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Energie

E-Mobilität EnBW testet das kontaktlose Laden von E-Bussen

Größere Reichweiten, leichtere Batterien, geringe Ladezeiten: EnBW probt die nachhaltige Zukunft – gemeinsam mit einem israelischen Start-up.
08.09.2020 - 18:23 Uhr Kommentieren
Induktionsspulen sind im Straßenbelag eingelassen.
Kabelloses Ladesystem

Induktionsspulen sind im Straßenbelag eingelassen.

Tel Aviv Im Oktober beginnt das Energieunternehmen EnBW ein Forschungsprojekt, das einen Durchbruch für das kontaktlose Laden von elektrisch betriebenen Bussen und Lkws bedeuten könnte. Bei dieser Methode werden E-Busse während der Fahrt über die in die Straße eingelassenen Spulen induktiv geladen. Die Spulen werden dabei in dem Moment aktiviert, sobald ein Fahrzeug über sie hinwegrollt.

Die Technologie, die von dem israelischen Start-up ElectReon geliefert wird, hat mehrere Vorteile. Lange Strecken können ohne ladebedingte Standzeiten zurückgelegt werden. Die Batterie für das induktive Laden ist zudem bedeutend leichter und günstiger als bei der bisher angewendeten Methode, den Stromspeicher mithilfe eines Kabels zu laden.

Getestet wird die Technik auf dem Gelände der EnBW, wo auf einer Teststrecke Induktionsspulen in den Straßenbelag eingelassen wurden. Später sollen die Ladespulen auch an der angrenzenden öffentlichen Straße implementiert werden. Die Batterien würden „ausschließlich mit zertifiziertem Strom aus erneuerbaren Energien“ geladen, heißt es beim Elektrizitätswerk. Es werfe „einen Blick in die nahe Zukunft der E-Mobilität und ihrer Anwendungsbereiche für Verbraucher“.

Die Technik werde in Deutschland zum ersten Mal eingesetzt, sagt Maximilian Arnold, Projektleiter bei der EnBW-Forschung. Zu den Projektkosten will er sich nicht äußern, da das Umlegen auf das Verlegen von Induktionsspulen ein „verzerrtes Bild“ liefern würde. Arnold geht aber davon aus, dass noch ein „erhebliches Kostensenkungspotenzial“ bestehe.

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    Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Dann soll die Funktionsfähigkeit des Systems beurteilt werden. „Wir wollen dessen Stärken und Schwächen herausfinden“, sagt Arnold. Zur Testphase gehört auch die spätere Erweiterung im öffentlichen Straßennetz. Auch das sei eine Lernphase, sagt Arnold. Dabei werde es nämlich um das Einholen der Bewilligungen gehen und um die Abklärung der Frage, ob das Projekt auf Widerstand in der Bevölkerung stoße oder akzeptiert werde. „Rechtliche, wirtschaftliche und politische Aspekte müssen wir noch testen“, fasst Arnold zusammen.

    Nächstes Pilotprojekt in Tel Aviv

    Sicher ist aber, dass das induktive Laden im Betrieb zu erheblichen Einsparungen und zu einer Reduktion der CO2-Emissionen führt. Die 400-KW/h-Akkumulatoren, die für elektrisch betriebene Lkws und Busse nötig sind, kosten rund 200.000 Euro. Beim induktiven Laden kann die Batteriegröße auf 40 KW/h reduziert werden, was pro Bus zu Kosteneinsparungen von rund 180.000 Euro führe, rechnet Noam Ilan vor, der bei ElectReon für den Bereich Business Development als Vizepräsident zuständig ist und zusammen mit EnBW das Projekt realisiert.

    Relevant ist das induktive Laden während der Fahrt vor allem für den öffentlichen Personennahverkehr und den Schwerlastverkehr. Für Personenwagen spiele das induktive Laden derzeit eine „untergeordnete Rolle“, meint Arnold. Der nachträgliche Einbau der Ladetechnik sei bei Bussen und Lkws „wesentlich einfacher“ als bei Pkws, bei denen der verfügbare Platz für den nachträglichen Einbau sehr beschränkt ist.

    Im Oktober soll auch in Tel Aviv ein Pilotprojekt starten. Dabei hat sich ElectReon eine kurze Strecke mit einem dichten Busverkehr ausgesucht, weil das in diesem Stadium am wirtschaftlichsten sei.

    Erfahrungen mit der induktiven Ladetechnik hat das israelische Unternehmen bereits in Schweden gesammelt. An der Westküste der Ostseeinseln Gotland wurde zwischen dem Flughafen und dem Zentrum der Stadt Visby eine Versuchsstrecke realisiert. Eine Ausdehnung des Pilotprojekts sieht vor, dass die Batterien von E-Lkws und E-Bussen auf einer Strecke von 30 Kilometern induktiv aufgeladen werden. Mittelfristig, sagt Ilan, werde ElectReon in Schweden ein induktives Netz von bis zu 3000 Kilometern verlegen.

    Wie die Rechnungsstellung für die rollenden Strombezieher aussehen soll, ist noch nicht geklärt. Die Erfassung und Bewertung des Strombezugs hat dabei in ganz kurzer Zeit zu erfolgen. Die drei am Bus befestigten Empfänger müssen gegenüber dem Sender zunächst identifiziert werden, um festzustellen, dass dieser zum Aufladen der Batterie berechtigt ist. Erst dann wird der Strom freigegeben.

    Bereits vor neun Jahren gab es in Mannheim ein Projekt zur Erprobung des induktiven Ladens während der Fahrt mit Linienbussen. Damals waren viele Ladespulen zum Laden im Stand zusammengesetzt. Demgegenüber ist das von EnBW getestete System „von Beginn an auf das Laden während der Fahrt ausgelegt“, sagt Arnold. Es lehne sich eng an die neuen Standards zum induktiven Laden an.

    ElectReon ist seit zwei Jahren an der Tel Aviver Börse TASE notiert. Eine spätere Notierung an der Nasdaq sei nicht ausgeschlossen, meint Ilan.

    Mehr: Ökostromgeschäft sorgt für mehr operativen Gewinn bei EnBW.

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