Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Energie Der niedrige Gaspreis macht den Ölkonzernen zu schaffen

Nach den Rekordzahlen im vergangenen Jahr muss Big Oil im dritten Quartal 2019 einen Dämpfer einstecken. Und das liegt dieses Mal nicht nur am Ölpreis.
1 Kommentar
Die Aussichten für die erfolgsverwöhnte Branche halten sich erstmal in Grenzen.  Quelle: dpa
Ölförderung in Texas

Die Aussichten für die erfolgsverwöhnte Branche halten sich erstmal in Grenzen. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Das Jahr hatte für die großen Ölkonzerne schon nicht gut begonnen, aber nach den ersten neun Monaten ist jetzt klar, dass auf das Rekordjahr 2018 erst mal ein Dämpfer folgt. Die Umsätze der Super Majors Shell, Exxon Mobil, Chevron, BP und Total sind teilweise um zweistellige Milliardenbeträge eingebrochen. So machte die britische BP im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr satte zwölf Milliarden Dollar weniger Umsatz und auch der niederländisch-britische Shell-Konzern und US-Riese Exxon Mobil mussten auf elf Milliarden Dollar verzichten. 

Darunter leiden auch die Gewinne. Die französische Total verliert eine Milliarde im Vergleich zum Vorjahr, ähnlich wie Shell, während bei BP unterm Strich 2,2 Milliarden Dollar übrig bleiben (3,8 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum). Auch der zweitgrößte US-Ölmulti Chevron hat im dritten Quartal deutliche Abstriche machen müssen – dort fiel der Überschuss verglichen mit dem Vorjahreswert um 36 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar.

Am heftigsten traf es allerdings Exxon Mobil: bei dem texanischen Konzern brach der Gewinn um knapp die Hälfte, auf nur noch 3,2 Milliarden Dollar ein und verlor damit sogar mehr als von Analysten erwartet. 

Zusammen kommen die fünf Branchenriesen gerade mal auf einen Quartalsgewinn von knapp 16 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es noch 24 Milliarden Dollar.

„Im Vergleich zu den Rekordzahlen im vergangenen Jahr haben die großen Ölkonzerne im dritten Quartal schon ein kräftiges Minus eingefahren“, sagt John Feddersen, Ölexperte bei dem britischen Beratungsunternehmen Aurora Energy Research. Anders als sonst liege das diesmal aber nicht nur an den altbekannten Ölpreisschwankungen.

Grafik

„Der extrem niedrige Gaspreis macht den Ölkonzernen besonders zu schaffen“, erläutert Feddersen. Während sich der Ölpreis seit Jahresbeginn auf einem Niveau von durchschnittlich 60 Dollar pro Barrel der Sorte Brent eingependelt hat, ist der Gaspreis um 20 Prozent gefallen – auf ein historisches Tief. Das bekommt die Branche jetzt zu spüren.

Seit Jahren bauen die Ölmultis ihr Gas-Geschäft kontinuierlich aus. Allein bei BP ist der Anteil des Erdgasgeschäftes innerhalb der vergangenen acht Jahre von 40 auf 50 Prozent gestiegen. Shell und Total konzentrieren sich vermehrt auf den Aufbau ihrer Flüssigerdgassparte (LNG). Eine Entscheidung, die vor fünf Jahren auf jeder Konferenz als unumgänglich angesehen wurde. „Gas ist die Brückentechnologie der Zukunft“, hieß es fast in jeder Rede.

Die Logik dahinter leuchtet ein: Bei immer mehr Erneuerbaren im Energiesystem und dem in manchen Ländern anstehenden Ausstieg aus der Kohleverstromung braucht es eine flexibel einsetzbare Energie wie Gas, die auch dann verfügbar ist, wenn der Wind mal nicht weht oder die Sonne nicht scheint. Aus den traditionellen Ölunternehmen wurden Öl- und Gaskonzerne.

Aber in vielen Ländern steigt die Gasnachfrage nicht so stark wie angenommen. „Der Gasmarkt wächst zwar stärker als die Nachfrage nach Kohle und Öl, bleibt aber deutlich unter den Erwartungen“, erklärt Feddersen. Aktuell herrsche deswegen ein Überangebot an dem fossilen Rohstoff.

Die Gewinnung von Schiefergas in den Vereinigten Staaten heizt die Erdgasproduktion derweil weiter an. Die Möglichkeit, verflüssigtes Erdgas (LNG) auf dem Seeweg in andere Länder zu transportieren, hat die Bedeutung Nordamerikas als Erdgasproduzent zusätzlich erhöht.

