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Energie

Elektromobilität EnBW verspricht 10.000 Schnellladepunkte für Elektroautos

Für den Durchbruch der Elektromobilität ist entscheidend, dass man möglichst überall schnell das Auto aufladen kann. Nun wird das Netz dichter.
19.05.2020 - 09:57 Uhr Kommentieren
Der Energiekonzern EnBW ist Marktführer beim schnellen Laden von Elektroautos in Deutschland. Anfang 2021 soll schon der 1000. Standort installiert sein.
Schnellladesäule von EnBW

Der Energiekonzern EnBW ist Marktführer beim schnellen Laden von Elektroautos in Deutschland. Anfang 2021 soll schon der 1000. Standort installiert sein.

Düsseldorf Der Ölkonzern Shell betreibt in Deutschland knapp 2000 Tankstellen, Aral etwas mehr. Deutschlands Marktführer beim Laden von Elektroautos, der Energiekonzern EnBW, will Anfang kommenden Jahres mit seinem Netz aber auch schon auf 1000 Stationen kommen – allesamt mit Schnellladetechnik.

„Dann hätten wir schon halb so viele Standorte wie die großen heutigen Tankstellenbetreiber für Benzin und Diesel“, betont EnBW-Chef Frank Mastiaux im Gespräch mit dem Handelsblatt.

An den 1000 Stationen werden die Fahrer von Elektroautos dann ungefähr 2500 Ladepunkte finden, um ihr Auto schnell aufladen zu können. An Stationen mit 350-Kilowatt(kW)-Technik entlang der Autobahnen können sie in fünf Minuten Strom für 100 Kilometer tanken. An einem Ladehub mit 75 kW Leistung bei einem Einkaufszentrum dürfte die Technik reichen, um das Auto während des Einkaufs wieder aufzutanken.

Und das Tempo soll hoch bleiben. EnBW nehme derzeit „im Schnitt jeden Tag einen neuen Standort in Betrieb“, sagt Mastiaux. „2025 kann so ein flächendeckendes Netz mit 10.000 Schnellladepunkten entstehen.“ Bis dahin will das Unternehmen allein auf der Netzseite – also bei der Verstärkung des Stromnetzes und beim Anschluss der Standorte – 500 Millionen Euro investieren.

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Standort erkennen

    Für den Aufbau der Ladestandorte und den Aufbau der digitalen Infrastruktur können pro Jahr rund 100 Millionen Euro dazukommen – das hängt aber unter anderem von der Lage der Standorte ab. Der EnBW-Chef ist jedenfalls, auch über sein eigenes Unternehmen hinaus, überzeugt, dass der Hochlauf der Elektromobilität nicht an den Schnellladestationen scheitern werde.

    Die Botschaft ist gerade in der Coronakrise wichtig, in der viele Investitionsprojekte infrage gestellt werden. Während die Autokonzerne, die endlich auf breiter Front Elektromodelle auf den Markt bringen sollen, mit der Krise schwer zu kämpfen haben, sind die Energieversorger vergleichsweise robust.

    Grafik

    Und tatsächlich spielt das öffentlich zugängliche Schnellladenetz eine entscheidende Rolle für den Durchbruch der Elektromobilität in Deutschland. Die Bundesregierung misst im „Masterplan Ladeinfrastruktur“ neben Ladeboxen in Privathäusern und Tiefgaragen sowie Wechselstrom-Ladesäulen in Wohnstraßen, an denen Autos teilweise stundenlang hängen, insbesondere dem überregionalen Schnellladen mit Gleichstrom eine große Bedeutung bei.

    Der Masterplan wurde Ende vergangenen Jahres verabschiedet und soll den im Klimaschutzpaket geplanten Hochlauf von Elektroautos auf sieben bis zehn Millionen Fahrzeuge im Jahr 2030 begleiten. „Erstes Ziel soll die Errichtung von 1000 Schnellladestandorten sein“, heißt es in dem Papier. Dieses Ziel wird allein EnBW Anfang 2021 erreicht haben.

    Joint Venture bringt 100 zusätzliche Standorte

    Der Versorger aus Süddeutschland hat nach den Worten von Mastiaux die meisten Schnellladepunkte im Angebot: „Wir sind heute Marktführer im Bereich Schnelllader gemessen an unserer Netzgröße – und wollen das bleiben“, kündigt er an.

    Das Unternehmen hat schon 2009 mit dem Aufbau von Wechselstromsäulen begonnen. Seit 2016 fokussiert es sich auf Schnellladestationen, hat dafür längst die Grenzen des Stammlandes Baden-Württemberg verlassen – und expandiert sogar international.

