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Energie

Bilanzcheck RWE bricht in allen Bereichen ein – Erneuerbare sollen es richten

Ökostrom statt Braunkohle: Der Essener Energiekonzern kämpft an verschiedenen Fronten gegen Altlasten. In der Bilanz finden sich aber auch Stärken.
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Die Braunkohle wird für den Energiekonzern zunehmend zum Problem. Quelle: dpa
RWE-Kraftwerk in Niederaußem

Die Braunkohle wird für den Energiekonzern zunehmend zum Problem.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Am Freitag in der Essener Grugahalle wird Vorstandschef Rolf Martin Schmitz stolz seine Vision von der „neuen RWE“ skizzieren. 2019 soll schließlich ein besonderes Jahr werden. „Das Jahr, in dem wir ein neues Kapital in der Geschichte von RWE schreiben werden“, wie Schmitz bei der Bilanzpressekonferenz im März ankündigte. Bis Ende des Jahres will der Konzernchef das milliardenschwere Tauschgeschäft mit Eon abschließen.

RWE soll dann wieder in die Produktion von grünem Strom einsteigen – und die komplette Palette der Stromerzeugung von Windrädern bis zu Kohle- und Gaskraftwerken abdecken. „Wir sind im Aufbruch“, verspricht Schmitz. Die Aktionäre werden die Signale nur allzu gerne vernehmen. Einen Aufbruch kann Deutschlands größter Kohleverstromer jedenfalls gut gebrauchen, aktuell ist die Lage noch trist. 2018 musste RWE wieder kräftige Einbußen verkraften.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 28,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Das Konzern-Nettoergebnis brach um 82,4 Prozent auf 335 Millionen Euro ein. Die Aktivitäten, die bei RWE verbleiben sollen, schrieben dabei sogar rote Zahlen.

RWE erzeugte nicht nur zwölf Prozent weniger Strom als im Vorjahr. Unter anderem musste der Konzern mit Gundremmingen das nächste Atomkraftwerk vom Netz nehmen, aber auch vier alte Braunkohleblöcke. Mit dem Strom, den der Konzern produziert, verdiente er dann auch noch weniger.

RWE erlöste mit den Braunkohle- und Atomkraftwerken im Schnitt 28 Euro je Megawattstunde (MWh) – und damit kaum mehr, als an Betriebskosten anfallen. Bei Steinkohle- und Gaskraftwerken fällt es dem Konzern noch schwerer, annehmbare Margen zu erzielen.

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Zwar haben sich die Rahmenbedingungen für Stromproduzenten wie RWE auf den ersten Blick verbessert. Im Großhandel hat sich der Strompreis von den Tiefständen Anfang 2016, als er auf fast 20 Euro je MWh abgestürzt war, wieder erholt und tendiert aktuell bei mehr als 45 Euro. RWE verkauft den Strom aber am Terminmarkt in Tranchen über mehrere Jahre hinaus im Voraus. Der Konzern konnte so zwar einen Teil des Einbruchs abfangen, seine eigenen Tiefstpreise schlugen aber auch erst im vergangenen Jahr voll durch.

Einbruch in allen Bereichen

Der Einbruch im Ergebnis zieht sich dabei durch alle Bereiche. In der Sparte Braunkohle & Kernenergie sank das Ebitda um 46,9 Prozent auf 356 Millionen Euro. Aber auch die Gas- und Steinkohlekraftwerke, die im Segment Europäische Stromerzeugung zusammengefasst sind, büßten 27,9 Prozent auf 334 Millionen Euro ein.

Auch im Energiehandel sank das Ergebnis von RWE um 32,5 Prozent auf 183 Millionen. Schuld waren eine „schwächere Handelsperformance“ und eine Wertberichtigung. Die „neue RWE“ soll zwar erst Ende des Jahres stehen. Die Bilanz für 2018 hat RWE aber schon im großen Umfang an die geplante Transaktion mit Eon angepasst. Schmitz hatte im März 2018 mit Eon-Chef Johannes Teyssen einen umfassenden Tausch von Aktivitäten vereinbart.

Dabei wird Eon die bei RWE verbliebene Beteiligung von 76,8 Prozent an Innogy übernehmen. Der Konkurrent will aber nur die Sparten Vertrieb und Netz des Unternehmens behalten, das RWE erst 2016 an die Börse gebracht hatte. RWE bekommt die erneuerbaren Energien von Innogy direkt zurück und auch die, die derzeit Eon betreibt.

