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Energie

Bundesnetzagentur Gericht kippt umstrittenes Mischpreisverfahren für den Strommarkt

Zuletzt sorgte das Verfahren für Schlagzeilen, als es im Juni zu deutlichen Unterdeckungen im Stromnetz kam. Kritiker sahen darin den Auslöser für die Turbulenzen.
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Der Regelenergiemarkt sorgt dafür, dass das Stromnetz nicht überlastet wird.  Quelle: dpa
Stromnetz

Der Regelenergiemarkt sorgt dafür, dass das Stromnetz nicht überlastet wird. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Es ist eine Schlappe für die Bundesnetzagentur: Gerade mal ein Dreivierteljahr nach der Einführung kippt das Oberlandesgericht Düsseldorf das umstrittene Mischpreisverfahren für den Regelenergiemarkt. „Die Bundesnetzagentur wird die Entscheidung des Gerichts akzeptieren“, teilte ein Sprecher der Bonner Behörde auf Anfrage mit. 

Für den Energiemarkt heißt das zurück auf Anfang. Schon ab dem 31. Juli werden die Ausschreibungen wieder nach dem alten Marktdesign des Leistungspreises durchgeführt, wie die Übertragungsnetzbetreiber am Dienstag mitteilten. 

Über den sogenannten Regelenergiemarkt werden kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen, damit es nicht zu Versorgungsengpässen kommt. Kraftwerke, die Regelenergie bereithalten, bekommen zunächst Geld dafür, dass er überhaupt lieferbereit ist (Leistungspreis), und dann noch einmal, wenn diese Ausgleichsenergie auch tatsächlich abgerufen wird (Arbeitspreis).

Diese Reserve kann Schwankungen im Stromnetz innerhalb von Sekunden (Primärreserve), fünf Minuten (Sekundärreserve) oder Viertelstunden (Minutenreserve) ausgleichen. Weil die Zuschläge früher lediglich über den Leistungspreis vergeben wurden, konnten Anbieter mit niedrigen Preisen das Gebot gewinnen, die tatsächlich abgerufene Leistung dann jedoch teuer verkaufen.

Mit dem Mischpreisverfahren wollte die Bundesnetzagentur solchen extremen Preisausschlägen entgegenwirken. Genau das hat das neue System laut Kritikern allerdings nicht getan. „Das Mischpreisverfahren hat zu mehr extremen Netzsituationen geführt, die Gesamtkosten für den Regelleistungsmarkt in die Höhe getrieben und Cleantech-Lösungen benachteiligt“, kommentierte Hendrik Sämisch, Chef der Next Kraftwerke die Gerichtsentscheidung.

Das Kölner Unternehmen hatte gleich nach der Einführung des neuen Mechanismus Klage eingereicht, und sieht sich nun bestätigt. „Wir freuen uns, dass das Oberlandesgericht unserer Argumentation gefolgt ist und das Mischpreisverfahren als zu intensiven Eingriff für die Marktteilnehmer gewertet hat“, sagte Sämisch weiter.

Im Juni hatte es an drei Tagen eine solche „extreme Netzsituation“ gegeben. Es war zu wenig Strom vorhanden, um die Nachfrage zu decken. Die Frequenz im gesamten europäischen Verbundnetz sank ab. Nur mit kurzfristigen Stromimporten aus dem Ausland konnte das Netz stabil gehalten werden.

Die genaue Ursache ist zwar noch nicht geklärt. In der Branche sehen aber viele die Schuld bei der neuen Regulierung, die Stromhändlern falsche Anreize setze.

Spekulation in der Kritik

In den vergangenen Monaten wurde immer mehr Regelenergie abgerufen, die nach dem neuen Mischpreisverfahren teilweise günstiger war als der kurzfristige Strompreis an der Strombörse. Händler stehen deswegen im Verdacht, fehlende Strommengen, nicht wie bisher kurzfristig im untertägigen Handel an der Strombörse beschafft, sondern die Liefermengen über den günstigeren Regelenergiemechanismus ausgeglichen zu haben.

Wenn eine Vielzahl von Händlern die günstigere Regelenergie anstelle von teureren regulären Stromkäufen nutzt, ist am Ende aber nicht mehr genug Regelenergie verfügbar. Die Gefahr eines Blackouts droht.

Mit der Rückkehr zum Leistungspreisverfahren hoffen viele nun, dass der erhöhten Spekulationsfreude ein Ende gesetzt wird. Auch der Bundesverband der Erneuerbaren Energien (BEE) begrüßt den Beschluss. „Besonders für Biogasanlagen bedeutete das Mischpreisverfahren eine erhebliche Verschlechterung der Marktbedingungen und führte deshalb bereits zu Marktaustritten", sagte BEE-Präsidentin Simone Peter.

Da für die Verbraucher zudem erhebliche Mehrkosten entstünden, sei die Entscheidung des Gerichts folgerichtig. Auch wenn die Wiedereinführung des Leistungspreisverfahrens nicht von langer Dauer sein wird.

Schon 2020 wird der Regelenergiemarkt erneut komplett umgeworfen. Spätestens dann soll der von der europäischen Union vorgeschriebene Regelarbeitsmarkt eingeführt werden, der getrennte Auktionen für Leistung und Arbeit vorsieht. Ein entsprechendes Konzept will die Bundesnetzagentur noch in diesem Jahr genehmigen.

Mehr: Im Juni hat Deutschland an mehreren Tagen der nötige Strom gefehlt. Nur mit Hilfe aus dem Ausland haben die Betreiber das Netz stabil halten können.

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