Energie

Der Ausbau der Infrastruktur geht nur langsam voran.

(Foto: Martin Dowideit)

Elektromobilität Deutschland ist bei Ladestationen für Elektroautos ein Entwicklungsland

Der Ausbau von Ladestationen geht nur schleppend voran – obwohl der Absatz von Elektroautos steigt. Woran liegt das? Die wichtigsten Fakten.
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DüsseldorfBeim Thema E-Ladestationen in Deutschland beißt sich der Hund sprichwörtlich in den Schwanz: Die Deutschen kaufen kaum Elektroautos, weil die passende Infrastruktur fehlt. Energieversorger, Tankstellen und Autohersteller wiederum stellen kein ausreichendes, flächendeckendes Netz an Ladesäulen auf, weil die Nachfrage zu gering ist. Und das, obwohl der Absatz von Elektroautos oder Pkw mit Hybridantrieb in Europa im vergangenen Jahr gestiegen ist, allein in Deutschland um 80 Prozent.

Die gute Nachricht: Fast alle Energieversorgungsunternehmen sind schon im Bereich Elektromobilität aktiv. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC haben sogar bereits mehr als drei Viertel davon Ladesäulen installiert. Die schlechte Nachricht: Es handelt sich häufig nur um vereinzelte Stationen, die von den Energieversorgern vor allem aus Imagegründen aufgestellt werden. Die Bereitschaft für weitere Investitionen ist eher gering, heißt es in der Studie.

Aber warum geht der Ausbau so schleppend voran? Warum kaufen die Deutschen so wenig Elektroautos? Bislang wurde gerade mal ein Fünftel der Prämien abgerufen. Und wer, außer den Energieversorgern, ist für den Ausbau der Ladeinfrastruktur verantwortlich? Hier sind Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland.

Wie viele Elektroautos fahren überhaupt schon im Straßenverkehr?

Dass der Ausbau so schleppend voran geht, könnte auch daran liegen, dass laut Kraftfahrtbundesamt gerade einmal 53.861 Autos mit elektrischem Antrieb über Deutschlands Straßen rollen – bei insgesamt über 46 Millionen Pkw, eine verschwindend geringe Zahl. Sogar wenn man die Hybridfahrzeuge mit Stromanschluss dazurechnet, käme man lediglich auf knapp 58.000 Stromer. Auch wenn die Anzahl der Elektroautos steigt, ist ihr Gesamtanteil also immer noch verschwindend gering. Von Januar bis Ende Mai wurden in Deutschland rund 1,43 Millionen Benziner und Dieselautos neu zugelassen, aber gerade mal 14.583 E-Fahrzeuge. Da wirkt das von der Bundesregierung angepeilte Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 schier unerreichbar.

Warum werden verhältnismäßig wenig E-Autos hierzulande verkauft?

Elektroautos gibt es heutzutage in jeder Preisklasse. Ein Problem ist für viele allerdings oft die geringe Reichweite. Für ein Auto, das mehrere hundert Kilometer schafft, muss dann wieder tief in die Tasche gegriffen werden. Dass ein Durchschnitts-Stromer auch an einer Schnellladestation noch mindestens eine Stunde braucht, um komplett zu laden, schreckt dann noch mehr Personen ab.

Wer keinen Starkstromanschluss in der Garage hat, muss sich außerdem jeden Abend auf die Suche nach einer der wenigen Ladesäulen machen. Hinzu kommt, dass ein Elektroauto immer noch deutlich teurer ist als ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor.

Geringe Reichweite, hoher Preis, schlechte Ladeinfrastruktur – das sind die drei großen Hemmnisse der Elektromobilität. Und es sind die drei wesentlichen Gründe, warum Elektroautos wohl auch für die nächste Zeit nur etwas für wohlhabende Überzeugungstäter sind, die ein Eigenheim samt Wallbox haben. Allerdings: Die sinkenden Produktionskosten der immer leistungsfähigeren Akkus lassen auf billigere E-Autos hoffen. Kostete eine Kilowattstunde Akkukapazität vor zehn Jahren noch rund 1000 Euro, sind es jetzt nur noch etwa 150 Euro.

Wie viele Ladestationen gibt es aktuell?

Noch seltener als Elektroautos sind in Deutschland nur E-Ladestationen: Rund 5000 öffentliche Ladesäulen sind aktuell über die Bundesrepublik verteilt. Die Zahl der Anschlüsse beläuft sich auf rund 20.000, an den Säulen gibt es meist zwei Ladebuchsen. Hinzu kommen weitere 70.000 private und privatwirtschaftliche Ladepunkte. Die von der Bundesregierung geplanten 100.000 Ladepunkte bis 2020 werden mit dem Tempo allerdings nicht erreicht.

