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Energie

Energie-Deal Eon-Chef Teyssen muss um Mega-Deal bangen

Eon-Chef Johannes Teyssen ist entschlossen, die RWE-Tochter 2019 in den Konzern zu integrieren. Doch die EU-Kommission reagiert auf Bedenken der Konkurrenz.
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Eon-Chef Johannes Teyssen muss um Mega-Deal mit RWE bangen Quelle: dpa
Innogy

Die RWE-Konzerntochter soll an Eon gehen – doch es wachsen die Bedenken.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, BerlinEon-Chef Johannes Teyssen demonstriert Gelassenheit. Als sein Unternehmen am Donnerstag vergangener Woche die Pläne zur Übernahme von Konkurrent Innogy bei der EU-Kommission anmeldete, feierte er dies als „einen wichtigen Schritt“, um die geplante Transaktion ab Mitte 2019 umzusetzen. „Auch sonst liegen wir bei der Vorbereitung der geplanten Integration von Innogy voll im Plan und kommen gut voran“, sagte Teyssen.

Tatsächlich ist das mit RWE vereinbarte Tauschgeschäft im Volumen von gut 20 Milliarden Euro, bei dem die beiden Energiekonzerne die RWE-Tochter Innogy unter sich aufteilen wollen, alles andere als perfekt. Die EU-Kommission hat offenbar die von Konkurrenten geäußerten Bedenken aufgenommen – und gleich zwei kritische Fragebögen an Marktteilnehmer geschickt.

Einer betrifft die von Eon geplante Übernahme von Innogys Vertriebs- und Netzgeschäft. Eon will durch die Transaktion zu einem der größten europäischen Versorger aufsteigen, der sich auf Vertrieb und Netze konzentriert.

Der andere Fragebogen betrifft die von RWE angemeldete Übernahme der erneuerbaren Energien von Innogy und Eon. Deutschlands größter Stromproduzent will wieder das komplette Spektrum anbieten, von Wind- und Solarenergie bis Gas- und Kohlekraftwerke. Beide Fragebögen liegen dem Handelsblatt vor.

Dabei gibt es Widerstand, aber nicht nur in Deutschland. Auch in Tschechien, Polen, der Slowakei und Ungarn muss Eon um die geplante Übernahme von Innogy-Aktivitäten bangen.

In Großbritannien wiederum muss Eon mehr übernehmen als geplant: Die notleidende britische Vertriebsgesellschaft N-Power, die Innogy eigentlich abspalten wollte, wird nun doch zum Übernahmepaket gehören – und Eon nicht nur kartellrechtliche Probleme bereiten, sondern vor allem vor eine schwierige Sanierungsaufgabe stellen.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal zustande kommt, ist nach wie vor sehr hoch“, heißt es in Kreisen der beteiligten Unternehmen, „inzwischen gibt es aber so viele Risiken, dass das Geschäft auch noch scheitern könnte.“

Das weist eine Eon-Sprecherin zwar zurück. „Wir sind nach wie vor überzeugt, dass wir die Transaktion bis Ende des Jahres abschließen können“, sagte sie. Tatsächlich läuft der Genehmigungsprozess noch immer so ab wie von Eon seit Bekanntgabe der Pläne in Investorenpräsentationen regelmäßig angekündigt. Allerdings ist das Ergebnis der Prüfung längst nicht mehr so sicher, wie es am Anfang schien.

Als die Chefs von Eon und RWE, Johannes Teyssen und Rolf Martin Schmitz, Mitte März 2018 ihr Tauschgeschäft ankündigten, stießen sie bei Wettbewerbsexperten und sogar bei Verbraucherschützern auf ein überwiegend positives Echo. Selbst der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, äußerte sich zunächst wohlwollend. Nach seiner Meinung seien die „wettbewerblichen Auswirkungen“ im Bereich erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb „überschaubar“, sagte er damals.

Rivalen postieren sich

Die konventionelle Stromerzeugung von RWE sei „der einzig interessante Markt“. Analysten bezeichneten die Transaktion schon als „done deal“.

Eon will von RWE die 76,8 Prozent an Innogy übernehmen, die der Konkurrent noch hält, und hat sich weitere Anteile per Offerte gesichert. Im Gegenzug erhält RWE die Aktivitäten von Innogy und Eon bei erneuerbaren Energien, 1,5 Milliarden Euro und ein Paket von 16,67 Prozent an Eon. Inzwischen haben sich aber die Kritiker positioniert. In Deutschland sind das überregionale Konkurrenten wie Lichtblick, aber auch viele Stadtwerke und Regionalversorger.

