Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Elektromobilität Warum die Preisstruktur an der Ladesäule jetzt noch unübersichtlicher wird

Wegen zu hoher Gebühren hat EnBW dem Ladeverbund Ionity die Zusammenarbeit aufgekündigt. Nun ist eine Debatte über den richtigen Preis an der Ladesäule entbrannt.
01.04.2020 - 09:52 Uhr Kommentieren
Das Laden von Elektroautos an öffentlichen Punkten ist in Deutschland immer noch nicht ganz unkompliziert.  Quelle: dpa
Lademarkt

Das Laden von Elektroautos an öffentlichen Punkten ist in Deutschland immer noch nicht ganz unkompliziert. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mit der Zahl der Elektroautos wächst auch der Wettbewerb auf dem deutschen Lademarkt. Laut der Bundesnetzagentur sind mittlerweile immerhin mehr als 1000 Unternehmen mit dem Aufbau der Infrastruktur für E-Mobilität beschäftigt. Zwei der größten Anbieter entfachen jetzt einen Streit um den richtigen Preis für das Tanken von Strom.

Angestoßen wurde die Debatte durch eine radikale Preiserhöhung von Ionity. Wer seinen Stromer spontan an einer Säule des Gemeinschaftsunternehmens laden will, muss seit Neuestem 79 Cent pro Kilowattstunde (kWh) bezahlen und damit deutlich mehr als bei der Konkurrenz. 

Hinter dem Konsortium stehen VW, Daimler, Ford, BMW und Hyundai. Mit ihrer Ankündigung sorgten die Autokonzerne für Aufsehen in der Branche. Der Energieversorger EnBW hat die Ladesäulen von Ionity jetzt sogar offiziell aus dem Angebot genommen, weil er die Preiserhöhung nicht mittragen will.

„Diese Preiserhöhung ist aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt und sendet ein völlig falsches Signal“, sagt EnBW-Vertriebschef Timo Sillober im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der süddeutsche Stromkonzern ist selbst einer der größten Anbieter von Ladesäulen im Land, bietet seinen Kunden auf der hauseigenen Plattform „mobility+“ aber auch die Möglichkeit, bei anderen Anbietern für den gleichen Preis zu laden. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der beträgt für Spontantanker ohne Vertrag 49 Cent pro kWh, für Abonnenten 29 bis 39 Cent. „Elektromobilität muss für alle verfügbar und alltagstauglich sein. Mit dem Preis von Ionity liegt man jetzt im Vergleich sogar über den Kosten für die Tankfüllung eines herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotor. In dieser Phase ist das ein absolut unnötiger Schritt“, kritisiert Sillober die Konkurrenz.

    Wo vor zwei Jahren noch von einer regelrechten Ladewüste die Rede war, ist der Aufbau der Infrastruktur für E-Autos mittlerweile in vollem Gange. Fast 24.000 öffentliche Ladepunkte gibt es laut dem Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mittlerweile in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahr immerhin ein Zuwachs von knapp 50 Prozent. 

    Grafik

    Ob auf dem Parkplatz, vor dem Supermarkt, an Hotels oder der Autobahn – die Lademöglichkeiten werden immer mehr. Trotzdem: „Die Infrastruktur in Deutschland muss sich deutlich schneller entwickeln. In dem Tempo ist das Ziel der Bundesregierung von einer Million Ladesäulen bis 2030 nicht zu erreichen“, sagt Experte Wolfgang Bernhart von der Beratungsagentur Roland Berger. Die flächendeckende Wirkung sei noch genauso wenig vorhanden wie ein funktionierender Markt.

    Intransparente Preise 

    Das hängt auch mit der geringen Zahl der E-Autos zusammen, die dieser Tage überhaupt schon auf deutschen Straßen unterwegs sind. Zwar wurden im vergangenen Jahr laut Kraftfahrtbundesamt deutlich mehr Stromer zugelassen als noch ein Jahr zuvor. Ihre Gesamtzahl bleibt mit etwas mehr als 63.000 Autos aber sehr gering. Selbst wenn man Plug-In-Hybride mit einbezieht, kommt man lediglich auf einen Marktanteil von 3,1 Prozent. Damit steigt Deutschland aber trotzdem zum weltweiten drittgrößten E-Fahrzeugmarkt auf – nach China und den USA.

    Aber schon für die drei Prozent der E-Autobesitzer ist das Laden in Deutschland eine regelrechte Herausforderung. Ohne zwei bis drei verschiedene Karten von Ladeanbietern oder entsprechende Apps kommt man da nicht weit. Wer Benzin oder Diesel tankt, erkennt die aktuellen Preise durch einen kurzen Blick auf die Anzeige an der Tankstelle. Was er am Ende zahlen muss, liest er direkt an der Säule ab.