Wieso das E-Auto nicht einfach zu Hause an der Steckdose laden?

Wer sein Auto nicht den halben Tag an der handelsüblichen Steckdose hängen lassen will, muss sich zu Hause eine Ladebox einbauen lassen. Dafür braucht man allerdings eine gesonderte Genehmigung von seinem Stromversorger. Sonst fliegen alle Sicherungen raus, wenn in einem Mehrfamilienhaus acht Autofahrer nach Feierabend gleichzeitig laden. Dazu kommen Installationskosten von mehreren tausend Euro.

Welche Länder auf Elektro-Autos setzen
Deutschland
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Trotz Feinstaub-Alarm und drohenden Fahrverboten: Zu einer verbindlichen E-Autoquote konnte sich Deutschland bislang nicht durchringen. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Millionen E-Autos auf die deutschen Straßen zu bringen, ist wohl nicht mehr zu erreichen – trotz Subventionen beim Kauf, Steuererleichterungen bei der Kfz-Steuer, finanziellen Anreizen und sonstige Vergünstigungen. Bisher beträgt der Anteil an E-Autos 1,8 Prozent – in fast keinem Land ist er geringer.

Italien
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Kaum besser als in Deutschland sieht es in Italien aus: Von einer Ablehnung von Verbrennungsmotoren ist dort nichts zu spüren: Sogar der in anderen Ländern mittlerweile eher verschmähte Diesel konnte im vergangenen Jahr seinen Marktanteil ausbauen. Pläne für E-Auto-Quoten gibt es bisher nicht, doch Käufer dürfen sich beim Kauf über Subventionen und Steuervorteile freuen. Der Anteil an E-Autos liegt bei 2,2 Prozent.

Österreich
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Stau bei Salzburg: Auch im Nachbarland sind E-Autos noch eine Seltenheit. Bisher sind 2,6 Prozent der Autos auf Österreichs Straßen batteriebetrieben. Pläne, Verbrennungsmotoren zu verbieten, gibt es bislang nicht. Doch die österreichische Regierung stellt einige Vorteile für den E-Auto-Kauf in Aussicht: Es gibt nicht nur Subventionen beim Kauf und Steuererleichterung bei Kfz- und Mehrwertsteuer, sondern auch Anreize wie freies Parken und die Benutzung von Bus- und Taxispuren.

Spanien
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Auch in Spanien gibt es keine verbindlichen Regeln für die Zahl der Elektroautos. Immerhin – in Madrid parken E-Autos innerhalb der Ring-Autobahn-Gratis. Außerdem gibt es auch dort Subventionen und Steuervorteile für Fahrer von E-Autos. Immerhin haben 3,0 Prozent der Autos einen Elektromotor.

Großbritannien
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Die berühmten London-Taxis haben einen Verbrennungsmotor unter der Haube – ebenso wie die große Mehrheit der in Großbritannien zugelassenen Autos: Nur 3,3 Prozent fahren elektrisch. Immerhin sollen ab 2040 sollen dort keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Anreize wie Subventionen und Steuervorteile gibt es bereits.

Frankreich
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Rush Hour in Paris: In Frankreich steht seit Juli der Plan, dass ab 2040 keine Benziner oder Dieselautos mehr verkauft werden dürfen. Staatliche Unterstützungen für E-Autofahrer, unter anderem Subventionen beim Kauf und niedrigere Kfz-Steuern, gibt es bereits. Momentan beträgt der Anteil der E-Autos in Frankreich 3,9 Prozent.

Niederlande
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Obwohl es keine staatliche Unterstützung für E-Autos gibt, sind in den Niederlanden bereits neun Prozent der Autofahrer mit einem Elektroauto unterwegs. Damit liegt Deutschlands Nachbar deutlich über dem europäischen Durchschnitt: EU-weit beträgt der Anteil von E-Autos gerade einmal drei Prozent. Ab 2035 sollen zudem auch keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr in den Niederlanden zugelassen werden.

Braucht es überhaupt so viele E-Ladestationen?

In der Hälfte der EU-Staaten liegt der Marktanteil von Elektroautos derzeit bei weniger als einem Prozent. Als realistisches Ziel sieht der europäische Autoherstellerverband Acea 20 Prozent bis 2030. Nach Berechnungen des Verbands müssten innerhalb der nächsten zwölf Jahre fast zwei Millionen neue Ladesäulen gebaut werden.

Nach Angaben der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ werden mit der steigenden Zahl an E-Autos im Jahr 2020 allein in Deutschland 70.000 öffentliche Ladepunkte und 7100 Schnellladesäulen benötigt. Viel Zeit haben die Autohersteller und Energieunternehmen also nicht.

Steht Deutschland im EU-Vergleich wirklich so schlecht da?

