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Energie

Desertec Wüstenstromprojekt vor dem Aus?

Insiderinformationen zufolge wollen die Gesellschafter des kriselnden Wüstenstrom-Projekts Desertec ihr Engagement beenden. Denkbar wäre jedoch die Erhaltung der 68 Erzeugungsprojekte in Nordafrika.
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Solarthermisches Kraftwerk: Mit dieser Technik wollte das Industriekonsortium Desertec Strom in der Wüste produzieren. Quelle: dpa

Solarthermisches Kraftwerk: Mit dieser Technik wollte das Industriekonsortium Desertec Strom in der Wüste produzieren.

(Foto: dpa)

Das schwer kriselnde Wüstenstrom-Projekt Desertec steht Insidern zufolge vor dem endgültigen Aus. Wenn sich am Montag und Dienstag nächster Woche die Gesellschafter der umstrittenen Desertec Industrial Initiative (DII) in Rom treffen, dürften sie die Totenglocke für die erst fünf Jahre alte Unternehmung läuten, wie es am Mittwoch aus Industriekreisen hieß. Die DII hielt sich bedeckt und verwies auf die Versammlung der 20 Gesellschafterfirmen am Montag.

Das Scheitern der Wüstenträume war schon länger absehbar. Die meisten deutschen Technologie- und Baukonzerne wie Siemens, Bosch, Eon oder Bilfinger haben sich schon abgewandt, genauso wie die ursprünglich namensgebende Desertec-Stiftung. Der Club of Rome, in dem sich Experten mit Themen wie Nachhaltigkeit und Grenzen des Wachstums beschäftigen und in dessen Mitte die Idee einst geboren worden war, kehrte der Industrie enttäuscht den Rücken.

Beim fulminanten Start des Megaprojekts 2009 hatten die Manager der Energie-, Technik- und Finanzbranche noch glänzende Augen. Fast eine halbe Billion Euro sollte in Solarkraftwerke unter der Sonne Nordafrikas und dem Vorderen Orient investiert werden, so die Pläne. Der Sahara-Strom sollte über Verbindungen über das Mittelmeer nach Süd- und Zentraleuropa fließen und dort klimaschädliche Kohlekraftwerke überflüssig machen. Der Rückversicherungsriese Münchener Rück machte sich zum Vorreiter des Energietraums. Längst ist auch dort Ernüchterung eingetreten. Ihre Einstellung zu den Zukunftsplänen wollen die Münchner vor der Sitzung kommende Woche nicht preisgeben. „Mal sehen wie es weiter geht“, sagte ein Sprecher lediglich.
Das auf ein halbes Jahrhundert angelegte Großprojekt stand unter einem schlechten Stern in Zeiten, in denen Konzernlenker selbst Prognosen über wenige Monate scheuen. In der spannungsgeladenen Zielregion Nordafrika brach der arabische Frühling aus, eine Zeit enormer politischer und ökonomischer Unsicherheit brach an. Die Investoren agierten vorsichtiger. Hinzu kam die Reaktorkatastrophe von Fukushima, die paradoxerweise das Fortkommen der DII erschwerte. Die Europäer wandten ihren Blick stärker auf die heimische Energiewirtschaft und trieben den Ausbau erneuerbaren Energien vor Ort voran.

Ihnen kam ein rapider Preisverfall für Photovoltaikanlagen entgegen, die Kosten für Solarstrom wurden immer geringer. Die Aussicht, 15 Prozent der europäischen Gesamtenergiemenge aus Desertec-Anlagen zu bekommen, wurde immer reizloser, wenn etwa Bayern auch als Folge der deutschen Energiewende schon bis zu 35 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen im eigenen Land beziehen kann.

Strom für Nordafrika
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1 Kommentar zu "Desertec: Wüstenstromprojekt vor dem Aus?"

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  • Wenn die Sonne untergeht
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    Das Wetter zur Beerdigung soll heiter werden: Kaum Wolken, 25 Grad, lautet die Vorhersage für Rom am kommenden Montag. Es könnte der Tag werden, an dem führende Industrie- und Finanzkonzerne aus Europa, Afrika, Arabien, den USA und China ihre gemeinsamen Anstrengungen, Erneuerbare Energien in Sonnenregionen zu erzeugen, offiziell einstellen.

    Also ist auch hier die Realität eingezogen.
    Abschied vom Zufallsstrom und der Kostenexplosion.
    Die Investoren können noch rechnen und entscheiden nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und nicht ideologisch. Sie führen schließlich ein Unternehmen.
    Und die Solarbranche ist eben "low-tech", das kann jeder.
    Deshalb sind sie ja auch in der letzten Zeit gestorben wie die Fliegen.

    Schock für die Sonnenindustrie: Die Insolvenz des Herstellers Evergreen Solar hat die deutsche Branche alarmiert. An den Börsen stürzten die Aktien von Solarenergiefirmen ab. Wie anfällig ist die Branche wirklich?

    Quelle: SZ
    Wenn die Sonne untergeht
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/insolvenz-von-evergreen-solar-wenn-die-sonne-untergeht-1.1131831