Energie

EEG-Förderung Erneuerbare Energien stehen vor einer Bewährungsprobe

2021 fallen die ersten Ökokraftwerke aus der Vergütung nach dem EEG. Insbesondere Windräder werden dann oft nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll sein.
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EEG-Förderung: Erneuerbare Energien stehen vor Bewährungsprobe Quelle: dpa
Windräder in Brandenburg

Ab 2021 wird sich zeigen, ob Windkraft auch ohne EEG-Förderung Bestand hat.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAls 1987 an der Nordseeküste der erste deutsche Windenergiepark ans Netz ging, hätte kaum jemand damit gerechnet, dass die Windräder einmal der wichtigste Baustein der Energiewende werden. Nur jeweils 20 Meter hoch waren die 30 Räder, die es zusammen gerade mal auf ein Megawatt schafften.

Heute leistet ein einziges Windkraftwerk an Land locker das Vierfache, auf See auch das Sechs- bis Achtfache. Vor zwanzig Jahren hat der Ausbau der Ökoenergie mit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) richtig Fahrt aufgenommen. 28.000 Windräder drehen sich mittlerweile in Deutschland, über 1,6 Millionen Solaranlagen speisen Sonnenergie ins Netz.

Ab 2021 aber müssen ihre Betreiber auf die gewohnten Erlöse aus dem EEG verzichten. Weil die feste Einspeisevergütung auf 20 Jahre begrenzt ist, müssen die ersten Ökokraftwerke bald ohne sie klarkommen.

Vor allem im Windbereich befürchten Experten nun, dass die Windränder nach und nach verschwinden werden. Allein 2021 werden 4400 Megawatt (MW) installierter Windkraftleistung aus der Förderung fallen. Das entspricht in etwa der installierten Leistung von vier großen Kohlekraftwerken. Laut einer Umfrage der Fachagentur „Windenergie an Land“ wollen Betreiber ihre Altanlagen überwiegend nur dann betreiben, wenn es auch wirtschaftlich ist.

Genau da sehen erste Energieversorger nun ihre Chance. Die Stadtwerke München und auch Greenpeace Energy kündigten schon an, ältere Windparks zu kaufen und Privatkunden direkt mit dem Strom aus den Anlagen zu beliefern. Der Düsseldorfer Ökostromanbieter Naturstrom geht jetzt sogar noch einen Schritt weiter. Er will das Auslaufen der ersten EEG geförderten Anlagen nutzen, um sich ein komplett neues Kundensegment zu erschließen.

Bereits Anfang des Jahres hat sich Naturstrom eine Beteiligung am Windenergiedienstleister Stiegewind gesichert. Am Donnerstag verkünden sie die Übernahme des Solardienstleister Sunstrom. Der PV-Betrieb bietet ein Rundumpaket an: von der Planung über Installation bis hin zu Service und Wartung. „Gemeinsam mit unserer Expertise in Stromhandel und Vermarktung können wir den Kunden so eine Komplettlösung aus einer Hand bieten. Und eine Perspektive für die Zeit nach dem EEG“, erklärt Naturstrom-Vorstand Thomas Banning.

Er ist davon überzeugt, dass auch die alten Anlagen noch auf Jahre sauberen Strom produzieren können und so einen Beitrag zur Energiewende leisten. Den Strom aus den Anlagen will der Energieversorger dann, ähnlich wie bei Greenpeace Energy, an seine Kunden verkaufen. „So können wir dezentrale Erzeuger mit Verbrauchern zusammenbringen“, sagt Banning.

Das Projekt Post-EEG steht und fällt allerdings mit dem Strompreis. Wie alle älteren Maschinen sind auch Windkraftwerke nach 20 Jahren Verschleiß anfällig für Reparaturen und wartungsintensiver als neue Anlagen. Ihre Betriebskosten sind höher.

Der aktuelle Strompreis von rund drei Cent je Kilowattstunde dürfte nicht reichen, um die Anlagen in Betrieb zu halten – vielleicht mit ein paar Ausnahmen an besonders guten Standorten. „Wir rechnen damit, dass sich der Strompreis über die nächsten Jahre im Durchschnitt auf vier Cent pro Kilowattstunde (kWh) einpendelt“, sagt Banning.

Auch die Projektentwickler Juwi und Windwärts wollen gemeinsam mit ihrem Mutterkonzern, dem Mannheimer Energieunternehmen MVV, maßgeschneiderte Konzepte für Standorte erarbeiten, die Windparks auch ohne EEG-Förderung wirtschaftlich machen.

Damit Erzeuger und Händler auch bei schwankenden Börsenpreisen sichere Einnahmen haben, könnten die Lieferverträge Basis von Power Purchase Agreements (PPA) sein. Solche langfristigen Abnahmeverträge gibt es zwischen Erzeugern und Großkunden schon länger, in Deutschland setzen sie sich aber erst langsam durch. Naturstrom-Vorstand Banning ist überzeugt, dass PPAs in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen werden.

Viele Windanlagenbetreiber stehen also vor der Entscheidung: stilllegen, erneuern oder weitermachen. Die deutsche Klimapolitik steht vor ihrer ersten Bewährungsprobe.

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2 Kommentare zu "EEG-Förderung: Warum die Erneuerbaren vor einer entscheidenden Bewährungsprobe stehen "

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  • Die Übersubventionierung von Biogas mit 30 Cent por kWh muss reduziert werden auf vielleicht 12,5 Cent - wie Photovoltaik.
    Genmais für Biogasanlagen verursacht durch die Düngung und Pestizide die Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser mit Nitrate und Glyphosat.
    Zudem verdrängt der Anbau von Genmais die Nahrungsmittelproduktion. Gibt es dann noch eine Dürre, so steigen die Preise ins unermessliche und die Qualität sinkt - siehe Kartoffeln.

  • Ja, die komplizierten Regulierungen haben anscheinend nur ein Ziel. Lobbyisten aus Politik und Wirtschaft wollen weiterhin den milliardenschweren Gewinn, der sich die nächsten Jahre noch aus der Verstromung der Bodenschätze ergibt, reinholen. Bis die letzten Öl-, Kohle- und Gasreserven ebenso teuer wie umweltschädlich verfeuert worden sind und unzählige weitere Menschen bei den geopolitischen Konflikten darum ihr Leben gelassen haben oder dann, wenn durch Millionen Tonnen weiterer CO² und anderer Abgase sich die Erderwärmung so weiter beschleunigt, dass die Auswirkungen für unser Klima noch dramatischer werden. Das der Erhalt der Umwelt vor der Profitgier der Energiekonzerne und anderer Partizipanten nachhaltiges Gehör findet ist eher unwahrscheinlich. Dabei hat es aus neuester Forschung Alternativen - Neutrino-Energy wäre die Lösung vieler Komplikationen und vor allem Emissionsfreie Energy als UNENDLICHE RESSOURCE für die mobile, dezentrale Haushaltsenergie und für die Elektromobilität. Dazu liegen spannende internationale Forschungsergebnisse und Patente der Berliner Neutrino Energy Group bereit. Chinesische Investoren sind schon im Rennen. Die Deutsche Autoindustrie und Energiewirtschaft klüngelt weiterhin im Althergebrachten, wie auch die konservativen EU Partner.

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