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Energie

BP-Vorstand Sanyal zu Erneuerbaren Energien „Wir können nicht etwas aufbauen, das unseren Investoren keine Rendite bringt“

Während andere Ölkonzerne sich Strategien für die Zukunft überlegen, ist BP zurückhaltend. Der britische Milliardenkonzern setzt weiter auf fossile Energien. 
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Während andere Ölkonzerne sich eine Strategie für die Zeit nach dem Öl überlegen, zeigt BP sich zurückhaltend. Quelle: Bloomberg
Dev Sanyal (rechts)

Während andere Ölkonzerne sich eine Strategie für die Zeit nach dem Öl überlegen, zeigt BP sich zurückhaltend.

(Foto: Bloomberg)

London Seit Monaten kämpft der britische Ölriese immer wieder mit gezielten Aktionen von Klimaschützern auf der ganzen Welt. Erst vor der eigenen Haustür, der Zentrale in London, dann vor der Deutschlandzentrale in Bochum und schließlich auf einer Ölplattform in Schottland, auf der sich im Juni gleich mehrere Aktivisten festketteten. Die Proteste richten sich gezielt an BP und sollen den fossilen Riesen unter Druck setzen. 

Der viertgrößte Ölkonzern der Welt zeigt sich davon unbeeindruckt. „Unser Ziel ist es, in unserem aktuellen Portfolio eine Senkung der Treibhausgas-Emissionen um 3,5 Millionen Tonnen CO2 bis 2025 zu erreichen – und dabei trotzdem zu wachsen, vor allem im Bereich Gas“, sagt BP Alternative Energies-Vorstand Dev Sanyal im Interview mit dem Handelsblatt. 

Schließlich sei der Wettlauf nach weniger Emissionen in der Zukunft nicht ausschließlich ein Rennen der Erneuerbaren. 

Auch BP investiert im Ökosektor: Erst vor wenigen Wochen verkündete der Ölkonzern ein mehrere hundert Millionen Euro schweres Joint Venture mit dem brasilianischen Biokraftstoffproduzenten Bunge. 

„Wir wollen in diesem Bereich investieren, aber das ist für uns kein Hobby, das ist ein Geschäft“, stellt Sanyal klar. Eine wirkliche Alternative zu Öl und Gas sieht er für BP in den Erneuerbaren nicht. „Wir können nicht etwas aufbauen, dass sich dann nicht wirtschaftlich lohnt und unseren Investoren keine Rendite bringt.“

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Im Moment ist das Thema Klimaschutz so sehr im Fokus der Öffentlichkeit wie schon lange nicht mehr. Vor allem die Ölkonzerne stehen oft in der Kritik. Sehen Sie BP in der Verantwortung?
BP unterstützt das Pariser Klimaschutz-Abkommen. Bei allen Klimaschutzmaßnahmen muss aus unserer Sicht ein evolutionärer Prozess im Vordergrund stehen. Dabei kommt es entscheidend darauf an, ideologiefrei die erfolgversprechendsten und effizientesten Maßnahmen durchzusetzen. Dazu müssen alle an einem Strang ziehen: Unternehmen und Regierungen gemeinsam, und zwar sektorenübergreifend. Wir wollen uns nicht kleiner machen als wir sind, aber letztlich sind wir nur ein Unternehmen. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht gegeneinander, sondern alle miteinander an den Zielen arbeiten.

Shell will zum weltweit größten Stromkonzern werden, Total will 20 Prozent seiner Gewinne bis 2040 aus seinem Geschäft mit Erneuerbaren reinholen. Wie bereitet sich BP auf die Energiewelt der Zukunft vor?
Wir haben das größte operative Erneuerbare-Energien-Portfolio von allen unabhängigen Ölkonzernen. Der Wettlauf nach weniger Emissionen in der Zukunft ist aber nicht ausschließlich ein Rennen der Erneuerbaren. Sie sind zwar sehr wichtig – und wir haben dieses Segment in den letzten drei Jahren stark ausgebaut und werden das auch weiter tun. Aber wir müssen uns auch unser bestehendes Geschäft angucken, weil alle Energieformen eine wichtige Rolle spielen. Was die Energiewende betrifft, folgen wir dem Dreiklang: reduzieren, verbessern und erweitern. Bei der Energiewende geht es im Kern darum, wie man bestmöglich ans Ziel kommt.