Zudem erhält RWE von Eon Beteiligungen an Kernkraftwerken und am österreichischen Versorger Kelag, Gasspeicher, eine Zahlung von 1,5 Milliarden Euro und eine 16,67-Prozent-Beteiligung an Eon. RWE hat für seinen Teil der Transaktion zwar schon alle Genehmigungen vorliegen, Eon wartet aber noch auf die Freigabe durch die EU-Kommission. Der Deal ist also noch nicht perfekt. Trotzdem hat RWE im Geschäftsbericht die Beteiligung an Innogy neu abgegrenzt.

Bisher hatte RWE Innogy komplett erfasst. Nun aber differenziert der Konzern zwischen den „fortgeführten Aktivitäten von Innogy“, die langfristig im Konzern bleiben werden, also im Wesentlichen die erneuerbaren Energien, und den Teilen von Innogy, die von Eon übernommen werden, also im Wesentlichen Vertrieb und Netze. Diese werden jetzt als „nicht fortgeführte Aktivitäten“ ausgewiesen. Gewinn-und-Verlust-Rechnung, Bilanz und Kapitalflussrechnung werden dadurch erheblich beeinflusst.

In der Gewinn-und-Verlust-Rechnung sind die „nicht fortgeführten Aktivitäten“ nicht mehr mit ihren Erlösen und Kosten enthalten, sondern nur noch mit ihrem Nettogewinn. Dadurch schnurrt der Konzernumsatz auf 13,4 Milliarden Euro zusammen. Im vergangenen Jahr hatte RWE in der alten Berichtsweise noch einen Umsatz von knapp 45 Milliarden Euro ausgewiesen.

Wie gewaltig das Geschäft ist, das Eon übernimmt, zeigen die „Eckdaten der nicht fortgeführten Aktivitäten“ von Innogy: Hier ist ein Umsatz von 34 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Steuern von 1,7 Milliarden Euro verzeichnet. Deutlich entlastet wird RWE durch den Tausch bei den Schulden. Eon wird einen Großteil der Verbindlichkeiten von Innogy übernehmen.

Ende 2018 summierten sich die Nettoschulden der „fortgeführten Aktivitäten“ auf 4,389 Milliarden Euro, für die „nicht fortgeführten Aktivitäten“ waren es 14,95 Milliarden Euro. In den Vorjahreswerten sind die nicht fortgeführten Aktivitäten noch in den Einzelposten enthalten.

Kohleausstieg wird teuer

In der Bilanz hat Schmitz also schon Vorbereitung für die „neue RWE“ getroffen. Wie dringend der Konzern neue Perspektiven braucht, wird den Aktionären auf dem Weg zur Hauptversammlung vor Augen geführt. Vor der Grugahalle werden sich wie in jedem Jahr Umweltaktivisten positionieren – und gegen den Kohlekonzern Nummer eins protestieren.

Einige werden auch wieder in der Halle ans Rednerpult treten. Für die Aktivisten ist RWE ein Dinosaurier, der der Energiewende zum Trotz verzweifelt an Kohlekraftwerken festhält. Tatsächlich produzierte RWE im vergangenen Jahr wieder mehr als jede zweite Kilowattstunde in Braun- und Steinkohlekraftwerken.

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2038 soll damit Schluss sein. Bis dahin soll der Kohleausstieg in Deutschland abgeschlossen sein. Das hat die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission Ende Januar in ihrem Abschlussbericht empfohlen. Schon in einem ersten Schwung sollen bis 2023 im großen Stil Kohlekraftwerke vom Netz gehen – den Großteil davon soll RWE tragen. Schmitz spricht von einem „Kraftakt“ für das Unternehmen.

Der Konzern muss nicht nur Kraftwerke vorzeitig abschalten, er muss auch die Planungen für den Tagebau anpassen und die Folgen für die Belegschaft abfangen. Rund 10.000 der 18.000 Mitarbeiter sind derzeit in den Braunkohlekraftwerken und dem Tagebau im Rheinischen Revier beschäftigt.

Schmitz muss in den kommenden Monaten mit der Bundesregierung möglichst akzeptable Rahmenbedingungen für RWE aushandeln. Er fordert 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt Leistung in Braunkohlekraftwerken, die vom Netz gehen. Aktuell hat RWE zehn Gigawatt in Braunkohleanlagen installiert.
Vor besondere Probleme wird RWE im Tagebau Hambach gestellt. Der angrenzende Forst war 2018 zum Symbol für den Kampf gegen die Kohle geworden. Tatsächlich gelang es Umweltschützern, die geplante Rodung mit einem Eilantrag vor Gericht vorerst zu verhindern. RWE muss bald die Förderung drosseln – die Kohlekommission hält sogar einen endgültigen Verzicht auf die Rodung für „wünschenswert“.

