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Energie

Elektromobilität Energiebranche warnt vor Ladesäulen-Wahn

Eine Million Ladesäulen bis 2030? Deutlich zu viel, meint die Energiebranche. Technische Weiterentwicklungen würden bei der Planung nicht berücksichtigt.
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In Deutschland sind bereits mehr als 20.000 Ladesäulen installiert worden. Quelle: dpa
Elektroautos

In Deutschland sind bereits mehr als 20.000 Ladesäulen installiert worden.

(Foto: dpa)

Berlin Kurz vor der Sitzung des Klimakabinetts am 20. September überbieten sich die Akteure mit Forderungen und Vorschlägen, die den Klimaschutz voranbringen sollen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) trumpfte Ende vergangener Woche mit dem Vorstoß auf, in Deutschland sollten bis 2030 möglichst eine Millionen Ladesäulen in Betrieb gehen, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen.

Aus Sicht der Energiebranche ist die Zahl jedoch viel zu hoch gegriffen. „Wir brauchen einen realistischen Zubau der Ladeinfrastruktur, der vom tatsächlichen Bedarf und dem praktischen Nutzerverhalten ausgeht“, sagte Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dem Handelsblatt. „Wer nach dem Motto ,Viel hilft viel' eine Millionen Ladepunkte und mehr fordert, verkennt die Realitäten“, sagte er. Derzeit gibt es laut BDEW in Deutschland 20.700 Ladepunkte.

Der BDEW geht davon aus, dass 350.000 öffentliche Ladepunkte ausreichen, um die bis 2030 angepeilten zehn Millionen E-Autos in Deutschland zu versorgen. Der Verband unterstellt dabei, dass nur 20 Prozent der Ladevorgänge an öffentlichen Ladepunkten stattfinden, 80 Prozent dagegen am Arbeitsplatz oder in der heimischen Garage.

„Nicht jede Ladevariante muss zu hundert Prozent den Bedarf decken können, ansonsten hätten wir eine Überversorgung“, sagte Kapferer. Wer sein Auto am Arbeitsplatz laden könne, werde öffentliche Ladepunkte nur selten in Anspruch nehmen. „Die verschiedenen Varianten des Ladens ergänzen sich also“, sagte der BDEW-Hauptgeschäftsführer.

Eine flächendeckende Ladeinfrastruktur gilt als Grundvoraussetzung, um der Elektromobilität im Individualverkehr zum Durchbruch zu verhelfen. Viele potenzielle Käufer lassen sich von der Vorstellung abschrecken, nicht überall und jederzeit Strom tanken zu können. Die Automobilindustrie hat daher großes Interesse daran, die Infrastruktur rasch auszubauen.

Technische Rahmenbedingungen ändern sich

Kapferer warnt nun davor, übers Ziel hinauszuschießen. „Wir wollen verhindern, dass mit öffentlichen Mitteln eine überdimensionierte Ladeinfrastruktur entsteht“, sagte Kapferer. Allein bis 2020 wird die Bundesregierung den Aufbau von Ladeinfrastruktur für E-Autos mit insgesamt 300 Millionen Euro gefördert haben.

Kapferer setzt außerdem darauf, dass die Ladeleistung der Säulen in den kommenden Jahren steigt, ebenso die Reichweite der E-Autos. Auch diese Entwicklung wird nach seiner Überzeugung Druck aus dem System nehmen. Gerade mit Blick auf das Klimakabinett seien „realistische Zahlen für den Ladesäulenzubau zwingend notwendig“.

Doch nicht allein die Zahl der Ladepunkte ist ausschlaggebend. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE), dem Unternehmen wie BayWa, Lichtblick, Lekker und Sonnen angehören, mahnt ein intelligentes Lademanagement an. Derzeit tanke ein E-Auto noch völlig ungesteuert, also unabhängig von der aktuellen Belastung des Stromnetzes und auch unabhängig von der absehbaren Dauer des Parkens.