„Wir sehen die geplante Transaktion von RWE und Eon kritisch, da sie in vielen Bereichen den Wettbewerb einschränken kann“, sagte Stefan Dohler, Chef des Oldenburger Regionalversorgers EWE, auf Anfrage: „Wir fordern nicht, die Pläne zu untersagen. Wir regen aber an, diese so zu gestalten, dass weiterhin faire Wettbewerbssituationen möglich sind.“

Eon würde nach der Transaktion über 50 Prozent aller Konzessionen in Deutschland haben, die zum Betrieb von Strom- und Gasnetz berechtigen, und darüber hinaus mit zwei Discount-Anbietern eine zu große Marktmacht entwickeln, kritisierte Dohler: „Gerade im Bereich neuer digitaler Geschäftsmodelle hätte Eon einen gigantischen Vorsprung durch die Anzahl an Daten, die Eon als größter Messstellenbetreiber automatisch erhält.“

RWE wiederum habe „ein riesiges Erzeugungsportfolio“ und könnte diese Marktmacht insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien ausnutzen. Lichtblick ließ die Marktmacht des neuen Eon-Konzerns schon von der Beratungsgesellschaft LBD untersuchen: Laut der Analyse wird Eon auf zwei Drittel der Fläche Deutschlands zum größten Stromanbieter werden.

In diesen Regionen werde der Marktanteil „dann bei über 70 Prozent der Kunden“ liegen. In der Regel kontrolliere Eon hier auch die Stromnetze. Eon komme auf eine „marktmächtige Stellung“, sagte auch ein Anwalt, der eine andere Partei vertritt.

Die Kritiker der Fusion werten schon die Fragebögen, die jetzt verschickt wurden, als Erfolg. Die Fragen seien sehr präzise und würden die Bedenken aufnehmen, heißt es.

Bundeskartellamt prüft mit

„Der Genehmigungsprozess läuft wie erwartet ab“, hält die Eon-Sprecherin dagegen: „Dass die EU-Kommission einen solchen Fragenkatalog verschickt, ist ein ganz normaler Vorgang.“ Eon sei schon seit Monaten im Gespräch mit der Kommission. Der Konzern habe selbst die rund 1000 Wettbewerber, Kunden und Lieferanten in Europa benannt, an die die Fragen jetzt verschickt wurden.

„Unsere Untersuchung geht seinen Weg“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission, wollte sich aber nicht näher äußern. Das Bundeskartellamt muss in diesem Verfahren mitentscheiden. Der Einstieg von RWE bei Eon wäre nach EU-Recht nicht genehmigungspflichtig, nach deutschem Wettbewerbsrecht ist er es aber. „Hinsichtlich der Anmeldung und kartellrechtlichen Prüfung des Vorhabens steht das Bundeskartellamt in engem Kontakt mit der EU-Kommission“, sagte ein Sprecher.

Aber nicht nur in Deutschland wird der Zusammenschluss kritisch gesehen: In der Slowakei kommen Eon und Innogy auf einen so hohen Marktanteil, dass Eon wohl Aktivitäten veräußern muss. In Polen hat der Ministerrat überraschend Innogy DSO Polska zum Jahresbeginn auf eine Liste strategisch wichtiger Unternehmen gesetzt. In Branchenkreisen wird das als Versuch gewertet, den Verteilnetzbetreiber unter staatliche Kontrolle zu bringen.

Auch in Ungarn, wo sowohl Eon als auch Innogy aktiv sind, wird mit Widerständen gerechnet. In Tschechien muss Eon um das lukrative Gasnetz von Innogy bangen. Dort pocht Minderheitseigner Macquarie auf eine Change-of-Control-Klausel, die ihm ein Vorkaufsrecht einräumt. Solche Klauseln gibt es auch bei einigen Stadtwerken in Deutschland.

In Großbritannien könnte der Genehmigungsprozess durch den Brexit erschwert werden. Die Fusion ist momentan inklusive der britischen Aktivitäten in Brüssel angemeldet. Sollte Großbritannien bald aus der EU ausscheiden, dürfte die britische Aufsicht zuständig werden.

„Noch mag Teyssen entschlossen sein, aber es gibt genug Risiken, die den Deal letztlich unattraktiv machen könnten“, heißt es in Kreisen der beteiligten Unternehmen.

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