Grafik

Innerhalb von drei Jahren hat sich die Exportmenge aus den USA so fast verdoppelt. Und auch der Handel mit Flüssigerdgas insgesamt ist im selben Zeitraum um 28 Prozent gestiegen. „Wir haben einen Überschuss an Gas und es wird ein paar Jahre dauern, bis sich das wieder ausgleicht. Die Preise werden aber nicht dauerhaft so niedrig bleiben“, ist Feddersen überzeugt. Deswegen sei die Entscheidung der Ölmultis, ihr Gasgeschäft auszubauen, trotzdem richtig, der Gasmarkt sei nun einmal ein hoch volatiler Markt.

Aber nicht nur die historisch niedrigen Gaspreise setzen den fossilen Energieunternehmen zu. Auch die schwächelnde Weltwirtschaft macht sich langsam bemerkbar. Nach der Ölpreiskrise vor fünf Jahren haben die Konzerne angefangen, sich breiter aufzustellen, auch um sich besser für die Zeit nach dem Boom zu wappnen, der laut Berechnungen von BP schon 2040 zu Ende sein könnte.

Als Teil dieser Strategie bauen die Ölriesen nicht nur das Gas-Segment aus, sondern investieren auch kräftig im Bereich der Petrochemie. Schon bis 2020 steigt die weltweite Nachfrage nach Erdölprodukten nur um etwas mehr als ein Prozent, im gleichen Zeitraum rechnet die Petro-Branche damit, dass die Nachfrage nach Polymeren, also nach Kunststoff und Plastik, jährlich mehr als drei Prozent wachsen wird. Ob Total, Shell oder Exxon Mobil – alle investieren in milliardenschwere Petrochemie-Projekte.

Schwache Weltwirtschaft trifft Ölbranche

„Wir sehen die Chemie-Margen aktuell allerdings zum Beispiel bei Shell deutlich unter Druck“, beobachtet Independent Research-Analyst Sven Diermeier. Den Grund sieht der Ölmarktexperte in der schwachen Weltkonjunktur. „Auch die Chemiekonzerne verzeichnen im abgelaufenen Quartal überwiegend Gewinnrückgänge“, erklärt er. Branchenriesen wie BASF kämpfen mit Einbußen, vor allem wegen niedriger Preise im Materials-Segment, zu dem unter anderem das Geschäft mit Kunststoffen zählt. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat die Nachfrage nach Kunststoffen gedrückt.

Der US-Riese Exxon-Mobil ist mit seiner riesigen Chemie-Sparte von diesem Trend unter den Großen Fünf am stärksten betroffen. Und auch Shell warnte seine Anleger schon vor der Bekanntgabe seiner Quartalszahlen, dass die Raffinerie- und Chemieanlagen nur zu etwa 90 Prozent ausgelastet seien.

Ein niedriger Ölpreis, ein überfluteter Gasmarkt und eine schwächelnde Weltwirtschaft stürzen die Ölbranche zwar nicht gleich in die nächste Krise, aber das könne sich schnell ändern, warnt Diermeier. „Noch ist die Lage relativ entspannt“, sagt der Analyst. Aber es sei die Gesamtstimmung, die zum Problem für die Ölmultis werden könnte.

Längst sind es nicht nur protestierende Aktivisten, die den Milliardenkonzernen Druck machen. Die Gruppe „ClimateAction 100+“, deren Mitglieder ein Vermögen von 33 Billionen Dollar in Fonds verwalten, setzen sich auf den Hauptversammlungen von Big Oil immer öfter für eine klimafreundlichere Strategie der fossilen Giganten ein.

Exxon Mobil steht gerade in New York vor Gericht. Der US-Konzern soll seine Investoren durch falsche Zahlen zum Klimawandel um hunderte Millionen gebracht haben. Einer der größten Fonds der Welt, der norwegische Staatsfonds, hat bereits angekündigt, sich aus fossilen Unternehmen zurückzuziehen. Und weitere werden folgen. Keine besonders vielversprechenden Aussichten für die erfolgsverwöhnte Branche.

Mehr: Lange Zeit bildeten die großen Ölkonzerne eine fast unaufhaltsame Einheit. Nun trennen sich die Wege – die Grenze verläuft mitten durch den Atlantik.

Startseite

Mehr zu: Energie - Der niedrige Gaspreis macht den Ölkonzernen zu schaffen

1 Kommentar zu "Energie: Der niedrige Gaspreis macht den Ölkonzernen zu schaffen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette