Energie

Elektrokonzern ABB Aktionär Cevian drängt auf eine Aufspaltung

Der Hedgefonds Cevian fordert eine Aufspaltung des Energiekonzerns ABB. Die Netzwerktechnik soll nach dem Willen des Investors ausgegliedert und die Aktien in Zürich und Stockholm an die Börse gebracht werden.
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer prüft seit Monaten, ob sich sein Haus von der umsatzstarken Übertragungstechnik trennt. Quelle: Reuters
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ABB-Chef Ulrich Spiesshofer prüft seit Monaten, ob sich sein Haus von der umsatzstarken Übertragungstechnik trennt.

(Foto: Reuters)

München/ZürichDer ABB-Aktionär Cevian fordert die Zerlegung des Elektrokonzerns. „Die Ausgliederung der Netzwerktechnik ist der einzige rationelle und logische Geschäftsentschluss“, sagte Cevian-Co-Chef Christer Gardell der Zeitung „Svenska Dagbladet“. Die Aktien der Netzwerktechnik sollten dann in Zürich und Stockholm an die Börse gebracht werden. Der Hedgefonds Cevian ist mit einem Anteil von über fünf Prozent der zweitgrößte Aktionär von ABB nach der schwedischen Investor AB.

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer prüft seit Monaten, ob sich sein Haus von der umsatzstarken Übertragungstechnik trennt. Der Schweizer Konzern ist in dem zukunftsträchtigen Geschäft Weltmarktführer. Insbesondere bei der Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) hängten die Eidgenossen die Konkurrenz von Siemens und Alstom in den vergangenen Jahren ab. Das ABB-Segment ist auch rentabler, da es im Gegensatz zu den Rivalen eine eigene Kabelfertigung hat. Die ABB-Sparte Power Systems, in der das Geschäft angesiedelt ist, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,3 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn (Ebita) von 274 Millionen Dollar.

Spiesshofer will sich bei seinen Plänen bislang nicht in die Karten schauen lassen. Eine Sprecherin verwies auf den anstehenden Investorentag am 4. Oktober, auf dem er seine Entscheidung verkünden will.

Cevian argumentiert, das Stromnetzgeschäft und die übrige ABB würden durch die Trennung jeweils profitieren. "Durch eine Abspaltung würde keine der beiden Einheiten ihre Wachstumsperspektiven verlieren. Im Gegenteil: Sie wären von den Nachteilen eines Konglomerats befreit", erklärte ein Cevian-Sprecher. So könnten gar Verwaltungskosten gespart werden. So wird üblicherweise allerdings argumentiert, wenn Unternehmen zusammengelegt werden sollen. Die Netzwerktechnik und der Rest des Elektrotechnikkonzerns dürften zusammen mindestens 35 Franken pro Aktie wert sein, sagte der Cevian-Sprecher. Gegenwärtig notiert die ABB-Aktie bei gut 21 Franken. „Es gibt keinen Zweifel, dass eine Abspaltung von den Investoren enthusiastisch begrüßt würde.“

Was deutsche Manager in der Schweiz verdienen
Manager-Traum Schweiz
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Jahrzehntelang war die Schweiz eine Art Sehnsuchtsland für deutsche Topmanager. Tolles Klima, abwechslungsreiche Landschaften, zahlreiche internationale Großkonzerne und vor allem: hohe Gehälter und niedrige Steuern. Kein Wunder, dass sich viele Deutsche in den Teppichetagen der wichtigsten Schweizer Großkonzerne tummeln. Ein Überblick.

Ulrich Spiesshofer, Vorstandsvorsitzender ABB
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Der baden-württembergische Topmanager ist Volkswirt und arbeitete als Berater, bis er 2005 zu ABB wechselte. Seit 2013 führt er den Konzern. In einem Interview sagte Spiesshofer in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Schweizer Unternehmen und der Politik: „Wir fühlen uns mit unseren Anliegen gehört.“
Jährliche Gesamtvergütung: 9,1 Millionen Franken.

