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Energie

Elektromobilität Italienischer Energieversorger Enel steigt in den deutschen Lademarkt ein

Der Markt für E-Ladesäulen in Deutschland wächst rasant. Immer neue Anbieter drängen auf den Markt. Auch Italiens größter Energieversorger will mitmischen.
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Bisher gilt eine unzureichende Lade-Infrastruktur als ein Haupthindernis beim Ausbau der Elektromobilität in Deutschland. Quelle: dpa
Ladestation für Elektrofahrzeuge

Bisher gilt eine unzureichende Lade-Infrastruktur als ein Haupthindernis beim Ausbau der Elektromobilität in Deutschland.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Lange hat sich beim Thema Elektromobilität in Deutschland so gut wie nichts getan, vor allem in Sachen Lademöglichkeiten für strombetriebene Autos. Aber innerhalb eines Jahres hat sich der Markt komplett verändert.

Volkswagen will mit seinem neuen Tochterunternehmen Elli zum Ladeanbieter werden, der Ölmulti Royal Dutch Shell hat sich mit der Übernahme von New Motion ein Schwergewicht für Ladelösungen gesichert, und vor einem Jahr hat der US-Konzern Charge Point den europäischen Markt für sich entdeckt. Jetzt drängt der italienische Energiekonzern Enel mit seinem Tochterunternehmen Enel X nach Deutschland.

„Deutschland ist für uns ein sehr wichtiger Markt und das Potenzial ist riesig“, begründet Enel-X-Europachef Dirk Idstein die Entscheidung. „Der Markt für Ladestationen zieht an, besonders bei Unternehmen sehen wir mittlerweile großes Interesse für das Thema“, sagt Idstein. 

Enel ist einer der größten Energieversorger der Welt und hat mit Enel X 2017 ein Tochterunternehmen für alles rund um das Thema Energiemanagement gegründet. Weltweit betreibt Enel X mittlerweile 40.000 Ladepunkte, weitere 40.000 sind allein in Italien, Spanien und Rumänien in den nächsten vier Jahren geplant. Eine genaue Zahl für Deutschland, wollte Idstein allerdings noch nicht nennen. Mittlerweile drängen immer mehr Anbieter auf den begehrten deutschen Markt. 

Die Zahl der Lademöglichkeiten für E-Autos ist innerhalb der vergangenen neun Monate um fast 30 Prozent gestiegen: Mehr als 17.400 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte weist das Register des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im April aus, Ende Juli 2018 waren es noch 13.500. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre ist die Anzahl der Ladepunkte sogar um 120 Prozent gestiegen. 

Das beobachten auch Experten wie Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. „Aber das reicht bei Weitem noch nicht“, warnt er. Damit die Elektromobilität auch hierzulande funktioniere, müsse Deutschland noch nachlegen.

Bisher gilt eine unzureichende Lade-Infrastruktur als eines der Haupthindernisse beim Ausbau der Elektromobilität – neben dem hohen Preis der Fahrzeuge und der oft noch geringen Reichweite. Die Neuzulassungen von Elektroautos waren zuletzt aber deutlich gestiegen. 

Für das Ziel der Bundesregierung, 2020 eine Million E-Autos in Deutschland zu haben, braucht es nach Einschätzung des BDEW 70.000 Normal-Ladepunkte und 7000 Schnell-Ladepunkte. Aktuell gibt es gerade einmal knapp 2000 Schnell-Ladesäulen an deutschen Straßen. 

Der Markt ist zerstückelt

Immer mehr Anbieter wollen den Wachstumsmarkt für sich nutzen. Alleine in Deutschland gibt es Dutzende Unternehmen, die Ladesäulen betreiben. Wie unübersichtlich es mittlerweile geworden ist, zeigt ein Blick auf Website Plugfinder, die sämtliche Ladesäulenbetreiber in Deutschland auflistet. Die Palette reicht von kleinen kommunalen Stadtwerken bis zu Energieriesen, vom Schnellrestaurant bis zum Luxushotel.

Auch der Ökostromanbieter Innogy hat den lukrativen Lademarkt für sich entdeckt. Neben den Einnahmen aus Service und Wartung der Stromtankstellen, stellt das Energieunternehmen aber auch eigene Infrastruktur her. Auch Enel X will seine Ladesäulen nicht nur betreiben, sondern auch selbst bauen. 

„Langfristig wird der Verkauf von Ladesäulen sicherlich kein Gewinnbringer“, muss auch Idstein zugeben. Er geht davon aus, dass sich die Hersteller über ihre Software unterscheiden werden und dass die „Hülle“ dann keine große Rolle mehr spielt. Trotzdem habe man gute Erfahrungen damit gemacht, gleich alles selbst in die Hand zu nehmen. 

Der Lademarkt ist zerstückelt. Hier gibt es Hersteller von Ladeinfrastruktur, andere die eine Management-Plattform anbieten und wieder dritte, die das Ganze als Portal für ihre Kunden betreiben.

Für den Verbraucher wäre ein einheitlicher Standard angenehmer. Ein Elektroauto in Deutschland zu laden ist derzeit nicht immer ganz einfach. Die Regeln wechseln mitunter von Stadt zu Stadt. Und viele kleine Anbieter setzen nach wie vor auf ihr eigenes Abrechnungssystem – mit eigener Zugangskarte und Abo-Modellen. Kein Vergleich zur klassischen Tankstelle, wo für alle Autofahrer dieselben Regeln gelten.

Weil es keine Stromzähler gibt, die Gleichstrom eichrechtskonform zählen können – entsprechende Geräte sollen erst im Laufe des Jahres auf den Markt kommen – rechnen derzeit die meisten Anbieter die Ladevorgänge notgedrungen pauschal ab. Oder sie staffeln die Tarife nach Minuten oder Stunden.

Viel fairer wäre die Abrechnung per geladener Kilowattstunde, wie es in den Niederladen schon praktiziert wird. Diese Erfahrung hat auch Enel-X-Chef Idstein gemacht. Das ist allerdings in Deutschland bislang noch nicht möglich. 

Spätestens in ein paar Jahren, da ist sich Experte Bratzel sicher, wird sich der Lademarkt ohnehin wieder verkleinern. „Nicht alle Anbieter werden diesen Wettbewerb überleben“, sagt er. Und dann gibt es auch für den Verbraucher vielleicht etwas mehr Ordnung im Durcheinander des Ladedschungels.

Mehr: Elektroautos und erneuerbare Energien stellen eine immer größere Herausforderung für das Stromnetz dar. Dabei könnten E-Autos auch ein Teil der Lösung sein.

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