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Energie

Energie-Ausblick BP erklärt Ende des Öl-Booms: Höhepunkt der Nachfrage könnte erreicht sein

In seinem jährlichen Energy Outlook gibt BP einen Ausblick auf die Energiewelt von morgen. Corona könnte das Öl-Zeitalter früher beenden als gedacht.
14.09.2020 - 15:26 Uhr Kommentieren
Eigentlich sollte die Nachfrage nach dem schwarzen Rohstoff noch bis Ende 2030 ordentlich steigen. Quelle: dpa
Ölförderung in den USA

Eigentlich sollte die Nachfrage nach dem schwarzen Rohstoff noch bis Ende 2030 ordentlich steigen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die weltweite Öl-Nachfrage könnte ihren Höhepunkt schon längst überschritten haben und der Öl-Boom ein jähes Ende finden: Zu diesem folgenreichen Schluss kommen die Analysten des britischen Ölkonzerns BP in ihrem alljährlichen Energy Outlook.

„In der modernen Energiegeschichte gab es noch nie einen absoluten Nachfragerückgang der fossilen Rohstoffe. Das ändert sich jetzt“, verkündet BP-Chefökonom Spencer Dale mit achtungsheischender Miene bei der Vorstellung der Studie am Montag via Webcast. 

Als das Zeitalter der Kohle zu Ende gegangen sei, habe das Zeitalter des Öls begonnen, erklärt der ehemalige Chefvolkswirt der Bank of England. „Ab 2040 werden alternative Energien die stärkste Kraft im globalen Energiesystem“, ist Dale überzeugt. Jetzt beginne das Zeitalter der Erneuerbaren. 

Grund für die plötzliche Kehrtwende ist die Coronakrise. Die könnte einen „signifikanten und nachhaltigen“ Einfluss auf den Verlauf der globalen Wirtschaft haben – und damit auch auf die weltweite Energienachfrage, schreibt BP. 

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    Bislang sprachen Experten immer von einer stetig steigenden Nachfrage nach dem schwarzen Rohstoff bis mindestens 2035. Auch BP war sich dessen ziemlich sicher und prognostizierte eine Stagnation des Öl-Booms erst in 20 Jahren. Bis zum Jahre 2040 werde der weltweite Energieverbrauch – getrieben vor allem durch die steigende Nachfrage in China und Indien – um ein Drittel zulegen.

    Einige der Corona-Auswirkungen dürften anhalten

    „Die weltweite Rezession wird Länder wie Brasilien, Indien und Afrika, die die Energienachfrage in den letzten Jahren massiv vorangetrieben haben, jetzt besonders hart treffen“, sagte Dale. 

    Die durch die Pandemie ausgelösten Verhaltensänderungen wie selteneres Reisen und die Umstellung von Flugzeugen auf andere Verkehrsmittel lösten sich wahrscheinlich im Laufe der Zeit auf, sobald das Virus unter Kontrolle gebracht wurde.

    Einige der Auswirkungen würden jedoch wahrscheinlich anhalten, beispielsweise die Arbeit von zu Hause aus – und „das wird Spuren hinterlassen“, sagte Dale. „Die Pandemie könnte die Wende von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien beschleunigen“, schreiben die BP-Experten. 

    Und zwar so massiv, dass in einem der drei Szenarien des Energy Outlooks der Höhepunkt des Öl-Booms sogar schon heute erreicht sein könnte. Eine Rückkehr zu der Zeit vor Corona würde es somit nicht geben. 

    Bislang steht BP mit seiner drastischen Prognose allerdings weitestgehend allein da. Ganz so drastisch sehen es die Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) beispielsweise nicht. Noch im Juni rechnete die IEA für das Jahr 2021 mit einem Zuwachs der Nachfrage auf täglich 97,4 Millionen Barrel.

    Bei BP geht selbst die optimistischste Schätzung für die nächsten zwei Jahrzehnte von einer Nachfrageentwicklung aus, die „weitgehend stagniert“, da die Welt sich im Zuge der Energiewende immer mehr von fossilen Brennstoffen verabschiede. Einzig die Erdgasnachfrage sieht BP in den nächsten 15 Jahren nach oben gehen. „Erdgas wird vor allem in den Industrieländern wichtig, wo es die Rolle von Kohle und Öl in den nächsten Jahren nach und nach ersetzen wird“, sagt Dale. 

    Auch die Bedeutung von Wasserstoff steigt in den Augen der BP-Analysten. Je nach Szenario könnte die Zukunftstechnologie 2050 immerhin zwischen sechs und 15 Prozent der Gesamtenergienachfrage bedienen. „Keine andere Energieform wächst in den nächsten Jahren so rapide wie die Erneuerbaren“, sagte Dale. Wind und Solar sind zukünftig für zwei Drittel der neu installierten Energie verantwortlich. 

    Das führt dazu, dass selbst unter dem „Business-as-usual-Szenario“, in dem Richtlinien und Technologien ihre Entwicklung in Bezug auf die aktuellen Trends fortsetzen, die Ölnachfrage zwar auf dem jetzigen Niveau bleiben, aber in den nächsten 20 Jahren mit etwa 100 Millionen Barrel pro Tag weitgehend stagnieren würde, bevor sie bis 2050 auf etwa 95 Millionen Barrel pro Tag sinkt.

    BP richtet sich neu aus

    Für den britischen Ölgiganten kommen die neuen Zahlen genau zur richtigen Zeit. BP-Chef Bernard Looney hatte bereits im August eine Neuausrichtung des fossilen Energieunternehmens angekündigt. 

    Fünf Milliarden US-Dollar jährlich sollen nun in den Aufbau des Geschäfts mit erneuerbaren Energien investiert werden. Die Öl- und Gasproduktion hingegen werde in den nächsten zehn Jahren um 40 Prozent sinken. Außerdem will BP seinen Netto-Kohlendioxid-Ausstoß bis spätestens 2050 auf null senken.

    Der Milliardenkonzern hat einen Wandel bitter nötig. Das Deepwater-Horizon-Unglück im Golf von Mexiko, die anschließende Ölpreiskrise und nun die plötzlich eingebrochene Nachfrage haben BP in den vergangenen Jahren zu einem harten Sparkurs gezwungen. 

    Im zweiten Quartal machte BP einen Rekordverlust von fast 18 Milliarden US-Dollar, die Dividende wurde halbiert und mehr als 10.000 der insgesamt 70.000 Stellen sollen gestrichen werden.

    Die Ölbranche ist von den Folgen der globalen Pandemie besonders betroffen. Nicht nur, dass die Nachfrage von heute auf morgen eingebrochen ist, auch der Ölpreis zeigte sich in den vergangenen Monaten alles andere als krisenfest. 

    Nach kurzer Unterbrechung in der vergangenen Woche hat der Preis für die europäische Ölsorte Brent seine Verlustserie am Montag fortgesetzt. Mit knapp 39 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) liegt der Rohölpreis damit immer noch deutlich unter der Marke von 45 Dollar, die das schwarze Gold den Sommer über durchschnittlich kostete. 

    Mehr: Ölkonzerne schreiben Milliardenverluste im zweiten Quartal.

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