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Energie

Bergbauriese Anglo American Milliardengräber unterm Zuckerhut

Thyssen-Krupp versenkte einen Milliardenbetrag beim Bau von Stahlwerken in Brasilien und den USA. Nun sind die Essener sind nicht mehr allein: Auch der Bergbaukonzern Anglo American schreibt Milliarden in Brasilien ab.
Update: 29.01.2013 - 12:38 Uhr Kommentieren
Rio de Janeiro: Mehrere internationale Konzerne versenkten Milliarden in Brasilien. Quelle: dpa

Rio de Janeiro: Mehrere internationale Konzerne versenkten Milliarden in Brasilien.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/LondonDeutschlands Stahlkonzern Thyssen-Krupp steht mit seiner Misere nicht mehr alleine da. Der Bau von Stahlwerken im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro und im US-Staat Alabama kosteten den Konzern mehrere Milliarden Euro. Nun räumt auch der Berbaugriese Anglo American ein vier Milliarden Dollar schweres Desaster in Brasilien ein.

Das Unternehmen mit Sitz in London und Johannesburg korrigiert den Wert der Eisenerz-Mine Minas Rio um vier Milliarden Dollar nach unten. Verzögerungen und immer höhere Kosten zwingen das Management zu diesem Schritt. Die Investitionen für das Projekt würden sich auf mehr als 8,8 Milliarden Dollar erhöhen, heißt es in einer Mitteilung. Ziel sei es weiterhin, bis Ende 2014 die ersten Eisenerz-Vorräte verladen zu können.

Die scheidende Firmenchefin Cynthia Carroll spricht von einer „Vielfalt von Herausforderungen“. Minas Rio ist die größte Baustelle des Konzerns und hauptverantwortlich dafür, dass die einst gefeierte Managerin ihren Ruhm eingebüßt hat. Die 56-jährige Carroll war die erste Frau, der erste externe Kandidat sowie die erste nicht aus Südafrikana stammende Person an der Spitze von Anglo.

Als neuen Vorstandschef kürte der Rohstoffkonzern Mark Cutifani als neuen Vorstandschef. Er soll zum 3. April Cynthia Carroll an der Spitze eines der größten Rohstoffkonzerne der Welt ablösen. Der Australier steuerte bislang den südafrikanischen Goldförderer AngloGold Ashanti, den drittgrößten Barrenproduzenten der Welt.

Anglo American hatte die brasilianische Mine für rund fünf Milliarden Dollar von dem brasilianischen Großindustriellen Eike Batista gekauft. Die Investitionen erreichten aber immer neue Höhen und liegen mittlerweile bei mehr als dem Dreifachen der ursprünglichen Annahmen. Eigentlich sollte der Kauf in Brasilien das Unternehmen unabhängiger von der Förderung in Südafrika machen.

Immerhin fällt die Abschreibung nicht ganz so schlimm aus, wie ursprünglich befürchtet. Der Kostenzuwachs ist „geringer als die Marktteilnehmer befürchtet hatten“, meint Fraser Jamieson, Bergbau-Analyst der US-Großbank JP Morgan. „Eine Abschreibung über vier Milliarden Dollar nach Steuern rangiert auch in der unteren Bandbreite der Erwartungen.“ So kletterte die Anglo-Aktie im Londoner Handel zunächst um mehr als zwei Prozent.

Entlassung von 14.000 Kumpel auf Eis gelegt

Eisenerz-Abbau in Brasilien: Die Förderung bei Anglo American stockt. Quelle: Reuters

Eisenerz-Abbau in Brasilien: Die Förderung bei Anglo American stockt.

(Foto: Reuters)

Doch das Milliardengrab in Brasilien ist nicht die einzige Baustelle für den Konzern und den neuen Chef Cutifani. Blutige Arbeitskämpfe in Südafrika erschütterten den Konzern. Die Produktion in den Platin- und Diamantenminen kam wegen teils gewalttätiger Streiks zum Erliegen. Die Arbeiter forderten höhere Löhne und eine bessere Vertretung durch Gewerkschaften. Im Zuge der Proteste starben 44 Arbeiter.

