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Energie

Bilanzcheck Die Risiken des Wachstumskurses – welche Baustellen Eon beseitigen muss

Der Energiekonzern will zu einem der größten Versorger Europas werden. Tatsächlich müssen Aktionäre die Wachstumsperspektiven aber kritisch hinterfragen.
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Eon will mit intelligenten Netzen und innovativen Kundenlösungen Wachstum generieren. Quelle: dpa
Hochspannungsleitungen von Eon

Eon will mit intelligenten Netzen und innovativen Kundenlösungen Wachstum generieren.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEin Jahr nach seinem Coup ist Eon-Chef Johannes Teyssen noch immer sichtbar stolz. Der umfangreiche Tausch von Aktivitäten, den er damals mit Erzrivale RWE vereinbart hatte, sei „die bis dato spannendste Transaktion der europäischen Energiewirtschaft“, sagte der Energiemanager bei der letzten Bilanzpressekonferenz im März.

Noch ist der Deal zwar nicht perfekt. Denn die Genehmigung für die geplante Übernahme von RWEs Tochter Innogy durch die EU-Kommission steht noch aus.

Auf der Hauptversammlung am kommenden Dienstag in der Essener Grugahalle wird Teyssen den Aktionären aber schon die in seinen Augen glänzenden Perspektiven der neuen Eon schildern: Der Konzern wird zu einem der größten Versorger Europas aufsteigen – und sich dabei auf die Sparten Vertrieb mit rund 50 Millionen Kunden und Netze mit 1,5 Millionen Kilometern an Leitungen konzentrieren.

Tatsächlich müssen die Aktionäre die Wachstumsperspektiven aber kritisch hinterfragen. Die Bilanz für 2018 zeigt schließlich zweierlei: Erstens, Eon kann frisches Wachstum gut gebrauchen. Zweitens, und das ist bedenklich, gerade in den Sparten, auf die Eon künftig setzen will, laufen die Geschäfte mühsam.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank 2018 um drei Prozent auf knapp unter drei Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss sieht auf den ersten Blick besser aus, er stieg zwar um fünf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

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Eon rechnet bei diesen zentralen Steuerungsgrößen aber umfangreiche – nicht-operative – Sondereffekte heraus: Unter anderem die Marktbewertung von Derivaten, die stark schwankt, oder Buchgewinne und -verluste aus Desinvestitionen und bestimmte Restrukturierungsaufwendungen. Unbereinigt ist das Ebit sogar um rund ein Fünftel auf knapp vier Milliarden Euro gesunken.

Der Überschuss ging um 16 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zurück. Besonders die Bewertung von Derivaten, mit denen sich Eon unter anderem gegen die Entwicklung der Rohstoffpreise absichert, machte sich bemerkbar. Während es zum 31. Dezember 2017 einen negativen Wert von 954 Millionen Euro gab, war der Effekt dieses Mal mit 610 Millionen Euro positiv.

Zudem profierte Eon im vergangenen Jahr vom Verkauf seines restlichen Anteils von 46,65 Prozent am Stromproduzenten Uniper an den finnischen Energiekonzern Fortum für 3,8 Milliarden Euro.

Plus bei den Erneuerbaren

Aber selbst die bereinigten Zahlen lassen Zweifel an der künftigen Aufstellung aufkommen: In beiden Sparten, auf die Eon künftig setzen will, ging das bereinigte Ebit zurück. Bei den Energienetzen sank es um neun Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Eon hatte im Jahr zuvor von einem Einmaleffekt bei der Regulierung profitiert. Gleichzeitig fielen die Erträge aus dem Hamburger Gasnetz weg, das Eon nach einem Volksentscheid Anfang 2018 an die Stadt Hamburg zurückgeben musste.

In der Sparte Kundenlösungen, in denen der Vertrieb an die Privat- und Geschäftskunden enthalten ist, sank das Ebit sogar um 14 Prozent auf 413 Millionen Euro. Eon kämpft in vielen Märkten mit einem harten Wettbewerb – insbesondere in Großbritannien ist die Regulierung scharf.

Lediglich die erneuerbaren Energien entwickelten sich erfreulich – mit einem Plus von 15 Prozent auf 521 Millionen Euro. Eon profitierte von neuen Windparks in den USA und Großbritannien. Aber genau dieses Geschäft will Eon nicht fortführen.

Im Zuge des Tauschgeschäfts mit RWE will Eon zwar Innogy übernehmen, wird aber selbst nur die Sparten Netze und Vertrieb behalten. Das Geschäft mit erneuerbaren Energien erhält RWE – und zwar die entsprechende Sparte von Innogy und auch das Geschäft, das Eon derzeit selbst noch betreibt. Zudem bekommt RWE noch neben einigen anderen kleineren Aktivitäten eine Beteiligung an Eon von 16,67 Prozent. Eon wiederum erhält eine Ausgleichszahlung von 1,5 Milliarden Euro.

Entwicklung von Innogy im Fokus

Besonders kritisch dürften die Eon-Aktionäre deshalb auch die Entwicklung von Innogy verfolgen. Auch beim Unternehmen, das Eon bis zum Jahresende übernehmen will, liefen die Geschäfte enttäuschend. In der Netzsparte stagnierte das Ebit mit knapp zwei Milliarden Euro, im Vertrieb ging es sogar um 21 Prozent auf 654 Millionen Euro zurück.

