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Energie

Christian Bruch Der neue Siemens-Energy-Chef ist mehr als eine Notlösung

Eigentlich sollte Michael Sen Siemens Energy führen. Doch Christian Bruch griff gleich energisch durch und gilt bei vielen bereits als die bessere Wahl.
06.07.2020 - 04:02 Uhr Kommentieren
Der Ex-Linde-Manager kam spät zu Siemens Energy, hat dem Unternehmen aber schon klar seinen Stempel aufgedrückt. Quelle: imago images / argum
Christian Bruch

Der Ex-Linde-Manager kam spät zu Siemens Energy, hat dem Unternehmen aber schon klar seinen Stempel aufgedrückt.

(Foto: imago images / argum)

München Vor wenigen Tagen stellte Christian Bruch den Mitarbeitern bei einer internen Veranstaltung das lilfarbene Logo und den gesamten Markenauftritt der neuen Siemens Energy vor. Der CEO nutzte die Gelegenheit, die Mannschaft einzuschwören. „Die Energiemärkte befinden sich in einer Transformation“, sagte Bruch laut Teilnehmern. Daher werde sich das Unternehmen ständig anpassen müssen. „Dazu müssen wir schneller, einfacher und schlanker werden.“

Schnelligkeit, das ist nicht nur die Devise für das neue Unternehmen – sondern auch für den neuen Vorstandschef. „In Lichtgeschwindigkeit“ habe sich der Ex-Linde-Manager eingearbeitet, sagt ein Vertrauter. Das war auch notwendig. Denn der wichtigste Mann kam erst kurz vor der Aufspaltung als CEO zur neuen Siemens Energy. Siemens-Vorstand Michael Sen, der eigentlich für den Posten vorgesehen war, musste im Streit um die Modalitäten der Trennung von Siemens gehen.

Die Zeit aber drängte. Am Donnerstag entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung über die Aufspaltung des Traditionskonzerns. Ende September soll dann die neue Siemens Energy AG an der Börse starten.

In seinen ersten acht Wochen hat der 50-Jährige dem Unternehmen schon seinen Stempel aufgedrückt. „Er schießt sich auf die Komplexität von Prozessen und Strukturen ein“, drückt es ein Siemens-Energy-Aufsichtsrat aus. Bruch verschlankte die Strukturen, strich Posten und Führungsebenen aus den Organigrammen. So schaffte er nach Informationen des Handelsblatts das Group Management Committee ab. Es sollte Sen direkt untergestellt sein.

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    Inzwischen gilt er vielen im Unternehmen nicht mehr als Notlösung, sondern womöglich sogar als bessere Wahl. Als er sich beim Gesamtbetriebsrat der Kraftwerkssparte vorstellte, habe er einen „vernünftigen Eindruck“ gemacht und sei gut angekommen, sagt ein Arbeitnehmervertreter. In diesem fragilen Umfeld – die Sparte musste Tausende Stellen abbauen und steht wohl vor weiteren Restrukturierungen – darf man das als Lob verstehen.

    „Der redet uns alle gegen die Wand“

    In den internen Runden überzeugte der Maschinenbau-Ingenieur mit Fachwissen. „Der redet uns alle gegen die Wand, so kennt er sich aus“, meinte ein Teilnehmer der Meetings. So wisse Bruch aus seiner Zeit bei Linde, wie wichtig das Thema Wasserstoff werden könne. Allerdings sieht er es realistischer als andere. Laut seinem Umfeld ist er überzeugt davon, dass in den nächsten fünf Jahren kaum einer damit Geld verdienen werde.

    Ein Thema beschäftigte Bruch intensiver als geplant: Siemens Gamesa. Drei Jahre lang hatte Siemens mehr oder weniger zugesehen, wie sich der Windkraftspezialist von Gewinnwarnung zu Gewinnwarnung hangelte. Bruch nutzte die Gelegenheit, um gleich einmal Führungsstärke zu demonstrieren: Siemens-Gamesa-Chef Markus Tacke musste gehen.

    Trotz der straffen Führung hat Bruch derzeit viel Rückendeckung. Die schlankeren Strukturen täten dem Unternehmen gut, meint ein Siemens-Manager. Es habe – nicht ganz untypisch für Siemens – zu viele Entscheidungsebenen gegeben. Bruch habe eine klare Vorstellung davon, wie er die Firma führen wolle. Auch sei ihm das Thema Unternehmens- und Führungskultur wichtig.

    Eine Ahnung davon bekam man schon aus Bruchs Zeit bei Linde, in der er auf Auslandsreisen immer wieder einmal mit Siemens-Chef Joe Kaeser zusammentraf. Bruch trimmte den Anlagenbau auf Profitabilität und Effizienz . Die Folge: Die Engineering-Sparte, die nach der Fusion von Linde mit Praxair zur Disposition stand, ist heute fester Bestandteil des neuen Konzerns.

    So, wie er den Anlagenbau führte, dürfte er nach Einschätzung seines Umfelds auch bei Siemens Energy agieren: Er ist nicht unbedingt einer, der ganze Geschäftseinheiten abspaltet oder hinzukauft, sondern permanent und ohne, dass es offensichtlich ist, am Portfolio feilt. Was performt, wird ausgebaut. Margenschwächere Geschäfte werden nicht weiter verfolgt.

    Plädoyer für Zwischenlösungen

    Der sportliche Ingenieur, der gerne läuft und Rennrad fährt, hatte einige Jahre bei RWE gearbeitet und sich da mit Kraftwerksforschung, dezentraler Brennstoffzellentechnik und Kraft-Wärme-Koppelung beschäftigt. Bei einer Entwicklungspartnerschaft von RWE und Siemens war er einmal Verbindungsmann in den USA.

    Bei allen ersten Lorbeeren, die sich Bruch in den ersten Wochen erarbeitet hat, kommen die großen Herausforderungen erst noch. „Dann wird man sehen, ob die Mannschaft mit dem Tempo mitkommt“, sagt ein Arbeitnehmervertreter. Das Kraftwerksgeschäft muss weiter restrukturiert, der lukrativere Service digitalisiert und ausgebaut werden. Siemens Energy wird sehr agil sein müssen, um die Transformation von den konventionellen Kraftwerken hin zu den Erneuerbaren Energien zu bewältigen.

    Dass der Weg nicht einfach wird, verdeutlichte bei der internen Veranstaltung auch Finanzchefin Maria Ferraro. Das Unternehmen habe eine sehr gute finanzielle Ausstattung. „Aber wir müssen auch unsere Hausaufgaben machen. Zum Beispiel beim Cash.“ Auch an Marge und Gewinn müsse man arbeiten.

    Großes Thema von Siemens Energy ist die Energiewende. Bei der Markenpräsentation betonte Bruch, dass man nicht weltweit einfach von konventioneller Energieerzeugung auf Erneuerbare umstellen könne. „Wir brauchen Mut zu Zwischenlösungen.“

    In den nächsten drei Jahren soll sich Siemens Energy unter Bruchs Führung vor allem auf die Hausaufgaben konzentrieren: Prozesse verbessern, Profitabilität steigern. Dann soll die große strategische Weiterentwicklung folgen. Die weltweite Energiewende, so Bruchs Vision, solle von der neuen Siemens Energy entscheidend mitgestaltet werden.

    Mehr: Warum sich die Fusion von Siemens und Gamesa bislang nicht auszahlt.

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