gerät.
    Es geht in 1. Linie um CO2 Reduktion und zwar so preiswert wie möglich. Die Mittel welche die Gesellschaft bereit ist aufzuwenden, sind begrenzt. Überteuerte Lösungen führen daher letztendlich zu weniger Reduktion an CO2 als möglich. Rein technisch gesehen sind Solarspeicher sicherlich nicht kontraproduktiv. Sie leisten einen bescheidenen Beitrag im Gesamtbild. Das Management der Energiewende ist derzeit für mich wie der Versuch alle durch gegenseitiges Vermieten unserer Autos reicher zu werden. In Wirklichkeit wird es dadurch für alle Beteiligten teurer.
    Mit bestem Gruß
    Martin Winkler

  • Hallo Herr Winkler,

    Heimspeicher für PV-Energie verkorksen definitiv nicht die Energiewende, sondern fördern sie.

    Die Mehrzahl dieser Speicher in Deutschland wird tagsüber mit Überschüssen der eigenen PV-Anlage geladen und bei für den eigenen Bedarf zu geringer PV-Leistung (z.B. nachts) entladen. Aus Sicht der Stromnetze werden damit Einspeisung und Bezug geglättet, was u.a. den Bedarf an Regelenergie reduziert.
    Nachts mit Kohlestrom zu laden gehört in Deutschland nicht zu den Funktionen der meisten Heimspeicher. Andere Länder beabsichtigen damit u.a. die Kohlekraftwerke besser auszulasten, weil deren Emission pro kWh bei geringer Auslastung deutlich steigt und der Wirkungsgrad sinkt.

    Es gibt zwar auch in Deutschland zusätzliche Geschäftsmodelle (u.a. Regelenergie) für kleine Speicher (z.B. < 10 kWh), aber die Aufgaben werden überwiegend von kommerziell betrieben Großspeichern im MWh-Bereich erledigt. Bei beiden Speicherarten sind jedoch in der Kalkulation nicht nur die Strombezugs- und verkaufspreise relevant. Die Batteriealterung, z.B. bewertet in Euro pro entladener kWh (je nach System und Anwendung z.B. 8 – 20 Eurocent), lässt als zusätzliche Kostenposition die Kalkulation anders aussehen.

    Die CO2-Bilanz zu kalkulieren inkl. der Speicherherstellung, verringerter/erhöhter Emissionen von Kohlekraftwerken und weiteren Faktoren ist so komplex, dass sich damit ganz Projektgruppen auseinandersetzen. Während der Energiewende wäre m.E. sogar eine kurze, zeitw. Erhöhung der Emissionen akzeptabel, weil sie danach dauerhaft sinken. Ein perfekter, fließender Übergang zwischen Kohlekraft und der Kombination aus erneuerbaren Energien und Speichern ist kaum organisierbar.

    Pumpspeicher sind auch wichtig, stehen aber nicht in direkter Konkurrenz. Beträge, die Tausende Heimspeicher-Besitzern hauptsächlich für die Erhöhung des PV-Eigenverbrauchs ausgegeben haben, zu Investitionen in Pumpspeicher für Regelenergie umzuleiten, ist m.E. weder hilfreich noch realistisch.

  • @Martin Winkler: Völlig richtig.

    Dazu kommt noch, dass Speicherung Lade- und Entladeverluste mit sich bringt. Immer dann, wenn die erzeugte Leistung vom Netz aufgenommen werden kann, ist es ein ökologisches Verlustgeschäft. Netzausbau wäre also wichtiger.

    Mir erzählte gerade jemand, er habe 34T€ in einen Speicher investiert und 17T€ als Förderung bekommen. Warum muss die Politik ökologische Nachteile zum wirtschaftlichen Vorteil von Investoren fördern?

  • Leider sind die Solarspeicher ein Paradebeispiel für eine verkorkste Energiewende. Auf die deutsche CO2 Bilanz haben sie so gut wie keinen Einfluss. Solange Regelenergie aus Kohlekraft benötigt wird, verpufft Ihre Wirkung
    Ökologisch gesehen, sind sie daher rausgeschmissenes Geld.

    Wirtschaftlich attraktiv sind die Speicher nur, weil der Besitzer nachts den Strom quasi für die gleichen 3,5 Cent/KWh bezieht, für die er den Strom tagsüber an der Strombörse verkaufen könnte. Aus der Differenz zu den 25-30 Cent/ KWh für Strom aus der Steckdose, kann man dann locker den Solarspeicher finanzieren.
    Würde man eine Regel schaffen, dass der Besitzer einer Solaranlage den Strom nachts zum gleichen Börsenpreis (Spotmarkt) beziehen kann, zu dem er ihn tagsüber verkaufen könnte, wäre die Investition hinfällig.
    Was würde dann passieren? Genau das gleiche wie heute. Den Netzbetreibern und Nutznießern aller Zuschläge zum eigentlichen Strompreis würde das gleiche Geld entgehen, welches ihnen beim Einsatz eines Stromspeichers heute auch entgeht.
    Das sinnlos in Solarspeicher investierte Geld könnte dann Klimawirksam in weitere Solar- und Windkraft investiert werden.

    Was passiert, wenn die Kohle nicht mehr als Regelenergie zur Verfügung steht?

    Viel sinnvoller (preiswerter) als tausende von Kleinspeichern wären zum Beispiel Pumpspeicherkraftwerke. Die möchte zwar auch niemand haben, aber ich sehe keinen vernünftigen Grund warum diese nicht z.B. im ehemaligen Braunkohletagebau untergebracht werden könnten. Dies würde gleichzeitig in diesen Regionen die Problematik wegfallenden Arbeitsplätze abmildern.
    Warum werden diese nicht schon heute gebaut? Beantworten wir dies andersherum. Würden die Speicherkraftwerke die gleichen Subventionen erfahren wie private Kleinspeicher könnten wir uns vor Projektanträgen vermutlich kaum retten. (In der Praxis ist heute die Differenz zwischen Strompreis in der Nacht und tagsüber zu gering)

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