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Energie
Der Tagebau Hambach

Die Kohlekommission hält den Erhalt des angrenzenden Forsts für „wünschenswert“.

(Foto: imago/Manngold)

Brief an Mitarbeiter RWE Power rechnet nach Kohlekompromiss mit dem Abbau Tausender Jobs

Für die Energiebranche droht der Plan zum Kohleausstieg ein Kraftakt zu werden. Der RWE-Power-Vorstand bereitet seine Mitarbeiter auf harte Einschnitte vor.
2 Kommentare

Düsseldorf, BerlinFür Umweltschützer war das vergangene Wochenende ein historischer Durchbruch: Deutschland wird nach der Atomenergie bis spätestens 2038 auch aus der Kohleverstromung und -förderung aussteigen.

Für die betroffenen Stromkonzerne und ihre Mitarbeiter ist die Empfehlung der Kohlekommission dagegen bitter: „Die notwendigen Anpassungen werden ein Kraftakt für RWE, für das Rheinische Revier, für uns alle“, schrieb der Vorstand der zuständigen Tochter RWE Power an diesem Montag an seine rund 10.000 Mitarbeiter in einem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt.

Bereits bis 2023 sei ein Abbau von Arbeitsplätzen zu erwarten, „der deutlich über die bisherigen Planungen hinausgeht“: „Bis 2030 könnte sich das auf einige Tausend Beschäftigte summieren.“

Auf der einen Seite habe man jetzt nun „nach vielen angespannten Monaten mehr Klarheit über den weiteren Weg der Kohleverstromung in Deutschland“ gewonnen, schreiben RWE-Power-Chef Frank Weigand und seine drei Vorstandskollegen: „Auf der anderen Seite müssen wir uns darauf einstellen, dass es teils massive Einschnitte in unsere Planungen, insbesondere für die Braunkohlegewinnung und -verstromung geben soll.“

Am Wochenende hatte schon Konzernchef Rolf Martin Schmitz von „gravierenden Konsequenzen“ gesprochen. Und tatsächlich wird der geplante Kohleausstieg vor allem für RWE ein Kraftakt. RWE ist nicht nur Deutschlands größter Kohleverstromer, das Unternehmen fördert in seinen Tagebaubetrieben im Rheinischen Revier so viel Braunkohle wie kein Zweites in Deutschland.

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2017 produzierten die Braun- und Steinkohlekraftwerke des Unternehmens 87,5 Milliarden Kilowattstunden Strom – so viel wie 25 Millionen Haushalte im Jahr verbrauchen. Fast die Hälfte von RWEs Stromproduktion stammten aus den deutschen Kohleanlagen.

Bis 2038 soll Deutschland – und damit auch RWE – komplett aus der Förderung und Verstromung von Kohle aussteigen. So empfiehlt es die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission, die am Wochenende ihren Abschlussbericht präsentierte. Vor allem geht daraus hervor, dass RWE in der ersten Phase, bis 2022, die Hauptlast des Kohleausstiegs tragen soll.

Bis dahin sollen Kraftwerke mit einer Leistung von 12,5 Gigawatt aus dem Markt. Ein Teil davon ist schon länger identifiziert. Neu hinzu kommen drei Gigawatt in Braun- und vier Gigawatt in Steinkohleanlagen. Zumindest die Braunkohlekraftwerke wird weitgehend RWE stilllegen müssen – weil die Braunkohleregionen im Osten Deutschlands vorerst geschützt werden.

RWE soll auf Hambach verzichten

Und noch eine Klausel ist im Bericht enthalten, die RWE vor Probleme stellen wird. Die Kohlekommission hält es für „wünschenswert“, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt. Das 200 Hektar große Waldstück zwischen Köln und Aachen war in den vergangenen Monaten zum Symbol für den Kampf der Umweltschützer gegen die Kohle geworden.

Mit Waldbesetzungen, Demonstrationen und Klagen hielten sie RWE davon ab, den Wald zu roden und den Weg für die Braunkohlebagger im angrenzenden Tagebau Hambach frei zu machen. Jetzt soll RWE endgültig auf Hambach verzichten.

„Den Wunsch der Kommission, den Hambacher Forst möglichst zu erhalten, sehen wir kritisch“, hielt der RWE-Power-Vorstand fest: „Wir gehen aber davon aus, dass es hierüber zu Gesprächen mit Bundes- und Landesregierung kommen wird.“

Die Analysten von Bernstein Research schätzen allein die Kosten für eine kurzfristige Schließung des Tagebaus Hambach und angeschlossener Braunkohlekraftwerke auf 2,25 bis 3,8 Milliarden Euro. Schließlich würde RWE nicht nur der geplante Stromabsatz entgehen, es kämen auch Kosten für die Abwicklung des Tagebaus hinzu.

Trotz der offensichtlich gravierenden Einschnitte, die der Kohleausstieg für RWEs Portfolio und die Bilanz des Konzerns mit sich bringen wird, reagierten die Anleger fast teilnahmslos. Die Aktie war fast permanent im Plus und notierte am Nachmittag auf dem Startniveau.

Das hat einen simplen Grund. Der Bericht der Kohlekommission sieht neben Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher bei den Strompreisen und Strukturhilfen für die Regionen auch Entschädigung für die Stromkonzerne vor.

Wie hoch die Entschädigungen ausfallen könnten, steht im Bericht zwar nicht. Allerdings enthält das Dokument einige Hinweise, mit denen sich zumindest die Größenordnung abschätzen lässt. Der entscheidende Passus findet sich auf Seite 73. Dort heißt es, Instrumente zur Ermittlung der Entschädigungshöhe könnten „Ausschreibungen oder Regelungen analog zur Sicherheitsbereitschaft sein“. Daraus ließe sich eine Entschädigung von 600 Millionen Euro je stillgelegtem Gigawatt (GW) Braunkohle-Leistung abschätzen.

