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BCG-StudieGrüner Wasserstoff ist deutlich teurer als gedacht

Wasserstoff aus erneuerbarer Energie gilt wichtigen Industrien als einzige Lösung gegen CO2-Emissionen. Doch Strategen haben offenbar die Kosten unterschätzt. Erste Projekte geraten in Gefahr.Kathrin Witsch 13.10.2023 - 14:35 Uhr Artikel anhören

Grüner Wasserstoff wird teurer.

Foto: IMAGO/Jochen Tack

Düsseldorf. Grüner Wasserstoff ist deutlich teurer als angenommen. Das ergab eine Analyse der Beratungsagentur BCG, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. „Eine Mischung aus mehreren Entwicklungen sorgt dafür, dass die Kosten für tatsächliche Wasserstoffprojekte gerade höher sind als früher angenommen“, sagt Jens Burchardt, Energieexperte bei BCG. 

Statt drei Euro pro Kilogramm würden für grünen Wasserstoff ab 2030 voraussichtlich Preise zwischen fünf bis acht Euro aufgerufen. Auch der tagesaktuelle Wasserstoffpreisindex Hydex schwankt aktuell zwischen vier bis acht Euro je Kilogramm. Branchenteilnehmer berichten dem Handelsblatt teilweise sogar von Preisen bis zu zehn Euro. Erste Projekte würden bereits auf den Prüfstand gestellt. „Wenn hier nichts passiert, werden viele dieser Projekte nicht umgesetzt“, glaubt auch Burchardt. 

Für die Energiewende wäre das eine katastrophale Nachricht. Grüner Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für den Umbruch von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien. Überall dort, wo Ökostrom keine Lösung ist, soll grüner Wasserstoff helfen, die Industrie zu dekarbonisieren. 

In manchen Branchen gilt der grüne Wasserstoff sogar als die einzige Alternative, beispielsweise in der Chemie-, Zement- oder Stahlindustrie. Auch im Schwerlastverkehr soll grüner Wasserstoff eingesetzt werden. Der Bedarf ist riesig. Die Bundesregierung will bis 2030 zehn Gigawatt an grünem Wasserstoff hierzulande produzieren. Noch sind die Mengen auf dem Markt allerdings verschwindend gering.

Mit Wasser und dem Verfahren der Elektrolyse wird grüner Wasserstoff aus grünem Strom hergestellt. Die Wasserstoffwirtschaft steht dabei allerdings erst am Anfang. Projekte gibt es bislang nur auf Pilotbasis. Bis 2030 sind dagegen allein in Deutschland und den Niederlanden Projekte mit einer Kapazität von 23 Gigawatt angekündigt. Eine finale Investitionsentscheidung steht in den meisten Fällen allerdings noch aus. 

„Wie in allen anderen Branchen haben Inflation, steigende Zinsen und hohe Strompreise auch Projekte für grünen Wasserstoff deutlich teurer werden lassen“, bestätigt Nils Aldag, Mitgründer und CEO des Elektrolyseur-Herstellers Sunfire, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Hinzu kommen laut Experten unterschätzte Gesamtkosten für Projekte mit grünem Wasserstoff und eine langsamere Lernkurve bei der Entwicklung von Elektrolyseuren. 

Jahrelanges Warten auf politische Entscheidungen

Vor allem für zukünftige Abnehmer könnte das zum Problem werden. Zu solchen Kosten werde grüner Wasserstoff in Deutschland kaum Nachfrage finden, ist auch Burchardt überzeugt. Unternehmen berichten von Unsicherheiten bei ihren Kunden. Das liege aber auch daran, dass teilweise Entscheidungen über finanzielle Hilfen aus Brüssel auch nach mehreren Jahren noch immer ausstehen und regulatorische Instrumente wie die Wasserstoffbank der Europäischen Union gerade erst anlaufen. 

Die Wasserstoffbank soll für grünen Wasserstoff in der EU eine Umweltprämie an die Industrie auszahlen und so die Preisdifferenz zwischen fossilem und grünem Wasserstoff ausgleichen. Das Budget ist zum Start allerdings begrenzt: Gerade mal 800 Millionen Euro stehen aktuell zur Verfügung. Das sei viel zu wenig, kritisieren Branchenteilnehmer. 

Sunfire-Chef Aldag zeigt sich trotzdem optimistisch: „Ja, es ist teurer geworden, aber es gibt auch Mechanismen, die uns helfen, und dann lassen sich die höheren Preise auch in den Griff bekommen“, ist er überzeugt.

Vor allem die deutschen Klimaschutzverträge, die Wirtschaftsminister Robert Habeck ausgearbeitet hat, könnten den Kostenanstieg dämpfen. Darin sind zusätzliche Förderungen für die Industrie vorgesehen. Das Geld soll dabei vor allem höhere Kosten durch die Umstellung auf eine klimafreundliche Produktion ausgleichen. Voraussetzung sind der Einsatz von 100 Prozent Ökostrom und bisherige Emissionen von zehn Kilotonnen CO2 pro Jahr und Firma.

Energieexperte Burchardt ist überzeugt, dass das nicht ausreicht. Vor allem für Projekte in dieser Dekade brauche es Subventionen, um die hohen Produktionskosten abzufedern. „Wir glauben weiterhin, dass die Preise in den 30er-Jahren deutlich sinken“, so Burchardt. 

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Angesichts der hohen Preise sei die Frage nach der zukünftigen Rolle von Wasserstoff aber trotzdem beantwortet: „In Sektoren, die eine Alternative haben, wird Wasserstoff bei solchen Kosten keine große Rolle spielen, zum Beispiel für Gasheizungen in Privathaushalten“, ist Burchardt überzeugt.

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