Aber gibt es eine langfristige Strategie für BP?
Die langfristige Strategie ist genau das: Emissionen reduzieren, Produkte verbessern und neue Geschäftsfelder entwickeln. Unser Ziel ist es, in unserem aktuellen Portfolio eine Senkung der Treibhausgas-Emissionen um 3,5 Millionen Tonnen CO2 bis 2025 zu erreichen – und dabei trotzdem zu wachsen, vor allem im Bereich Gas. Gleichzeitig investieren wir in Unternehmen wie Fulcrum BioEnergy, die nachhaltigen Treibstoff aus Bioabfall für Flugzeuge produzieren. Und wir investieren auch in E-Mobilität, zum Beispiel mit dem Kauf von Chargemaster, dem größten Betreiber von Ladestationen in Großbritannien. Und dann haben wir natürlich auch eine Strategie für Erneuerbare Energien.

Wie sieht diese Strategie aus?
Aktuell haben wir mehrere Bereiche, auf die wir uns konzentrieren: Erstens Biokraftstoffe, wo wir durch unseren Zusammenschluss mit dem Unternehmen Bunge in Brasilien zum weltweit zweitgrößten Produzenten von Biokraftstoffen auf Zuckerrohrbasis geworden sind. Zweitens Windenergie, wo wir aktuell im Begriff sind, das Geschäft dahingehend zu verändern, dass es nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Drittens: Beim Thema Solarenergie sind wir mit Lightsource BP im Geschäft, dem größten Solarkonzern Europas.

Gleichzeitig investieren wir in Bioenergie, digitales Energiemanagement und emissionsarmen Strom. Hier geht es darum verschiedene Energieformen zusammenzubringen, zum Beispiel die Erneuerbaren und Erdgas, die sich gut ergänzen. Wir wollen in diesem Bereich investieren, aber das ist für uns kein Hobby, das ist ein Geschäft. Im Geschäft mit Erneuerbaren Energien müssen wir genau so diszipliniert sein, wie in jedem anderen Bereich bei BP.

Biokraftstoffe, Windenergie, Solarkraft: Es scheint, als mache BP ein bisschen von allem. Ist das eine Art Testlauf?
Das würde ich nicht so sehen, und ich denke, die über 10.000 Menschen, die für uns im Bereich Erneuerbare Energien arbeiten, sehen das auch nicht so. Natürlich kann man immer mehr tun, aber wir müssen es so tun, dass das Geschäft stabil laufen kann. Wir können nicht etwas aufbauen, dass sich dann nicht wirtschaftlich lohnt und damit unseren Investoren keine Rendite bringt. Und ich würde das zweitgrößte Biokraftstoffunternehmen Brasiliens nicht als Testlauf betrachten, genauso wenig wie Europas größtes Solarunternehmen, das wir nur allzu gern im kommenden Jahrzehnt zur weltweiten Nummer eins machen wollen.

Kritiker bemängeln, dass BP zu wenig investiert 

Mit 500 Millionen Dollar für Erneuerbare und über 15 Milliarden für Investitionen in fossile Energien ist der Fokus von BP aber recht deutlich.
Es geht nicht um die reine Zahl. Wichtiger ist vielmehr, welchen Effekt diese 500 Millionen haben. Wenn Sie sich vor Augen halten, dass wir 200 Millionen Dollar in Lightsource BP investiert haben und dieses Unternehmen seitdem sieben Milliarden Dollar an Investitionen erwirtschaften konnte, sieht die Sache schon anders aus. Wir verändern unser Portfolio und haben unter anderem unseren Gasanteil erheblich erhöht. Die Frage ist, wie kommen wir zu dem Ziel, das in Paris gesetzt wurde? Und das wird unser aller Anstrengung benötigen.

Ist das nicht genau der Punkt, den Umweltaktivisten kritisieren? Steht BP da nicht in der Verantwortung, mehr zu investieren?
Wir haben unser Tempo beschleunigt. Wir sehen klar die Verantwortung, mehr zu tun und wir wollen das auch. Aber wir werden das auf eine verantwortungsvolle Art und Weise tun, in jeder Hinsicht. Es ist nicht sinnvoll, ein großes Geschäft aufzubauen, das sich nicht trägt. Die heutige Batterietechnologie ist unter kommerziellen Gesichtspunkten noch nicht sinnvoll. Aber im Laufe der Zeit wollen wir sie einsetzen. Ein Beispiel hierfür ist unser erstes Projekt zur Batteriespeicherung mit Tesla in den USA. Mit diesem Projekt werden wir Lösungen finden, wie Windenergie für eine spätere Verwendung gespeichert werden kann. Wir sind überzeugt, dass die Technologien, in die wir heute investieren, auch nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich sind. Und wir investieren sehr viel, wenn wir etwas als eine kommerziell vielversprechende Technologie ansehen.

Also tut BP genug?
Denke ich, wir könnten mehr tun? Absolut. Aber wir müssen sicherstellen, dass wir klug vorgehen. Und ich denke, im Vergleich zu der Zeit vor einigen Jahren haben wir schon einiges vorzuweisen. Aber bei all den Überlegungen spielen auch Themen wie Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit von Energie eine große Rolle. 800 Millionen Menschen auf der Welt leben ohne Strom, die Hälfte davon in meinem Heimatland Indien – das wird in Europa oft vergessen.

