Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Elektromobilität Streit um Ladesäulen: Pläne der Bundesregierung stoßen auf Kritik

Die Große Koalition fordert eine Million Ladepunkte bis 2030. Die Anbieter der Ladeinfrastruktur halten das für unrealistisch – und verlangen mehr Förderung.
6 Kommentare
Ladesäulen: Pläne der Bundesregierung stoßen auf Kritik Quelle: dpa
Ladeinfrastruktur

Ladesäulenanbieter sehen in dem Plan der Bundesregierung den falschen Anreiz. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Für ihr Klimapaket musste die Bundesregierung viel Kritik einstecken. Die Maßnahmen seien viel zu zögerlich, schimpften Klimaschützer. In einem Punkt setzte die Große Koalition aber ein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 sollen für Elektroautos in Deutschland eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung stehen. Das soll der Elektromobilität endlich zum Durchbruch verhelfen.

Bei Autokonzernen gibt es dafür Beifall. Bei den Unternehmen, die die Ladesäulen bauen sollen, stößt aber auch dieser Plan auf heftige Kritik: „Das ist unrealistisch und unnötig“, hält Eon-Chef Johannes Teyssen fest – und trifft damit auf breite Unterstützung. Die Energiebranche hält das Ziel für überzogen und fordert massive Förderung, um überhaupt im nennenswerten Umfang Ladesäulen zu installieren. Der Grund ist simpel: Das Geschäft lohnt sich für die Betreiber aktuell nur an ganz wenigen Standorten.

„Wir gehen davon aus, dass 80 Prozent der Ladevorgänge zu Hause und am Arbeitsplatz passieren“, sagt Christopher Burghardt, Europachef des amerikanischen Ladesäulenanbieters Chargepoint. Die von der Regierung vorgegebene Zahl von einer Million hält er für viel zu hoch. „Öffentliche Ladesäulen sind für uns eher psychologisch, als dass wir glauben, dass dort der größte Teil des Stroms fließen wird“, ist der Manager überzeugt.

Tatsächlich ist das Ziel der Bundesregierung mehr als anspruchsvoll: Derzeit gibt es laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in ganz Deutschland kaum mehr als 20.700 öffentliche Ladepunkte. Das sind zwar gut 50 Prozent mehr als noch vor einem Jahr, aber das ist weit von einer flächendeckenden Versorgung entfernt.

Allerdings sehen Experten die öffentliche Ladestruktur dabei in einem Tempo mit dem aktuellen Markthochlauf der Elektroautos. Die Zahl der reinen E-Autos wuchs laut Kraftfahrtbundesamt im ersten Halbjahr 2019 zwar um 80 Prozent, damit rollen insgesamt trotzdem gerade einmal 31.000 Stromer auf deutschen Straßen.

In zehn Jahren soll die Zahl der strombetriebenen Fahrzeuge laut den Plänen der Bundesregierung auf bis zu zehn Millionen ansteigen. Das bezweifeln aber die Ladeanbieter – und auch wenn das gelingen sollte, halten sie das Ziel von einer Million Ladesäulen für übertrieben.

Grafik

„Technisch gesehen ist das machbar. Wirtschaftlich ist das aber nicht“, sagt Mathias Wiecher, der bei Eon das Geschäft mit der Elektromobilität leitet: „Das ist eine leicht einprägsame Zahl, die aber unrealistisch ist.“

Eine Ladesäule müsse mindestens zwei bis vier Stunden unter Volllast genutzt werden, um überhaupt die Betriebskosten und eine angemessene Verzinsung einzuspielen, erläutert der Eon-Manager. Aktuell sei das nur an einzelnen Standorten entlang der Autobahnen, in der Nähe von Berlin und München der Fall. In der Regel werden die öffentlichen Ladesäulen aber kaum genutzt. „Selbst wenn es dann - wie erhofft - zehn Millionen Elektrofahrzeuge geben sollte, lassen sich eine Million Ladesäulen nicht wirtschaftlich betreiben“, glaubt Wiecher.

Die Kosten stehen schlicht in keinem Verhältnis zur erwarteten Nutzung. Für eine normale Ladesäule mit 20 Kilowatt (kW) Leistung beginnen die Kosten – inklusive Installation und Netzanschluss – bei rund 5.000 Euro. Bei einer Schnellladesäule mit 50 kW sind es schon 40.000 Euro. Bei einer Ultraschnellladesäule mit 150 bis 175 kW liegen die Kosten bei 100.000 bis 120.000 Euro.

Die Krux beim Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur: Es ist eine so flächendeckende Infrastruktur gewünscht, dass Elektroautofahrer immer Zugang zu einem freien Ladepunkt haben. Wenn das gewährleistet ist, sind die Ladesäulen aber zu schlecht ausgelastet, als dass sie sich rechnen können. Hochgerechnet müssten bei einer Million öffentlicher Ladesäulen wohl 30 Millionen Elektroautos auf der Straße sein.