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Einen beträchtlichen Teil des Ebits erwirtschaftet Eon im Übrigen noch mit den Kernkraftwerken. Sie hat der Konzern zu Recht als „Nicht-Kerngeschäft“ identifiziert. Das steuerte aber 382 Millionen Euro zum Ebit bei – immerhin noch 13 Prozent.

Auf den ersten Blick dramatisch war die Entwicklung beim Umsatz. Er brach um rund 20 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro ein. Allerdings lag das an einem Sondereffekt. Wegen neuer Bilanzvorschriften weist Eon die EEG-Umlage nicht mehr im Umsatz aus. Eon sammelt die Umlage, mit der der Ausbau der erneuerbaren Energien mitfinanziert wird, zwar von jedem Stromkunden über den Strompreis ein, reicht sie aber direkt weiter. Bereinigt um den technischen Bilanzierungseffekt ist der Umsatz nach Eons Angaben operativ sogar leicht gestiegen.

Die Dividende steigt

Eon braucht auf jeden Fall neues Wachstum. Teyssen betont deshalb, dass sein Unternehmen mit intelligenten Netzen und innovativen Kundenlösungen „zwei Zukunftsmärkte mit viel Potenzial“ bei der Energiewende besetzen werde. Die Verteilnetze sollen digital werden und die Verzahnung von Strom, Wärme und Verkehr ermöglichen. Gleichzeitig will Eon neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln, um mehr zu sein als ein reiner „Versorger“.

Ob sich so substanziell neue Umsätze erzielen lassen, ist aber offen. Eon stellt selbst heraus, dass das künftige Geschäft noch mehr reguliert sein wird, als es jetzt schon ist. Rund 80 Prozent des Ergebnisses sollen nach der Übernahme von Innogy aus reguliertem Geschäft kommen – vor allem eben den Netzen. In den nationalen Märkten legen Regulierungsbehörden fest, welche Renditen Eon erwirtschaften darf.

Das hat einen Vorteil, den derzeit vor allem Finanzinvestoren schätzen: Die Einnahmen sind verlässlich und gut zu kalkulieren. Es hat aber auch einen Nachteil: Die Möglichkeiten, die Gewinne zu steigern, sind gedeckelt. Eon muss sich deshalb Wachstum mit neuen Produkten und Dienstleistungen suchen. Das Geschäft ist aber mühsam und umkämpft.

Erfreulich entwickelt sich die Nettoverschuldung. Ende 2018 summierte sie sich auf 16,6 Milliarden Euro. Ende 2017 waren es noch 19,2 Milliarden Euro und Ende 2016 sogar 26,3 Milliarden. Eon konnte vor allem durch den Ausstieg bei Uniper Schulden abtragen. Zudem tilgte der Konzern Finanzverbindlichkeiten in Höhe von zwei Milliarden Euro planmäßig durch liquide Mittel.

Eon rechnet mit Stagnation

Der Cashflow vor Zinsen und Steuern verbesserte sich 2018 um 6,3 Milliarden Euro auf 4,1 Milliarden Euro. 2017 hatte Eon hier noch einen Fehlbetrag von 2,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Das lag aber an einem gewaltigen Sondereffekt. Eon hatte sich wie die anderen Atomkonzerne mit der Bundesregierung auf eine langfristige Finanzierung des Atomausstiegs geeinigt.

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Dabei wurde die Zuständigkeit für die Entsorgung und Endlagerung des nuklearen Abfalls auf einen Atomfonds übertragen. Im Gegenzug musste Eon im Juli 2017 10,3 Milliarden Euro in den Fonds einbringen. Andererseits hatte Eon 2017 auch von einer Erstattung der Kernbrennstoffsteuer in Höhe von 2,9 Milliarden Euro profitiert. Entsprechende Sondereffekte gab es im vergangenen Jahr nicht.

Für 2019 rechnet Eon mit einem bereinigten Ebit von 2,9 bis 3,1 Milliarden Euro und einem bereinigten Überschuss von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro – also im Schnitt mit einer Stagnation. Erfreulich ist für die Aktionäre aber die Entwicklung der Dividende. Für das vergangene Jahr sollen sie 43 Cent erhalten – also 13 Cent mehr als im Jahr zuvor. Für 2019 stellt Teyssen ihnen schon eine Dividende von 46 Cent in Aussicht.

Die Dividende wird die Aktionäre für Teyssens großes Projekt gewogen stimmen. Im zweiten Halbjahr will er die Transaktion mit RWE abschließen. Noch hat er freilich eine hohe Hürde zu überspringen. Während RWE schon alle Genehmigungen vorliegen hat, prüft die EU-Kommission Eons Part kritisch. Das Ergebnis wird erst Anfang des zweiten Halbjahres vorliegen.

 Teyssen ist zuversichtlich, dass der Deal – wenn auch unter Auflagen – genehmigt wird. Dann beginnt aber der vielleicht noch schwierigere Teil – die Integration von Innogy. Und die Aktionäre müssen hoffen, dass die „spannendste Transaktion der europäischen Energiewirtschaft“ auch wirklich ein Erfolgsmodell wird.

Handelsblatt Energie Briefing
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