Auch im Vergleich mit anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union schneidet Deutschland nicht gerade gut ab. Laut einer Erhebung der europäischen Informationsplattform European Alternative Fuels Observatory (EAFO) finden sich zwischen Hamburg und München gerade einmal 25 Elektro-Ladepunkte pro 100.000 Einwohner.

Verglichen mit den Spitzenreitern wirkt Deutschland wie ein Entwicklungsland: In Norwegen und den Niederlanden kommen bis zu 185 Ladepunkte auf 100.000 Einwohner. Schlechter als Deutschland schneidet im Ranking nur Frankreich ab. Hier kommen gerade einmal 24 E-Ladepunkte auf 100.000 Einwohner.

Warum geht der Ausbau hierzulande so schleppend voran?

Bisher wird mit Ladeinfrastruktur wenig Geld verdient. Energieriesen, Ölkonzerne und Autohersteller haben die hohen Investitionskosten eher gescheut. Nun kommt der Markt langsam in Fahrt, aber eben noch nicht schnell genug. Laut der PwC-Studie unter Energieversorgern nennen die Befragten größtenteils die niedrigen Gewinnaussichten und ein zu geringes Marktvolumen als Gründe für ihr verhaltenes Engagement.

Was tut die Bundesregierung, um das Problem zu lösen?

Mit rund 300 Millionen Euro fördert der Bund bis 2020 den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ziel der Förderrichtlinien „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland“ ist ein flächendeckendes und bedarfsgerechtes Ladenetz für E-Mobilisten. Geld gibt es, bis der Topf leer ist. Aus Sicht der EU-Kommission sollten für den Ausbau von Ladestationen europaweit mindestens 800 Millionen Euro bereit stehen.

Und die Wirtschaft macht gar nichts?

Mit einer steigenden Nachfrage an E-Autos kommt auch der Markt für Ladesäulen so langsam in Fahrt. Zum Beispiel durch die Eigeninitiative Ionity von Daimler, VW, Ford, BMW und anderen, die bis 2020 eine flächendeckende Schnellladeinfrastruktur in Deutschland aufbauen wollen. So sollen 400 Schnellladestationen entstehen, damit Fahrer von E-Autos alle 120 Kilometer nachladen können. Dafür hat das Konsortium bereits Partnerschaften mit Shell, Tank & Rast und dem österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV geschlossen.

RWE, Eon und viele andere Energieversorger betreiben außerdem schon Stromladesäulen. EnBW will außerdem ab 2019 mit neuen Hochgeschwindigkeitsladesäulen, sogenannten High Power Chargern, den Ladezyklus auf drei Minuten verkürzen. Laut Unternehmensangaben sind diese für eine Reichweite von hundert Kilometer ausreichend. Fehlen also nur noch die Elektroautos. Oder war es andersherum?

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2 Kommentare zu "Elektromobilität: Deutschland ist bei Ladestationen für Elektroautos ein Entwicklungsland"

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  • Der Bericht übertreibt zudem gnadenlos an mehreren Stellen:
    1. Die Lieferzeit von bezahlbaren! E-Autos liegt bei mnimum 1 Jahr (außer Tesla und wenige BMW Modelle)
    2. E-Autos müssen NICHT JEDEN Tag geladen warden, außer der Wagen wird jeden Tag bis aufs Max-Reichweite gefahren
    3. Es fliegen nicht "...alle Sicherungen raus, wenn in einem Mehrfamilienhaus acht Autofahrer nach Feierabend ..." die Ladung verzögert sich nur. Das Scenario ist wohl eher aus dem späten 2030, wenn ALLE Mitbewohner ein E-Auto haben und ALLE gleichzeitig laden, weill ALLE gleichzeitig leer sind.
    Es warden ja auch IMMER ALLE Waschmaschinen JEDEN Tag um Punkt 20:00 Uhr in jedem Mehrfamilienhaus gestartet, gell??

  • Der Bericht lässt zwei wichtige Bausteine komplet ausser Acht.
    1. Wenn ichh heute in ein Autogeschäft gehe und das Geld bar auf den Tisch lege und ein E-Auto dafür mitnehmen möchte, dann ist das nicht möglich (besonders bei deutschen Herstellern).
    2. Selbst wenn ich es wollte und 15.000 € für eine WallBox in meiner Mehrfamilienhaus-Tiefgarge in Hamburg investieren möchte, gibt es soviele Bestimmungen, die mir dies verbieten, das ich das gar nicht darf.

    Zur Zeit gibt es keinen Autohersteller auf diesem Globus, der E-Autos in nennenwerter Anzahl verkaufen kann.
    Das es keinen Markt gibt ist ein Märchen. Streetscooter zeigt, das der Markt sehr wohl vorhanden ist.

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