Fühlen Sie sich manchmal von Umweltaktivisten missverstanden? Es gab gerade hier in London so viele Proteste gegen BP, etwa von Seiten bekannter Theaterschauspieler, die sich gegen BP-Spenden ausgesprochen haben.
Letztlich sind die Ziele dieser Menschen nicht anders als unsere. Wir haben mehrfach gesagt, dass wir hinter der Vereinbarung von Paris stehen, dass unsere Strategie mit dem Pariser Abkommen konsistent ist. Unsere Ziele weichen also keineswegs von denen der Umweltaktivisten ab. Entscheidend ist, dass wir alle mehr kooperieren, mehr zusammenarbeiten und stärker in einen konstruktiven Dialog treten sollten. Es ist gut, wenn Menschen unterschiedliche Ansichten vertreten. Aber Aktivitäten blind einzustellen ist nicht hilfreich. Aber nochmals, nüchtern betrachtet weichen die Ziele dieser Menschen und unsere nicht voneinander ab.

In der Straße von Hormus eskaliert gerade der Streit zwischen den USA, Europa und dem Iran. Inwieweit ist BP davon betroffen?
Wir haben kein Geschäft im Iran, und wir haben keine Pläne für Iran. Natürlich ist die Region wichtig für den Energiemarkt, und das spiegelt sich im Ölpreis wider. Für den Transport durch diese Region nutzen wir Drittanbieter. Unser Geschäft wurde daher nicht betroffen. Und wenn Sie sich den Ölpreis anschauen, ist der Markt relativ gelassen. Der Markt ist zumindest im Moment der Meinung, dass die Situation unter Kontrolle ist. Das gehört nicht zu den Dingen, die mir große Sorgen machen.

Gehört vielleicht das Thema Brexit zu den Dingen, die Ihnen mehr Sorgen machen?
Wenn Sie die Frage auf BP beziehen, dann ist es ganzheitlich betrachtet kein großes Thema für uns. Wir haben ein global gehandeltes Produkt, das in Dollar abgerechnet wird. Wir haben keine komplexen Lieferketten wie die Autoindustrie, wir haben keine Vorschriften wie Passporting-Rechte bei Banken – in dieser Hinsicht kann man vielleicht sagen, dass wir relativ immun sind gegen die Herausforderungen, die andere Sektoren im Zuge des Brexits haben. Wir sind ein globales Unternehmen, und so sind die Auswirkungen für uns nicht so gravierend. Natürlich haben wir Vorkehrungen getroffen. Aber das ist kein existenzielles Thema für BP.

Also bleibt British Petroleum auch British, und es gibt keine Pläne, den Sitz in einen anderen Teil der Welt zu verlagern?
London ist unsere Heimat und wir sind sehr froh, hier zu sein. London ist eine großartige Stadt und Großbritannien ist ein großartiges Land.

Also: Sie bleiben in London, sie bleiben ein Ölkonzern…
Wir sehen uns als Energiekonzern. Wir sind zwar im Bereich Öl tätig, aber auch in den Bereichen Gas, Solar, Wind und Bioenergie – wir sind ein Energieanbieter und wir entwickeln uns weiter. Im Jahre 2010 machte emissionsärmeres Gas 40 Prozent unseres Portfolios aus – heute sind es 50 Prozent. Gas wächst, Erneuerbare wachsen noch stärker. Der Energiemix wird sich verändern. Und die Frage ist: Wie kann sich dieser Mix so verändern, dass wir die Ziele erreichen, die wir uns gesetzt haben?

Würden Sie Greta Thunberg treffen, wenn sich die Möglichkeit böte?
Wir sind immer gesprächsbereit. Es ist gut, in einen Dialog einzutreten. Dinge einfach zu stoppen, ist es nicht. Das bringt keinen Erfolg. Sie hat viel Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt, und das muss man bewundern. Sie fordert Veränderungen, und zwar in einer kürzeren Zeit als wir es uns zum Ziel gesetzt haben und als es in Paris vereinbart wurde. Aber wer weiß? Wenn wir auf nachhaltigem Wege früher zum Ziel kommen als gedacht, wäre das großartig, wir würden das unterstützen. Aber wenn sich das Ziel nur mit einer massiven Disruption erzielen lässt, die einige Länder auf der Welt zurückwirft, wäre das tragisch.

Mehr: Der britische Ölriese investiert zwar ein paar hundert Millionen in Erneuerbare. Aber vor einer Strategie und klaren Bekenntnissen schreckt BP zurück – im Gegenteil zur Konkurrenz.

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