Der Rohstoffkonzern kappte nach den Streiks im November die Dividende um die Hälfte. Auch die Investitionsausgaben fuhr der Konzern um rund 200 Milliarden Dollar herunter. Carroll hielt bislang an dem Geschäft in Südafrika fest. Der Konkurrent Gold Fields hingegen plant, große Teile des südafrikanischen von dem internationalen Geschäft abzutrennen.

Doch bei der Platin-Tochter Anglo American Platinum steht neuer Ärger bevor. Der weltgrößte Produzent des Edelmetalls kündigte Anfang des Jahres an, vier seiner Minen in Südafrika zu schließen. Der südafrikanische Konzern kappt seine Produktion damit um 400.000 Unzen Gold pro Jahr. Das entspricht 19 Prozent der Gesamtherstellung.

Der Schritt betrifft zudem mehr als 14.000 Arbeiter. Damit droht rund einem Viertel der Belegschaft die Arbeitslosigkeit. Die geplanten Jobstreichungen setzte der Konzern aber vorerst aus. Man werde die Entscheidung um bis zu 60 Tage aufschieben, um mit Gewerkschaften und der Regierung zu sprechen, teilte das Unternehmen mit. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 58.000 Menschen.

Insgesamt sollen die jährlichen Aufwendungen um 3,8 Milliarden Rand (327 Millionen Euro) gedrückt und die Investitionen zurückgefahren werden. 2011 war der Gewinn des Unternehmens trotz eines zweistelligen Umsatzwachstums um 28 Prozent gefallen. 2012 droht sogar ein Verlust. Der Bergbaukonzern steuerte zuletzt rund 40 Prozent zur weltweiten Förderung von Platin bei. Mehr als die Hälfte der jährlich geförderten Menge an Platin wird zur Herstellung von Produkten wie Autokatalysatoren verwendet.

Hoffnung für Thyssen-Krupp

Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
blech_veredelt
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Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt.

(Foto: PR - ThyssenKrupp)
rolltreppen
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Rolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum Thyssen-Krupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden.

(Foto: PR - ThyssenKrupp)
Aufzüge
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Allen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von Thyssen-Krupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010.

(Foto: PR - ThyssenKrupp)
anlagenausrüstung
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Für die Automobilindustrie bietet Thyssen-Krupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen.

(Foto: PR - ThyssenKrupp)
zementklinkerproduktion_senegal
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Thyssen-Krupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal.

(Foto: PR - ThyssenKrupp)
fördertechnik
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Dieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der Thyssen-Krupp-Sparte „Plant Technology“.

großwälzlager
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Großwälzlager von Thyssen-Krupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen.

(Foto: PR - ThyssenKrupp)

Im Zuge der Probleme büßte der Bergbauriese in den vergangenen fünf Jahren rund 14 Milliarden Dollar an Börsenwert ein. Vorstandschefin Carroll geriet damit zunehmend unter Druck. Zuletzt hatte auch der Rivale Rio Tinto seinen Chef Tom Albanese vor die Tür gesetzt. Das Unternehmen musste zuvor 14 Milliarden Dollar abschreiben. Mehrere Übernahmen hatten sich als Fehlkäufe herausgestellt - etwa des Aluminium-Herstellers Alcan sowie von Geschäften in Mosambik.

Anglo American wurde 1917 in Südafrika gegründet und erwirtschaftete 2011 mehr als die Hälfte des operativen Gewinns in dem Land. Heute ist der Hauptsitz des Unternehmens in London. Zu dem Konzern gehört auch der Diamantenförderer De Beers.

Der deutsche Stahkonzern Thyssen-Krupp wiederum kann sein Brasilien-Abenteuer offenbar bald beenden. Der brasilianische Rivale CSN leiht sich laut einem lokalen Zeitungsbericht Geld, um die hochdefizitären Stahlwerke zu kaufen. Dabei gehe es um eine Summe von umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro, schreibt die brasilianische Zeitung „Valor Economico“ unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise.

Weder Thyssen-Krupp noch CSN wollten den Bericht kommentieren. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte sich bei der Hauptversammlung vor gut zwei Wochen in Bochum zuversichtlich gezeigt, den Verkauf der beiden Werke bis zum Herbst abschließen zu können. Die Aktien stiegen zeitweilig um mehr als zwei Prozent und waren damit Spitzenreiter im Dax.

Mit Material von Reuters, dpa und Bloomberg

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