Letzteres würde die kompletten Planungen von RWE über den Haufen werfen – und dürfte Milliarden kosten. Aber schon der vorläufige Stopp kostet viel Geld. Für die Jahre 2019 bis 2021 rechnet RWE jeweils mit einer Ergebnisbelastung von 100 bis 200 Millionen Euro.
RWE kalkuliert beim Ebitda in diesem Jahr mit 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro – also im Schnitt mit einer Stagnation. Zwar wird RWE den Anstieg der Strompreise endlich spüren. Allerdings wird der Konzern von einem Sondereffekt belastet: Großbritannien hat seinen Kapazitätsmarkt, mit dem Stromproduzenten für das Bereithalten von Kraftwerken entlohnt wurden, ausgesetzt. Bei früheren Auktionen waren RWE für 2019 rund 180 Millionen Euro zugesagt worden.

Trotz der angespannten Lage erhalten die Inhaber von Stamm- und Vorzugsaktien eine üppige Dividende von 70 Cent, für 2019 soll sie sogar auf 80 Cent steigen. Im vergangenen Jahr hatten sie zwar 1,50 Euro bekommen. Neben der regulären Dividende von 50 Cent hatte RWE aber auch eine Sonderdividende von einem Euro bezahlt – weil der Konzern eine milliardenschwere Rückerstattung der Atomsteuer erhalten hatte.

Die Stärken und Schwächen von RWE
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3 Kommentare zu "Bilanzcheck: RWE bricht in allen Bereichen ein – Erneuerbare sollen es richten"

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  • "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit" - RWE und andere Systemhaie müssen den Systemwandel jetzt erkennen. Der Klimawandel und daraus folgende Wetterextreme sind die grösste Gefahr für die Menschheit des 21.Jahrhunderts und es muss jetzt um neue Ressourcen gehen. Und es gibt revolutionäre Alternativen. Neutrino-Energy bietet ein unendliches Potential zur Energienutzung 24h in 365Tagen im Jahr an jedem Ort der Erde. Neutrino-Energy bezeichnet die Energie, die in winzig kleinen, unsichtbaren Teilchen, den Neutrinos enthalten ist. Diese Neutrinos treffen, ähnlich wie das Sonnenlicht, aus dem All auf unsere Erde. Im Gegensatz zur Sonnenstrahlung treffen Neutrinos aber jeden Quadratzentimeter der Erde ständig, unabhängig von dem geografischen Ort und dem Sonnenstand. Die Physik-Nobelpreisträger des Jahres 2015 haben gezeigt, dass diese Neutrinos eine, wenn auch winzig kleine, Masse haben. Damit enthalten sie aber auch Energie, wie die bekannte Formel E= m * c² aussagt. Wenn man diese Energie nutzen könnte, hätte die Menschheit eine nie versiegende, überall und immer verfügbare, absolut emissionsfreie Energiequelle. Die Berliner Neutrino Energy Group bietet Patente und Lizenzen zur Anwendung von Neutrino Energy - für eine dezentrale, mobile Haushaltsversorgung und für die Elektromobilität . RWE & Co. sollten jetzt schon Umbauen für eine neue Ära der Energienutzung.

  • Die volkswirtschaftlichen Schäden durch den zunehmenden Klimawandel, verursacht durch immer mehr Treibhausgase, werden immer größer: Flurschäden, Gebäudeschäden, Infrastrukturschäden durch Überschwemmungen und Stürme, Waldschäden durch Stürme und Trockenheit, Missernten durch Dürre oder zu viel Nässe mit höheren Lebensmittelpreisen als Folge usw.
    Darauf werde ich mit einem entsprechendem Votum reagieren.

  • Die Bilanz von RWE widerspiegelt sich in meiner so eben erhaltenen Stromrechnung.
    Von den gesamten Kosten, EUR 1206,40 (Steigerung fast 10%!) beträgt der Energieeinkauf, Vertrieb und Service nur noch EUR 305,12, also ca. 25%! Der Rest verteilt sich auf 271 Steuern, 290 Umlagen und 278 Netzentgelte, jeder von diesen Posten fast so groß wie die Energiekosten.
    Die Steuern und Umlagen (fast 50%) wurden von der Politik verursacht, die Netzentgelte von den Energiekonzernen die jahrelang nicht ins Netz investierten.
    Bezahlen tut der Bürger. Der sollt mit einem entsprechenden Votum reagieren!

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