    Am Dienstag gibt EnBW ein Joint Venture mit dem Unternehmen Smatrics bekannt. Smatrics gehört Siemens sowie den Energieunternehmen OMV und Verbund aus Österreich – und bietet in Österreich und der Schweiz schnelles Laden an. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen, an dem EnBW die Mehrheit übernimmt, wird der Versorger sein Netz auf einen Schlag um 100 zusätzliche Standorte in den südlichen Nachbarländern vergrößern.

    In Deutschland bietet nach einer jüngsten Marktübersicht des Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmens Prognos zwar Konkurrent Innogy, der im Herbst von Eon übernommen wurde, insgesamt die meisten Ladepunkte an. Innogy hat dabei aber vor allem normale Ladesäulen mit Wechselstrom installiert, die maximal auf eine Leistung von 22 kW kommen und an denen ein Auto mehrere Stunden zum vollständigen Laden hängen muss.

    Aktuell hat EnBW hierzulande 340 Schnellladestandorte mit knapp 1000 Ladepunkten, 140 weitere sind schon in Fertigstellung und 200 in der Projektphase. Bis Anfang 2021 werden die 1000 vollendet sein, hält auch Timo Sillober, Vertriebschef von EnBW, fest. Allein an den deutschen Autobahnraststätten gebe es schon 126 Standorte mit 350-kW-Technik. „Wir sind damit an jeder dritten Raststätte vertreten“, erläutert Sillober. „Alle 90 Kilometer findet ein Kunde entlang der Autobahnen eine Ladesäule von uns.“ EnBW will die Distanz aber auf 40 bis 50 Kilometer drücken und auch Autohöfe einbinden.

    Gemessen an den Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat EnBW derzeit einen Anteil von gut einem Viertel beim Schnellladen. Der Verband zählte Anfang Mai 27.730 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Deutschland – davon 3880 mit Schnellladetechnik. Die offizielle Statistik hinkt aber für gewöhnlich der realen Entwicklung hinterher. Nach Angaben des privaten Stromtankstellenverzeichnisses GoingElectric gibt es in Deutschland schon fast 43.000 Ladepunkte, davon mehr als 7200 mit Gleichstrom. EnBW käme aber auch hier auf einen Anteil von 13 Prozent.

    Doch auch andere Unternehmen bauen das Schnellladenetz aus. Eon hat auch mehr als 1000 Schnellladepunkte installiert, aber über mehrere Gesellschaften und Marken verteilt. „Investition und Besitz stehen aber nicht unmittelbar im Vordergrund“, betont ein Sprecher: „Wichtig ist für uns das Geschäftsmodell der Installation und des Betriebs.“ Eon baut häufig im Auftrag von Kunden und verdient vor allem am Service. Jüngst hat das Unternehmen dazu unter anderem Vereinbarungen mit BMW und Volkswagen geschlossen.

    Das Gemeinschaftsunternehmen der Autohersteller BMW, Ford, Daimler, Volkswagen, Audi und Porsche , Ionity, hat derzeit in 18 europäischen Ländern 229 Ladeparks mit durchschnittlich vier Ladesäulen installiert. 82 davon stehen in Deutschland. Der internationale Anbieter von Ladeinfrastruktur Allego betreibt in Deutschland rund 270 Schnellladestandorte. Aber auch kommunale Unternehmen investieren kräftig. Stromnetz Hamburg hat beispielsweise gut 120 Standorte. Und auch branchenfremde Wettbewerber bieten schnelles Laden an. Aldi beispielsweise zählt bereits 85 Schnellladestandorte, Konkurrent Lidl 78. Der US-Konzern Tesla betreibt auch knapp 80 Schnellladesäulen in Deutschland.

    Die Deutsche Energieagentur (Dena) hat jüngst in einer Studie, in die auch die Ergebnisse von Prognos eingeflossen sind, die hohe Bedeutung der öffentlichen Ladeinfrastruktur für den Durchbruch der Elektromobilität festgestellt: Obwohl die Kapazität der Batterien gestiegen ist, sind der Studie zufolge „die Reichweitenangst und Ladeinfrastrukturverfügbarkeit als Hemmnisse für den Kauf von Elektrofahrzeugen weiterhin vorhanden“ und haben „sogar an Bedeutung gewonnen“.

    Zwar wird ein großer Teil der Ladevorgänge im privaten Umfeld stattfinden, wie es in der Studie heißt. Auf dem Land werden Besitzer von Einfamilienhäusern auch fleißig Ladeboxen installieren. In Gebäuden mit einer oder zwei Wohnungen sieht die Dena ein großes Potenzial von acht bis zehn Millionen Ladepunkten.

