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Energie

Druschba-Pipeline Raffinerie stoppt Öl-Importe aus Russland erneut

Die Pipeline zwischen Russland und Deutschland war bereits im April für mehrere Wochen gesperrt. Nun ist wohl erneut verunreinigtes Öl entdeckt worden. 
Update: 05.07.2019 - 16:28 Uhr Kommentieren
„Freundschaft - Druschba“ steht auf dem Gelände der PCK-Raffinerie auf der Erdölleitung aus Russland.  Quelle: dpa
Druschba

„Freundschaft - Druschba“ steht auf dem Gelände der PCK-Raffinerie auf der Erdölleitung aus Russland. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Erst vor zwei Wochen wurde die Ölversorgung für ostdeutsche Raffinerien in Schwedt an der Oder und Leuna wieder aufgenommen. Am Freitag meldet Shell nun, dass die PCK-Raffinerie in Schwedt, über die das britisch-niederländische Unternehmen Erdöl aus Russland bezieht, die Verbindung zur Druschba-Pipeline erst einmal erneut geschlossen habe. „Wir sind mit Lieferanten und Pipelinebetreibern im Gespräch, um mögliche Ursachen zu klären und Abhilfe zu schaffen“, sagte ein Sprecher des Konzerns dem Handelsblatt.

Wie schon im April wurde auch diesmal wieder „eine leicht erhöhte Konzentration“ organischen Chlorids gemessen. Organisches Chlorid wird bei der Ölförderung eingesetzt. Es muss aber vor dem Transport wieder herausgefiltert werden, weil es bestimmte Teile in den Raffinerien zerstören kann.

Die Produktion in der PCK-Raffinerie laufe jedoch angepasst weiter, die Alternativversorgung mit Rohöl werde über den Hafen Rostock organisiert, teilte Shell mit. Ob die erneute Verunreinigung auch diesmal wieder aus Richtung Sibirien kommt, ist noch nicht geklärt. 

Der Erdölkonzern Total teilte auf Anfrage mit, dass die Lieferungen über Druschba nach Polen in Richtung der Total-Raffinerie in Leuna aktuell nicht unterbrochen seien. „Die Raffinerie arbeitet normal“, sagte ein Sprecher des französischen Ölkonzerns. 

Im April beförderte der russische Pipelinebesitzer Transneft rund fünf Millionen Tonnen verschmutztes Öl durch seine Leitungen. Gut die Hälfte davon leitete der Konzern über die Pipeline „Druschba“ (übersetzt „Freundschaft“) Richtung Europa, unter anderem nach Weißrussland, Polen und bis ins brandenburgische Schwedt. Die Lieferungen wurden erst gestoppt, als die Raffinerien in Weißrussland Alarm schlugen. Durch die Röhre können pro Tag bis zu knapp 160 Millionen Liter Öl fließen. Das entspricht etwa einem Prozent der weltweiten Nachfrage.

In den Konflikt hatte sich sogar Kreml-Chef Wladimir Putin höchst persönlich eingeschaltet. Transneft erklärte sich daraufhin bereit, Schadenersatz zu zahlen. Einzig konkretes Resultat bisher ist allerdings nur der Rücktritt des Generaldirektors der russischen Druschba-Abschnitts Roman Kamosin, der Anfang der Woche von Transneft entlassen wurde. Eine Einigung über die Höhe der Kompensation steht hingegen noch aus.

Damit sich ein solcher Skandal von russischer Seite aus nicht wiederholt, beauftragte der Staatskonzern Rosneft Gutachterfirmen mit der Kontrolle der Ölqualität bei allen Beförderungsetappen. Waleri Andrijanow von der Consultingagentur WMT bewertete dies als die wichtigste Schlussfolgerung, die Russland aus der Affäre gezogen habe. „Tatsächlich müssen die Verladeunternehmen darauf achten, dass die Verbraucher keine Fälschung, sondern genau den Rohstoff bekommen, den sie zuvor in die Röhre gepumpt haben“, daher sei es auch wichtig, den Förderunternehmen „auf die Finger zu schauen“, sagte Andrijanow.

Transneft weist Vorwürfe zurück

Erst am vergangenen Mittwoch hatte der Vorstandsvorsitzende des russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, auf einem Arbeitsbesuch in Schwedt betont, dass der Rohöltransport seit den jüngsten Zwischenfällen auf allen Stufen professionell überwacht werde. Rosneft hält selbst 37,5 Prozent der Anteile an der PCK-Raffinerie in Schwedt, genauso wie Shell. Der italienische Ölkonzern Eni hält die restlichen 25 Prozent. 

Transneft selbst betonte angesichts der neuen Vorwürfe um verschmutztes Öl, dass die Pipeline von russischer Seite aus sauber sei. Berichte, dass möglicherweise auch russische Raffinerien Öl mit erhöhtem Chlorgehalt bekommen hätten, seien entweder ein Indiz für Inkompetenz oder den Wunsch, Transneft weiteren Imageschaden zuzufügen, erklärte Transneft-Manager Igor Kazal.

Ein Öl-Engpass droht laut Experten jetzt aber nicht. Deutschland habe eine weit verzweigte Logistik-Kette. Zudem seien die Öllager wegen der eher milden Witterung gut gefüllt. Erst bei einem Lieferausfall über viele Wochen könnten sich Probleme einstellen. 

Mehr: Einen Monat nach dem Skandal um gepanschte Öllieferungen eröffnet Russland ein Strafverfahren. Doch Transneft-Manager müssen kaum Konsequenzen fürchten.

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