„Von sich aus werden die Marktteilnehmer das nicht machen können“, sagt Wiecher: „Das ist nur mit einer attraktiven Förderung möglich.“

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Elektromobilität - Streit um Ladesäulen: Pläne der Bundesregierung stoßen auf Kritik

6 Kommentare zu "Elektromobilität: Streit um Ladesäulen: Pläne der Bundesregierung stoßen auf Kritik"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Im BMW i-3 gab es einen Range-Extender - einen kleinen Benzin-Motor mit einem Tank, der
    fuer etwa 100 km reicht und den man ueberall auftanken kann. Leider ist dieses Extra
    nicht mehr im Angebot. Ich koennte mir vorstellen, dass eine Mini-Gasturbine billiger und
    leichter waere und Erdgas ist ueberall zu haben. Rein elektrisch kann man eigentlich nur
    Zweitwagen betreiben.

  • Solange in den Ladesäulen weiterhin schmutziger Strom aus der Kohleverbrennung geladen wird, ist nicht wirklich Klimaschutz garantiert und wird weiterhin CO2 in Mengen Ausgestossen. Für eine saubere Elektromobilität gibt es bereits sensationelle Alternativen, die wir JETZT dringend Anpacken sollten. Der heutige Stand der Nutzung von solarer Strahlung, vorrangig der Neutrinos, lässt in absehbarer Zeit erwarten, dass mit dem Konzept der Neutrinovoltaic schrittweise immer größere Energiemengen in Kleinstkraftwerken erzeugt werden. Was das bedeutet, erklärt Prof. Dr. Günther Krause, Bundesverkehrsminister a.D., der mit der Berliner Neutrino Energy Group an revolutionären Lösungen arbeitet: Mit Hilfe der Neutrinovoltaic wird die Elektromobilität auf eine neue Form verbreitert, nämlich auf die Elektromobilität mit Hybrid-Ergänzung von Neutrinvoltaic-Kleinstkraftwerken. Durch Nachrüstung oder Ergänzung werden demnach die Probleme der großen Batterien und der Ladeinfrastruktur entschärft. Das versetzt die Automobilindustrie in die Lage, sukzessive die sogenannte Pi-Technologie zu nutzen, bei der dank Metamaterialien die gesamte Fahrzeugkarosserie selbst die Basis für Erzeugung von Elektroenergie darstellt, egal ob im Fahrbetrieb oder im Stand.

  • Die grünen Träumer sollten mal die Großsiedlungen aufsuchen. Wo sollen denn da die Säulen in der erforderlichen Anzahl stehen? Und wer kommt für den Vandalismus auf, der zu erwarten ist?

  • Alles, aber auch wirklich alles, was zu diesem Thema geschrieben wird, ist unausgewogen und unrealistisch.
    Damit ist alles gesagt. (eigentlich)
    Alle Entscheidungsträger sollten die Schulbank drücken, und nochmals lernen. (selbst lernen und nicht abschreiben)

  • Wir haben vor nicht einmal einhundert Jahren die erste Tankstelle in Deutschland errichtet. Heute sind es annähernd 15.000, die regelmäßig per Tanklastzug beliefert werden müssen, Emissionen freisetzen und an denen jeder Kunde ungeschult mit brennbaren Flüssigkeiten hantieren darf. Wolle man heute die erste Tankstelle errichten, so wäre dies vermutlich ein hoffnungsloses Unterfangen.
    Aber zu den Ladesäulen - Nach meiner Erfahrung aus den zurückliegenden Jahren und 70tkm … ich lade mein Fahrzeug nachts an der heimischen Steckdose und als Berufspendler ggfs. auch am Arbeitsplatz. Hier müssen die rechtlichen Voraussetzungen und entsprechende Anreize geschaffen werden.

  • Zitat:" Vor allem braucht es nach seinen Worten jetzt eine schnellere Änderung im Miet- und Wohnungsrecht. Bisher kann in einer Wohnungseigentümergemeinschaft ein Eigentümer nur dann eine Ladesäule aufstellen, wenn alle anderen Eigentümer dieser Gemeinschaft einwilligen."
    Das ist nach meiner Meinung das größte Hindernis in den Stadten. Es ist ja noch nicht einmal möglich eine ganz normale Schuko-Steckdose am eigenen Stellplatz zu installieren um z.B. einen E-Motorroller an Ort zu Stelle zu laden. Nein, man muss den Akku in den eigenen Keller oder gar in die eigene Wohnung zum Aufladen schleppen.

Serviceangebote