„Ungesteuertes Laden mag in der Pionierphase der Elektromobilität tolerierbar gewesen sein. Mit dem Markthochlauf von Elektrofahrzeugen muss sich nun aber intelligentes Laden zum Standard entwickeln“, sagte BNE-Geschäftsführer Robert Busch dem Handelsblatt. Nur mit dem intelligenten Laden könne die Elektromobilität kosteneffizient in das Energiesystem eingebunden werden. Dazu müsse der Ladevorgang nach mehreren Parametern ausgerichtet werden, etwa nach der aktuellen Stromerzeugung, dem Kundenbedürfnis und der Netzauslastung.

Dazu müsse der freie Zugriff auf die jeweiligen Fahrzeugdaten möglich sein, fordert der BNE. „Damit intelligentes Laden attraktiv für den Endkunden ist, braucht es das richtige Anreizsystem. Die Stromrechnung muss am günstigsten ausfallen, wenn zum Beispiel entsprechend aktueller Stromverfügbarkeit und Netzauslastung geladen wird“, sagte Busch.

Mehr: Das Justizministerium will Rechtsanspruch auf private E-Ladestation schaffen.

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3 Kommentare zu "Elektromobilität: Energiebranche warnt vor Ladesäulen-Wahn"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist ein Wahnsinn grundsätzlich, denn so lange der Strom in den Ladesäulen aus Grosskraftwerken von der Verbrennung fossiler Brennstoffe kommt, ist er schmutzig. Es gibt zudem revolutionäre Alternativen, in die wir JETZT auch investieren müssen. Ich hörte davon: auch für die Berliner Neutrino Energy Group vollkommen - Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch! Allerdings werden Zwischenstopps an den Ladesäulen demnächst der Vergangenheit angehören. Die Autos der Marke Pi beziehen ihre Energie aus Energiewandlern, die diese aus Strahlung gewinnen. Dabei geht es um sehr leichte Elektrofahrzeuge, deren Karosserie nicht aus Aluminium besteht, sondern aus Karbon. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht, sondern ermöglicht auch die problemlose Integration der Energiewandler. Somit kann der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Der griechische Buchstabe Pi wurde als Markenname gewählt, weil er für Unendlichkeit steht. So wie Fotovoltaikanlagen Strom aus dem sichtbaren Licht gewinnen, wandelt die Neutrino-Voltaik nicht-sichtbare Strahlung in Energie um. Damit ergibt sich ein bedeutender Vorteil: diese Energiegewinnung ist nicht vom Tageslicht abhängig. Die extrem kleinen, hochenergetischen Teilchen stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, an jedem beliebigen Ort zur Verfügung. Und deshalb dürfen wir uns jetzt nicht auf diesen Ladesäulen Wahnsinn einlassen.

  • Steckdose reicht fast überall, kostet 1/100 einer Ladesäule..z.B. an staatl. subvemtionierten Bahnhofparkplätzen...da steht der Pendler eh mehr als 10 Stunden und nutzt sicher nicht de volle Reichweite des Autos. ..

  • Woher kommt der Strom, um 10 mio E-autos zu betreiben? Der Durchschnitt von Kurz- und Langladen wird ca. 15 - 20 GW Leistung benötigen, entspricht 15 bis 20 Nettoleistung von Kernkraftwerken. Oder zusätzlich 15000 -- 20 000 Windkrafträder (reale Nettoleistung!). Derzeit stehen für ganz Deutschland ca. 50 - 78 GW (1GW=1mio KW) zur Verfügung .Geht doch nicht. Bitte mit diesen uneinlösbaren Versprechungen aufhören. Ich glaube nicht, daß uns Frankreich 1/3 seiner gesamten Kernkraftleistung abgeben möchte....Und wie soll der fehlende Strom unserer Kernkraft- und Kohlekraftwerke beschafft werden? Nochmals ca. 25GW. Leben wir in der Republik der Traumwandler?

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