Energie

Enercon-Umstrukturierung Jobabbau in der Windbranche – Niedersachsen pocht auf Hilfe der Bundesregierung

Die Windkraft-Flaute trifft Marktführer Enercon und das Land Niedersachen. Ministerpräsident Weil drängt auf vereinbarte Sonderausschreibungen.
Kommentieren
Windbranche: Niedersachsen fordert nach Jobabbau Hilfe aus Berlin Quelle: dpa
Enercon-Arbeiter

Bundesweit könnten bei dem Unternehmen mehr als 800 Stellen wegfallen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWeil der deutsche Windmarkt einbricht, will der Auricher Windkraftanlagen-Hersteller Enercon sich internationaler aufstellen. Das geht beim deutschen Marktführer nicht ohne Einschnitte: Bundesweit könnten mehr als 800 Stellen wegfallen – allein in Niedersachsen sind es 700. Dieser vorläufige Höhepunkt der heimischen Windkraftkrise alarmiert auch die Politik.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil fordert jetzt grundsätzlich schon zugesagte Hilfe aus Berlin. „Wir brauchen sehr schnell die vereinbarten Sonderausschreibungen für weitere Windenergieparks, damit wieder mehr Aufträge erteilt werden.“ Hätte die Bundesregierung schneller gehandelt, „wären die Jobverluste vermeidbar gewesen“, sagte er der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) am Freitag.

Wegen einer Auftragsflaute müssen seit anderthalb Jahren immer mehr Zulieferer hunderte von Mitarbeitern entlassen. So sind im vergangenen Jahr allein in Hamburg 1000 Stellen weggefallen. In ganz Norddeutschland kommen noch einmal 1000 Jobs dazu. Bundesweit geht der Bundesverband für Windenergie (BWE) mittlerweile von einer fünfstelligen Zahl für 2017 aus. Der Branchenverband sieht jeden siebten der insgesamt 140.000 Jobs hierzulande in Gefahr.

Enercon ist Deutschlands Marktführer in Sachen Windkraft und gehört mit einem Umsatz von jährlich rund fünf Milliarden zu den fünf erfolgreichsten Windkonzernen weltweit. Viele der Zuliefererbetriebe arbeiten exklusiv für das Unternehmen in Ostfriesland. Sie wurden von der Ankündigung am Mittwoch völlig überrascht. In der kommenden Woche wollen die Betriebsräte sich treffen, um über das weitere Vorgehen zu sprechen.

Die IG Metall warnte Enercon „vor einem Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten“. „Das Unternehmen darf jetzt nicht versuchen, Entlassungen von hunderten Mitarbeitern und die Schließung von Standorten innerhalb kürzester Zeit durchzuziehen“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Dramatischer Preisverfall war politisch gewollt

Aus Sicht der niedersächsischen Landesregierung ist das eine Folge der Reform der Ökostromförderung. „Durch fehlgeschlagene Ausschreibungen ist es zu einem Fadenriss in der Windenergiebranche gekommen“, sagte Weil. Während die Betreiber von Windparks früher feste Vergütungen bekamen, müssen sie sich seit Mai vergangenen Jahres in Auktionen durchsetzen, bei denen das günstigste Angebot zum Zuge kommt. Die Folge war ein politisch gewollter, aber dramatische schneller Preisabfall in der Branche.

Hinzu komme, dass in der Ausschreibungsrunde 2017 fast ausschließlich Bürgerwindparks den Zuschlag erhalten hätten, sagte Weil. Vielen dieser Projekte fehle es an den nötigen Genehmigungen: „Deshalb findet derzeit kein weiterer Aufbau statt und die Windenergieunternehmen bekommen keine Aufträge.“ Die Landesregierung habe frühzeitig vor dieser Entwicklung gewarnt – auf Druck der SPD seien im Berliner Koalitionsvertrag Sonderausschreibungen vorgesehen, sagte Weil.

Nach Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionspartnern CDU und SPD wurde das Vorhaben aber erst einmal auf Eis gelegt. Eine kleinere Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) war vor noch vor der Sommerpause geplant, aber passiert ist bislang nichts.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) fordert deswegen jetzt ein klares Signal von Seiten der Politik, wie und wann die Vereinbarungen ab September umgesetzt werden. Die Ankündigung des deutschen Marktführers Enercon werfe nur ein realistisches Schlaglicht auf die Branche.

Wenn sich hier nichts ändere, sagte Hermann Albers, Präsident des BWE, dem Handelsblatt, werde sich der Beschäftigungsverlust fortsetzen. Und Deutschland gefährde eine „hart erarbeitete Zukunftsbranche“.

Handelsblatt Energie Briefing
Startseite

Mehr zu: Enercon-Umstrukturierung - Jobabbau in der Windbranche – Niedersachsen pocht auf Hilfe der Bundesregierung

0 Kommentare zu "Enercon-Umstrukturierung: Jobabbau in der Windbranche – Niedersachsen pocht auf Hilfe der Bundesregierung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%