    Beim E-Auto ist das anders. An den Ladesäulen gibt es meist kein Display. Nur die wenigsten schicken ihre Rechnungen via E-Mail in Echtzeit an den Kunden. Was man am Ende wirklich gezahlt hat, zeigt sich also meist erst am Monatsende. Zwischen Abos, Flatrates, Grundgebühren und einer undurchsichtigen Preisstruktur kann der Überblick beim Stromtanken schon einmal verloren gehen. Auch deswegen wurde die Abrechnungsform 2019 vereinheitlicht.

    Seit April vergangenen Jahres muss an Ladesäulen nach dem Eichrecht abgerechnet werden. Wo es vorher Angebote für unbegrenzte Ladevorgänge gegen einen entsprechenden Betrag gab, muss der Kunde nun pro Kilowattstunde bezahlen. Aber längst nicht alle Anbieter können ihre Säulen so schnell umstellen. Experten rechnen damit, dass die Regelung erst Ende 2020 auch bei allen umgesetzt sein wird. 

    Grafik

    Aber selbst dann bleibt das Preisproblem: Zwischen 29 bis 79 Cent kann die Kilowattstunde kosten. „Das Grundproblem ist, dass die Tarifstruktur extrem unterschiedlich ist. Je nachdem zahlen drei Verbraucher an einer Säule drei verschiedene Preise“, kritisiert Gregor Kolbe von der Verbraucherzentrale. Die außergewöhnliche Preiserhöhung von Ionity mache es für den E-Autofahrer nun noch komplizierter. „Wenn ich mit einer Vertragskarte bei Ionity tanke, zahle ich als Kunde 49 Cent, ohne Karte 79 Cent pro Kilowattstunde. Das macht es für den Verbraucher sehr intransparent.“ 

    Ionity verteidigt Preiserhöhung

    Auch der ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Gerhard Hillebrand, kritisierte vor diesem Hintergrund, dass Ladesäulenbetreiber versuchten, vertragslose Kunden mit einem enormen Preisaufschlag in Verträge zu zwingen. Teilweise seien die Preise für das Ad-hoc-Laden doppelt so hoch wie jene für Vertragskunden. „Solche Preisunterschiede sind nicht akzeptabel, und dafür gibt es auch keine technischen Gründe“, argumentierte Hillebrand.

    Ionity-Chef Michael Hajesch verteidigt die umstrittene Entscheidung. „Am Anfang haben wir eine Flatrate für acht Euro angeboten. Jetzt haben wir ein Ladenetzwerk und damit ist für uns auch der Zeitpunkt gekommen, das Preismodell entsprechend umzustellen“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bis Ende 2020 will das Joint Venture 400 Schnelladesäulen in ganz Europa aufstellen. 

    In Deutschland verteilen sich über das Autobahnnetz aktuell 79 Ladestationen, fünf befinden sich noch im Bau. „Wer sein Elektroauto an der Autobahn lädt, für den muss es möglichst schnell gehen. Wir bieten eine hohe Ladeleistung, 100 Prozent Grünstrom und eine hohe Verfügbarkeit in mehreren Ländern“, erklärt Hajesch. Das sei ein Vorteil gegenüber vielen anderen Anbietern und rechtfertige deswegen auch den höheren Preis.

    Dass Ionity nun die Preise erhöht, könnte allerdings auch damit zu tun haben, dass sich mit einer Ladesäule aktuell noch kein Geld verdienen lässt. Eine Ladesäule muss mindestens mehrere Stunden unter Volllast genutzt werden, um aus dem Geschäft überhaupt erst einen Gewinn zu erzielen. Dafür ist die Auslastung jedoch hierzulande schlicht noch zu niedrig.

    „Das Geschäft mit Ladesäulen ist ein langfristiges, da muss man schon auf 10 bis 15 Jahre im Voraus planen, aber dann lässt sich auch mit unseren Preisen ein Gewinn erzielen“, ist EnBW-Vertriebschef Sillober überzeugt. Einen Preis von 79 Cent je kWh halte man zur Förderung der Marktentwicklung allerdings nicht für zielführend. „Wenn ein Markt entsteht, muss er alle mitnehmen und dazu gehört auch der Kunde.“ Genau der könne sich ja dann auch für ein günstigeres Angebot entscheiden, kontert Ionity-Chef Hajesch. 

    Mehr: So lässt sich Strom speichern wie Benzin oder Heizöl.

    Handelsblatt Energie Briefing
    Startseite
    Mehr zu: Elektromobilität - Warum die Preisstruktur an der Ladesäule jetzt noch unübersichtlicher wird
    0 Kommentare zu "Elektromobilität: Warum die Preisstruktur an der Ladesäule jetzt noch unübersichtlicher wird"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%