Die Sicherheitsbereitschaft war im Juli 2016 beim neuen Strommarktgesetz eingerichtet worden. Damals wurde entschieden, dass schrittweise acht Braunkohle-Kraftwerksblöcke mit einer installierten Gesamtleistung von 2,7 GW aus dem Markt ausscheiden. Sie werden vorläufig stillgelegt und dürfen nur noch Strom produzieren, wenn sie von den Übertragungsnetzbetreibern angefordert werden, um Engpässe im Stromnetz zu vermeiden. Nach vier Jahren werden sie dann komplett stillgelegt.

Verhandlungen mit der Politik

Die Anlagenbetreiber, die die Braunkohlekraftwerke in die Sicherheitsbereitschaft abgeben, erhalten dafür eine Vergütung von insgesamt 1,61 Milliarden Euro. Legt man diesen Betrag auf die Gesamtleistung von 2,7 GW um, ergeben sich die 600 Millionen Euro je GW. Der Wert soll die Betriebskosten für vier Jahre widerspiegeln. Getragen wird die Vergütung von den Verbrauchern, weil die Kosten auf die Netzentgelte umgelegt werden.

Mitglieder der Kohlekommission sagen zwar, der Wert von 600 Millionen Euro sei „nur ein vager Anhaltspunkt“. Man könne die Zahlungen im Fall der Sicherheitsbereitschaft nicht eins zu eins auf die jetzt anstehenden Stilllegungen übertragen.

Aber auch Bernstein Research kalkuliert mit den 600 Millionen Euro je Gigawatt. Die Analysten halten sogar weitere Entschädigungszahlungen für wahrscheinlich, um die Kosten für einen vorzeitigen Stopp der Braunkohleförderung abzudecken. Für Steinkohlekraftwerke dürfte es weniger Geld geben, weil hier die Renditen deutlich geringer sind. In der Energiebranche gelten 200 Millionen Euro je GW als Verhandlungsbasis.

RWE und die anderen Unternehmen müssen die Konditionen mit der Politik aushandeln. Sollte es zu keiner einvernehmlichen Lösung kommen, hält die Kohlekommission zwar auch eine „ordnungsrechtliche Lösung mit Entschädigungszahlungen im Rahmen der rechtlichen Erfordernisse“ für möglich. Mit anderen Worten: Die Stilllegungen würden per Gesetz festgeschrieben, die Entschädigungen auf das zulässige Minimum beschränkt.

Daran dürften aber weder die Unternehmen noch die Bundesregierung ein Interesse haben. RWE und Co. wollen Rechtssicherheit und klar stellen, dass sie die modernsten Anlagen noch länger betreiben können, zum Teil noch bis 2038. Die Bundesregierung wiederum würde das Risiko von jahrelangen Gerichtsverfahren vermeiden, mit denen der Atomausstieg begleitet wurde. Zudem soll der Kohleausstieg sozial verträglich ablaufen.

Allerdings muss der Vertrag sauber ausgearbeitet sein. Olaf Däuper von der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) warnt davor, „sich mit überhöhten Entschädigungszahlungen die rasche Zustimmung der Betreiber erkaufen zu wollen“: „Das würde beihilferechtliche Folgeprobleme aufwerfen. Eine Überzahlung wäre wettbewerbsverzerrend. Die EU-Kommission würde das dann monieren und stoppen können“, sagte Däuper. „Bei Kraftwerken, die schon seit mehr als 25 Jahren laufen, bestehen nach meiner Überzeugung in der Regel keine Entschädigungsansprüche.“

Der RWE-Power-Vorstand kündigte an, den Bericht ausführlich prüfen zu wollen – und dann in den Verhandlungen mit der Politik für faire Bedingungen zu kämpfen: „Unser Ziel ist: Am Ende des Prüfprozesses muss ein angepasster Braunkohlefahrplan stehen, der uns bei RWE, aber auch der Region für die nächsten 20 Jahre neben sicherer Energieversorgung mit Braunkohle auch Planungssicherheit gewährleistet“, heißt es im Schreiben.

Handelsblatt Energie Briefing
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2 Kommentare zu "Brief an Mitarbeiter: RWE Power rechnet nach Kohlekompromiss mit dem Abbau Tausender Jobs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Ich kenne kein Land, das so rigoros Atomkraftwerke abschaltet, auf Kohle verzichtet und von Wind und Sonne einen Industriestandort mit 83 Mio. Einwohnern versorgen will. In Notzeiten kommt dann der Strom aus den umliegenden Ländern von deren Atommeilern und Kohlekraftwerken. Koste was es wolle, wir machen die Automobilindustrie, die Energiewirtschaft kaputt und nehmen Millionen von Geringqualifizierten in die sozialen Sicherungssysteme auf. Was für ein Irrsinn!

  • Kohleausstieg = Verluste von Jobs in der Energieindustrie
    Elektroautos = Verluste von Jobs in der Automobilindustrie
    Massive Steuerausgleiche für den Kohleausstieg....
    Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld?
    Wer hat soviel Pinke, Pinke? Wer hat das bestellt?
    Hört sich an wie ein Faschingscherz! Ist es leider nicht, ist leider nur teuer - die Bürger dürfen die ideologischen Projekte der Regierung bezahlen - obwohl sie diese nicht bestellt haben!