Axel Weber, Verwaltungsratspräsident UBS
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Axel Weber gilt als eine der einflussreichsten Personen bei der Bankenrettung während der Euro- und der Staatsschuldenkrise vor rund sieben Jahren. Seit 2012 leitet er als Verwaltungsratspräsident der UBS die Geschicke der einst angeschlagenen Schweizer Großbank. Mit Erfolg: Die Bank hatte einst große Probleme, brauchte Geld vom Staat – heute steht sie wieder solide da.
Jährliche Gesamtvergütung: 6,0 Millionen Franken.

Thomas Klühr, Vorstandsvorsitzender Swiss Air
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Der besonnene Manager kam im Februar von der Konzernmutter Lufthansa zur Swiss. Er ersetzte dort Harry Hohmeister, der innerhalb des Konzerns in die Firmenzentrale nach Frankfurt wechselte – ebenfalls ein Deutscher. Klühr soll nicht den leichtesten Start beim neuen Arbeitgeber gehabt haben: Eine Schweizer Pilotengewerkschaft vermutete hinter der abermaligen Nominierung aus Deutschland einen faktischen Abbau der Eigenständigkeit der Schweizer Traditionsairline.
Amtsantritt am 1. Februar 2016.

Christoph Franz, Verwaltungsratspräsident Roche
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Der Ex-Lufthansa-Chef wechselte im Jahr 2014 auf den höchsten Posten des Basler Pharmariesen. Der promovierte Wirtschaftsingenieur bezeichnete den Posten als Airline-Chef einmal als „nicht vergnügungssteuerpflichtig“, fügte aber in Bezug auf seinen neuen Arbeitgeber hinzu: „Ich verdiene heute nicht mehr Geld.“
Jährliche Gesamtvergütung: 5,7 Millionen Franken.

Jörg Reinhardt, Verwaltungsratspräsident Novartis
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Beim Roche-Konkurrenten Novartis hält ebenfalls ein Deutscher die Fäden in der Hand. Er führte bis vor drei Jahren die Gesundheitssparte des Bayer-Konzerns, bevor er den wohl letztmöglichen Schritt auf der Karriereleiter wagte. Zum Amtsantritt Reinhardts war die Schweizer Presse voll des Lobes. Das Boulevardblatt Blick titelte, Reinhardt sei „bescheiden und tough“.
Jährliche Gesamtvergütung: 3,8 Millionen Franken.

Joachim Masur, Vorstand Zurich Versicherungsgruppe
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Seit 2012 leitet der deutsche Versicherungsfachmann das Schweiz-Geschäft des traditionsreichen Versicherers aus Zürich. Unter seiner Führung hat das Unternehmen eine schiere Aufholjagd im Heimatmarkt hingelegt. In seiner Position ist Masur für 5100 Mitarbeiter zuständig.
Vergütung wird nicht berichtet.

Unter Analysten ist eine Abspaltung der Stromnetztechnik allerdings umstritten. Viele Experten rechnen damit, dass ABB zumindest den Kern der Sparte behält. „Wir erwarten, dass das Management auf seinem Kapitalmarkttag die positiven Aussichten für die Netzsparte herausstellt und einen Verkauf der Division ausschließt“, erklärte etwa Jonathan Mounsey von Exane BNP Paribas. Sein Kollege Gael de Bray von der Deutschen Bank warnt gar vor den Folgen einer Trennung: „Wir glauben, dass eine Aufteilung des Konzerns zu steigenden Kosten, insbesondere im Einkauf, der Entwicklung der Produktionsorganisation führen würde. Die Abspaltungskosten wären angesichts der hohen Integration der ABB-Divisionen erheblich.“

ABB muss sich aber nicht nur mit renitenten Hedgefonds auseinandersetzen. Zuletzt litten die Schweizer unter den Folgen des niedrigen Ölpreises, der die Investitionen in den Abnehmerbranchen von ABB wegsacken ließ. Die Eidgenossen machten dabei eine schlechtere Figur als die Rivalen Siemens und GE, die sich dem Branchentrend relativ gut entziehen konnten.

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