    Der EnBW-Chef ist vom Durchbruch der Elektromobilität überzeugt. Bis 2025 rechnet er in Deutschland mit drei Millionen Elektroautos. Quelle: dpa
    Frank Mastiaux

    Der EnBW-Chef ist vom Durchbruch der Elektromobilität überzeugt. Bis 2025 rechnet er in Deutschland mit drei Millionen Elektroautos.

    (Foto: dpa)

    In Städten, wo die größte Nachfrage nach Elektroautos gesehen wird, sieht die Situation aber ganz anders aus. In Gebäuden mit drei oder mehr Wohnungen liege das Potenzial nur bei 0,45 bis 1,8 Millionen privaten Ladepunkten. Dabei wäre gerade für Bewohner in verdichteten Gebieten, die in Mehrparteiengebäuden leben, ein zügiger Zubau an öffentlicher Ladeinfrastruktur nötig, wie Dena-Chef Andreas Kuhlmann sagt. Weil vor allem in Ballungsräumen die Zahl der Elektroautos steigen wird, empfiehlt die Studie „den Aufbau eines Grundnetzes an Ladepunkten in dicht besiedelten Wohngebieten“, also dem urbanen Raum.

    Entlang der Autobahnen gebe es schon jetzt ein gut ausgebautes Schnellladenetz, sagt EnBW-Vertriebschef Sillober: „Im urbanen Umfeld müssen aber auch öffentliche Schnellladepunkte her.“ Seiner Ansicht nach ist das durchaus realisierbar. „Wenn man es intelligent macht, bekommt man relativ schnell ein flächendeckendes Netz hin.“

    Sein Unternehmen baut beispielsweise Hubs modular auf, sodass sie nach und nach vergrößert werden könnten – und es setzt auf Partnerschaften. Die Hubs stehen beispielsweise in der Nähe von Einkaufszentren. Gerade hat EnBW einen Deal mit Trigema geschlossen. Der Bekleidungshersteller will deutschlandweit an 22 Standorten Schnelllader mit 150- bis 300-kW-Leistung installieren.

    Noch ist Elektromobilität ein Zuschussgeschäft

    „Wer ein Elektroauto kaufen will, muss überzeugt sein, dass er überall ausreichend Möglichkeiten zum Laden findet“, sagt EnBW-Chef Mastiaux. Per Roaming bekommen Elektroautobesitzer branchenübergreifend Zugriff auf die Ladestationen anderer Anbieter. Der Kunde wolle aber auch Klarheit über Tarife und Abrechnung haben und ein positives Kundenerlebnis, erläutert Mastiaux. „Elektromobilität muss transparent und simpel sein.“

    Marktführer EnBW bietet mit seiner App „EnBW mobility+“ den Kunden beispielsweise nicht nur die eigenen Ladesäulen, sondern auch Zugriff auf über 95 Prozent der öffentlichen Ladepunkte in Deutschland und weiteren Ländern. Für Mastiaux ist die App ein zentraler Faktor im Wettbewerb: „Vom Anspruch her so ein wenig wie das Booking.com der Elektromobilität.“ Egal, ob der Kunde in Stuttgart, Hannover oder Salzburg tanke, er zahle immer den gleichen Tarif.

    Bislang ist die Elektromobilität für EnBW wie für die Wettbewerber aber ein Geschäft im Aufbau. Es gibt zwar einzelne Bereiche, die schon jetzt profitabel sind, wie Komplettangebote für private Ladesysteme. Die Schnellladestandorte sind aber noch nicht ausgelastet. Noch läuft der Ausbau des Netzes der Flotte an Elektroautos vorweg.

    Aktuell registriert das Unternehmen an den Ladehubs im Schnitt zwei bis drei Ladevorgänge pro Tag und Ladepunkt. Wirtschaftlich wird es, wenn sechs bis acht Autos pro Tag geladen werden. Das entspräche einer Nettoladezeit von rund drei bis vier Stunden. Konkurrent Allego hatte jüngst eine größere Umstrukturierung mit Stellenabbau bekanntgegeben, weil die Auslastung nicht mit dem Ausbau mithalten kann.

    „Mitte der Dekade dürften wir mit der Elektromobilität die Grenze zur Profitabilität erreichen“, ist Mastiaux zuversichtlich. EnBW erwartet, dass es dann mindestens drei Millionen rein elektrisch betriebene Autos in Deutschland geben könnte. Aktuell sind es 175.000.

    Die drei Millionen Elektroautofahrer sollen dann so leicht eine Tankstelle finden wie die Benzin- und Dieselfahrer.

    Mehr: Warum die Preisstruktur an der Ladesäule jetzt noch unübersichtlicher wird

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